Los 725
Hermann Hesse. Korrespondenz mit Karl Keller. 1941-53.
Schätzpreis
€ 3.000
Ausrufpreis
€ 2.000
Los:
725
Kategorie:
Manuskripte und Autographen
HERMANN HESSE (1877 Calw – 1962 Montagnola)
Literaturnobelpreisträger
Umfangreiches Konvolut aus der Korrespondenz Hesses mit dem Buchhändler Karl Keller. Mit zahlreichen eigenhändig unterzeichneten Briefen, Gedichten und Druckvorlagen sowie einem von Hesse selbst signierten Privatdruck. Die Korrespondenz setzt in den frühen 1940er-Jahren ein und reicht bis in die Nachkriegszeit. Im Mittelpunkt stehen die Vorbereitung von Abdrucken und Privatdrucken, die Auswahl und Reihenfolge von Gedichten, Korrekturen und die Übersendung von Belegexemplaren. Hesse tritt dabei als außerordentlich genauer und persönlich engagierter Betreuer seiner Texte hervor. Von besonderem biographischem und zeitgeschichtlichem Gewicht sind Hesses persönliche Äußerungen über seine Lebenssituation, Krankheit und die Katastrophe seiner Zeit. Auch seine schwierige Stellung im Deutschland der Nachkriegszeit bzw. sein ambivalentes Verhältnis zu seinem deutschen Publikum in den Jahren nach 1945 wird greifbar.
(Teils mit Büroklammerspuren. Geringe Altersspuren.)
1) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenhändiger Unterschrift. Undatiert. 1 Blatt. 21,3 x 13,8 cm. - Hesse übersendet einen korrigierten Text für einen Neudruck und gibt Anweisungen zur Reihenfolge abzudruckender Gedichte.
2) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. November 1941. 1 Blatt. 27,5 x 20,7 cm. - Vor das Anschreiben an Keller hat Hesse seinen Text „Bericht des Schülers“ gesetzt. Darunter dankt er Keller für dessen Brief und schildert, „seit anderthalb Jahren dauernd krank“ zu sein und kaum mehr gehen zu können.
3) Maschinenschriftliches Gedicht „Oktober“ mit eigenh. Unterschrift. Ohne Datierung. 1 Blatt. 21,3 x 13,5 cm.
4) Einblattdruck „Prosa“ mit eigenh. Unterschrift. 1 Blatt. 23,5 x 15,9 cm. - Sonderdruck aus der „Neuen Schweizer Rundschau“, Aprilheft 1942.
5) Einblattdruck „Krankennacht“ mit eigenh. Unterschrift. 1 Blatt. 21,6 x 15,5 cm.
6) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. 2. November 1944. 1 Blatt. 21 x 14,8 cm. - Persönlicher Brief an Karl Keller: „Nun möchte ich Ihnen noch sagen, daß Ihr Brief mit den Nachrichten von Ihren Brüdern und Freunden mich sehr bewegt hat. Umso mehr, als ich selber seit längerer Zeit in einem Tiefstand lebe, wie ich ihn seit 1918 nicht mehr gekannt hatte. Er kommt zum Teil von schweren häuslichen Sorgen her, zum Teil ist er körperlich bedingt, am schwersten aber lastet doch der Krieg. Es ist auch mir unendlich viel zerstört, viele Freunde verloren, andre in Not, nahe Angehörige in dauernder Gefahr, von meinem Lebenswerk beinahe nichts mehr übrig. Es scheint, daß für einen kleinen, nicht sehr robusten Dichter zwei Weltkriege doch zuviel sind“.
7) Maschinenschriftliche Postkarte mit eigenh. Unterschrift. Montagnola, 15. Dezember 1944. 10,1 x 15 cm. - Hesse instruiert Keller knapp, für das Gedicht ‚Prosa‘ den Text der Gesamtausgabe zugrunde zu legen.
8) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. Undatiert. 1 Blatt. 20,8 x 14,9 cm. - Hesse dankt Keller für dessen Glückwünschschreiben und gibt Anweisungen für den Postversand von 100 Belegstücken für den Verfasser.
9) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. Undatiert. 1 Blatt. 21,3 x 13,8 cm. - An Karl Keller: „Die Augen lassen mich dieser Tage wieder ganz im Stich, ich muß auf einen Brief verzichten, sende Ihnen aber einige Zeilen für den Verlag Suhrkamp (Fischer) sowie die Unterschrift in Tusche. Ich lege noch zwei andre Blätter als kleine Gaben bei, und freue mich auf Ihren Druck“.
10) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. Baden bei Zürich, ohne Datierung. Auf Briefpapier des Hotels Verenahof. 1 Blatt (2 beschriebene Seiten). 18,5 x 14,3 cm. - Hesse kuriert in Baden „die Krankheit, deren Heilung ich längst nicht mehr hoffe“ aus und bittet Keller, „von einigen meiner neuen Gedichte einen hübschen Privatdruck“ zu machen. Hesse möchte diesen nur für Freunde von sich und Keller herstellen lassen. Der Gedichtband solle die Texte ‚Der Heiland‘, ‚Krankennacht‘, ‚Stufen‘, ‚Bericht des Schülers‘ und ‚Prosa‘ enthalten.
11) Hesse, Hermann: Nachruf für Marulla (1880-1953). Montagnola: Privatdruck 1953. 14,8 x 10,5 cm. 16 SS. Broschur mit Heftklammerbindung. - Mit eigenh. Initialunterschrift auf der hinteren Umschlagrückseite.
12) Maschinenschriftlicher Gedichtauszug aus ‚Stunden im Garten“ mit eigenh. Unterschrift. 1 Blatt. 21 x 14,6 cm.
13) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. 24. August 1946. 1 Blatt. 20,9 x 13,3 cm. - Hesse berichtet Keller von dem unautorisierten Abdruck seines Briefes nach Deutschland, „darauf kamen etwa 10 zustimmende Briefe, und etwa 120 Schmähbriefe, zum Teil recht bösartige. Und nun steht eine neue große Belastung bevor: ich muß, ungern genug, nächstens eine mir in Deutschland zugedachte Ehrung annehmen, ich hätte es lieber nicht getan, aber es geht moralisch nicht anders“.
Das Konvulut aus dem Nachlass Karl Kellers umfasst viele weitere, wohl abgeschriebene Texte Hesses, etwa einen Auszug aus ‚Die Nürnberger Reise‘, die ‚Ansprache in der ersten Stunde des Jahres 1946‘ oder seine Äußerung zu einer Neuausgabe des Steppenwolfs, die Keller vermutlich für verlegerische oder vermitttelnde Dienste nutzte. Unter den Schriftstücken auch zwei Briefe Kellers an Hesse aus dem Jahr 1946 sowie die Kopien zweier ausführlicher Briefe Kellers an einen Freund „Charles“ aus den späten 1970er-Jahren.
Literaturnobelpreisträger
Umfangreiches Konvolut aus der Korrespondenz Hesses mit dem Buchhändler Karl Keller. Mit zahlreichen eigenhändig unterzeichneten Briefen, Gedichten und Druckvorlagen sowie einem von Hesse selbst signierten Privatdruck. Die Korrespondenz setzt in den frühen 1940er-Jahren ein und reicht bis in die Nachkriegszeit. Im Mittelpunkt stehen die Vorbereitung von Abdrucken und Privatdrucken, die Auswahl und Reihenfolge von Gedichten, Korrekturen und die Übersendung von Belegexemplaren. Hesse tritt dabei als außerordentlich genauer und persönlich engagierter Betreuer seiner Texte hervor. Von besonderem biographischem und zeitgeschichtlichem Gewicht sind Hesses persönliche Äußerungen über seine Lebenssituation, Krankheit und die Katastrophe seiner Zeit. Auch seine schwierige Stellung im Deutschland der Nachkriegszeit bzw. sein ambivalentes Verhältnis zu seinem deutschen Publikum in den Jahren nach 1945 wird greifbar.
(Teils mit Büroklammerspuren. Geringe Altersspuren.)
1) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenhändiger Unterschrift. Undatiert. 1 Blatt. 21,3 x 13,8 cm. - Hesse übersendet einen korrigierten Text für einen Neudruck und gibt Anweisungen zur Reihenfolge abzudruckender Gedichte.
2) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. November 1941. 1 Blatt. 27,5 x 20,7 cm. - Vor das Anschreiben an Keller hat Hesse seinen Text „Bericht des Schülers“ gesetzt. Darunter dankt er Keller für dessen Brief und schildert, „seit anderthalb Jahren dauernd krank“ zu sein und kaum mehr gehen zu können.
3) Maschinenschriftliches Gedicht „Oktober“ mit eigenh. Unterschrift. Ohne Datierung. 1 Blatt. 21,3 x 13,5 cm.
4) Einblattdruck „Prosa“ mit eigenh. Unterschrift. 1 Blatt. 23,5 x 15,9 cm. - Sonderdruck aus der „Neuen Schweizer Rundschau“, Aprilheft 1942.
5) Einblattdruck „Krankennacht“ mit eigenh. Unterschrift. 1 Blatt. 21,6 x 15,5 cm.
6) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. 2. November 1944. 1 Blatt. 21 x 14,8 cm. - Persönlicher Brief an Karl Keller: „Nun möchte ich Ihnen noch sagen, daß Ihr Brief mit den Nachrichten von Ihren Brüdern und Freunden mich sehr bewegt hat. Umso mehr, als ich selber seit längerer Zeit in einem Tiefstand lebe, wie ich ihn seit 1918 nicht mehr gekannt hatte. Er kommt zum Teil von schweren häuslichen Sorgen her, zum Teil ist er körperlich bedingt, am schwersten aber lastet doch der Krieg. Es ist auch mir unendlich viel zerstört, viele Freunde verloren, andre in Not, nahe Angehörige in dauernder Gefahr, von meinem Lebenswerk beinahe nichts mehr übrig. Es scheint, daß für einen kleinen, nicht sehr robusten Dichter zwei Weltkriege doch zuviel sind“.
7) Maschinenschriftliche Postkarte mit eigenh. Unterschrift. Montagnola, 15. Dezember 1944. 10,1 x 15 cm. - Hesse instruiert Keller knapp, für das Gedicht ‚Prosa‘ den Text der Gesamtausgabe zugrunde zu legen.
8) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. Undatiert. 1 Blatt. 20,8 x 14,9 cm. - Hesse dankt Keller für dessen Glückwünschschreiben und gibt Anweisungen für den Postversand von 100 Belegstücken für den Verfasser.
9) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. Undatiert. 1 Blatt. 21,3 x 13,8 cm. - An Karl Keller: „Die Augen lassen mich dieser Tage wieder ganz im Stich, ich muß auf einen Brief verzichten, sende Ihnen aber einige Zeilen für den Verlag Suhrkamp (Fischer) sowie die Unterschrift in Tusche. Ich lege noch zwei andre Blätter als kleine Gaben bei, und freue mich auf Ihren Druck“.
10) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. Baden bei Zürich, ohne Datierung. Auf Briefpapier des Hotels Verenahof. 1 Blatt (2 beschriebene Seiten). 18,5 x 14,3 cm. - Hesse kuriert in Baden „die Krankheit, deren Heilung ich längst nicht mehr hoffe“ aus und bittet Keller, „von einigen meiner neuen Gedichte einen hübschen Privatdruck“ zu machen. Hesse möchte diesen nur für Freunde von sich und Keller herstellen lassen. Der Gedichtband solle die Texte ‚Der Heiland‘, ‚Krankennacht‘, ‚Stufen‘, ‚Bericht des Schülers‘ und ‚Prosa‘ enthalten.
11) Hesse, Hermann: Nachruf für Marulla (1880-1953). Montagnola: Privatdruck 1953. 14,8 x 10,5 cm. 16 SS. Broschur mit Heftklammerbindung. - Mit eigenh. Initialunterschrift auf der hinteren Umschlagrückseite.
12) Maschinenschriftlicher Gedichtauszug aus ‚Stunden im Garten“ mit eigenh. Unterschrift. 1 Blatt. 21 x 14,6 cm.
13) Maschinenschriftlicher Brief mit eigenh. Unterschrift. 24. August 1946. 1 Blatt. 20,9 x 13,3 cm. - Hesse berichtet Keller von dem unautorisierten Abdruck seines Briefes nach Deutschland, „darauf kamen etwa 10 zustimmende Briefe, und etwa 120 Schmähbriefe, zum Teil recht bösartige. Und nun steht eine neue große Belastung bevor: ich muß, ungern genug, nächstens eine mir in Deutschland zugedachte Ehrung annehmen, ich hätte es lieber nicht getan, aber es geht moralisch nicht anders“.
Das Konvulut aus dem Nachlass Karl Kellers umfasst viele weitere, wohl abgeschriebene Texte Hesses, etwa einen Auszug aus ‚Die Nürnberger Reise‘, die ‚Ansprache in der ersten Stunde des Jahres 1946‘ oder seine Äußerung zu einer Neuausgabe des Steppenwolfs, die Keller vermutlich für verlegerische oder vermitttelnde Dienste nutzte. Unter den Schriftstücken auch zwei Briefe Kellers an Hesse aus dem Jahr 1946 sowie die Kopien zweier ausführlicher Briefe Kellers an einen Freund „Charles“ aus den späten 1970er-Jahren.