Los 716
Album amicorum aus dem Berliner Künstler- und Geistesleben der Kaiserzeit und der Weimarer Republik mit eigenhändigen Einträgen, Zeichnungen, Aquarellen und Druckgraphiken, 1892–1935.
Schätzpreis
€ 10.000
Ausrufpreis
€ 8.000
Los:
716
Kategorie:
Manuskripte und Autographen
Album amicorum aus der Berliner Künstler- und Intellektuellenszene der Kaiserzeit und der Weimarer Republik mit eigenhändigen Einträgen, Zeichnungen, Aquarellen und Druckgraphiken. 1892–1935. 16,3 x 23,2 cm. Pgt. mit goldgepr. Deckelbordüre.
(Berieben und etwas fleckig. Kleiner Defekt auf dem Vorderdeckel. Vorderdeckel verzogen. Durchgehend feuchtrandig, gebräunt und stellenweise stockfleckig. Die Originalarbeiten teils aus der Montage gelöst und lose beiliegend; teilweise mit kleinen Randdefekten.)
Das Album dokumentiert auf ungewöhnlich dichte Weise ein über mehrere Jahrzehnte gewachsenes persönliches Netzwerk aus Künstlern, Schriftstellern, Musikern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Die Beiträger entstammen in wesentlichen Teilen dem Berliner Künstler- und Kulturleben der Jahrhundertwende und der Weimarer Republik, darunter dem erweiterten Umfeld der Berliner Secession. Vertreten sind unter anderem George Masson, Wolf Röhricht, Rudolf Hellwag, Julie Wolfthorn, Lovis Corinth, Theodor Heuss, Siegfried Ochs, Max Halbe, Kurt Harald Isenstein und Edvard Frank. Die Beiträge reichen von eigenhändigen Widmungen und literarischen Zitaten über musikalische Notationen bis zu Aquarellen, Zeichnungen und Druckgraphiken. Das Album ist damit nicht nur als Sammlung von Autographen und Originalarbeiten von Interesse, sondern als seltenes Zeugnis der engen Verflechtung von bildender Kunst, Literatur, Musik und gesellschaftlichem Leben im Berlin der Kaiserzeit und der Weimarer Republik.
Besondere Bedeutung kommt den wiederholten Anreden an eine „Frau Kika“ zu. Ihre Identität ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht zweifelsfrei geklärt. Aufschlussreich ist der undatierte Eintrag des Komponisten Siegfried Ochs, der „seiner lieben Kika“ als persönliches „Geheimnis“ das Hauptthema seiner damals noch unkomponierten Sinfonie „Nebbich“ anvertraute und sich als „alter Erzieher“ der Adressatin bezeichnet. Auch Lovis Corinth widmete seinen am 20. November 1922 in Berlin entstandenen Eintrag ausdrücklich „Frau Kika“, ebenso wie Theodor Heuss eine der im Album enthaltenen Arbeiten. Für die Provenienz ergeben sich darüber hinaus mehrere Hinweise auf das Umfeld von Ferdinand Mainzer (1871–1943). Auf der Rückseite einer im Album enthaltenen Postkarte mit einem Aquarell von Wolf Röhricht befindet sich die Adresse „Frau Dr. Mainzer“ (Winterfeldtstr. 5-6, Berlin). Als Adressatin kommt Gertrud Mainzer, geb. Sabersky, die Ehefrau Ferdinand Mainzers, in Betracht. Eine eindeutige Identifizierung ist anhand dieses Indizes allein jedoch nicht möglich. Interessant ist ferner der auf dem Gegenblatt einer von Theodor Heuss stammenden Kohlezeichnung befindliche handschriftliche Vermerk „aus Ferdinand Mainzers Heimat“. Heuss stand mit Ferdinand Mainzer in persönlicher Verbindung; zugleich war Mainzer stark in das Berliner Kultur- und Geistesleben eingebunden. Auch Gertrud Mainzer stand als Schülerin Walter Leistikows in unmittelbarer Beziehung zur Berliner Kunstszene; Lovis Corinth porträtierte sowohl sie als auch Ferdinand Mainzer. Zusammengenommen ergeben diese Hinweise eine plausible Provenienzspur in das Umfeld der Familie Mainzer, ohne dass sich daraus derzeit eine sichere Identifizierung der im Album mehrfach genannten „Frau Kika“ mit Gertrud Mainzer ableiten ließe. Die Erwägung einer Provenienz aus dem Umfeld der Familie Mainzer erscheint zwar legitim, sollte gegenwärtig jedoch ausdrücklich als begründete, aber nicht abschließend gesicherte Hypothese verstanden werden.
In seiner Gesamtheit ist das Album als eigenständiges kulturhistorisches Dokument eines Berliner Netzwerks zu verstehen. Seine Bedeutung liegt dabei nicht allein in der prominenten Reihe der Beiträger, sondern in der unmittelbaren Sichtbarkeit persönlicher Beziehungen. Das Album bewahrt damit einen ungewöhnlich authentischen Einblick in die gesellschaftlichen Strukturen der Berliner Moderne und lässt zugleich die Kontinuität persönlicher und kultureller Verbindungen über die Zäsuren von Kaiserreich, Erstem Weltkrieg und Weimarer Republik hinweg erkennen.
Enthaltene Beiträge in der Reihenfolge des Albums:
1) George Masson. Aquarell und Bleistift. 1892. Monogrammiert.
2) Wolf Röhricht. Aquarell, Tusche und Bleistift. Signiert.
3) Rudolf Hellwag. Aquarell und Bleistift. Signiert.
4) George Masson. Aquarell und Bleistift. 1926. Signiert.
5) Theodor Heuss. Aquarell und Bleistift. 1907. Monogrammiert. Lose beiliegend.
6) Wolf Röhricht. Aquarell, Tusche und Bleistift (Ponte delle Tette, Venedig). Monogrammiert. Auf einer an Frau Dr. Mainzer adressierten Postkarte vom 29. Mai 1920 mit Grüßen Röhrichts aus Venedig.
7) Nicht identifizierter Eintrag vom 23. Mai 1928.
8) Julie Wolfthorn. Holzschnitt. Signiert. Mit Widmung an „Frau Kika“.
9) Siegfried Ochs. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift und dem Hauptthema seiner noch unkomponierten Sinfonie ‚Nebbich‘. Seiner „lieben Kika als Geheimnis mitgeteilt von ihrem alten Erzieher“. Undatiert.
10) Lovis Corinth. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift. Berlin, 20. November 1922. - Zitiert aus Goethes Faust „Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben“. „Frau Kika“ gewidmet.
11) Edvard Frank. Tuschzeichnung. 1928. Signiert.
12) Iso Elinson. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift. 16. November 1921. Auf demselben Blatt zwei weitere Einträge, einer davon „Frau Mainzer“ gewidmet.
13) Hermann Stockmann. Tusche, laviert. Signiert.
14) Theodor Heuss. „Flut kommt“. Aquarell und Bleistift. 25. August 1911. Monogrammiert.
15) Alice Perry Grew. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift. 14. August 1911. - Zitat aus Shakespears Sonett 97.
16) Kurt Harald Isenstein. Kreidezeichnung. Mai 1931. Signiert.
17) Nicht identifizierter Eintrag in englischer Sprache („Chilton“?). 27. Februar 1913.
18) Theodor Heuss. Kohlezeichnung. Monogrammiert. Auf dem Gegenblatt mit dem Hinweis „aus Ferdinand Mainzers Heimat“. „Frau Kika“ gewidmet, auf Februar 1928 datiert und signiert.
19) (Hermann oder Emil Stumpp). „Lauffen am Neckar“. Bleistiftzeichnung. Signiert. Montiert. Auf der Rückseite eines an Hermann Stumpp adressierten Briefumschlags.
20) „Das Urwaldtier“. Zeichnung und Aquarell. Lose beiliegend.
21) Max Halbe. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift. Berlin, 1. Juni 1930. - „Wer den Weg zur Kunst beschreiten will, muß das auf eigene Rechnung und Gefahr tun und darf sich von niemand raten lassen, weder dafür noch dagegen. Nur sich selbst ist er verantwortlich; nur dem Daimon in der eigenen Brust hat er zu folgen“.
22) Therese Benjamin, eine Freundin der Mutter des/der Albumbesitzers/-in. Gedicht mit eigenhändiger Unterschrift. 14. März 1931.
23) Nicht identifiziertes Aquarell mit Tusche (Akropolis). Lose beiliegend.
24) Elisabeth Müller. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift. Sommer 1912.
25) Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp. Eigenhändige Unterschriften unter einem nicht identifizierten Eintrag. Berlin, 5. Dezember 1935.
26) Kurt Harald Isenstein. „Zum Jahreswechsel“. Radierung. Signiert.
27) Nicht identifiziertes Aquarell und Bleistift auf Postkarte. Rückseitig signiert („Sterns“?).
(Berieben und etwas fleckig. Kleiner Defekt auf dem Vorderdeckel. Vorderdeckel verzogen. Durchgehend feuchtrandig, gebräunt und stellenweise stockfleckig. Die Originalarbeiten teils aus der Montage gelöst und lose beiliegend; teilweise mit kleinen Randdefekten.)
Das Album dokumentiert auf ungewöhnlich dichte Weise ein über mehrere Jahrzehnte gewachsenes persönliches Netzwerk aus Künstlern, Schriftstellern, Musikern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Die Beiträger entstammen in wesentlichen Teilen dem Berliner Künstler- und Kulturleben der Jahrhundertwende und der Weimarer Republik, darunter dem erweiterten Umfeld der Berliner Secession. Vertreten sind unter anderem George Masson, Wolf Röhricht, Rudolf Hellwag, Julie Wolfthorn, Lovis Corinth, Theodor Heuss, Siegfried Ochs, Max Halbe, Kurt Harald Isenstein und Edvard Frank. Die Beiträge reichen von eigenhändigen Widmungen und literarischen Zitaten über musikalische Notationen bis zu Aquarellen, Zeichnungen und Druckgraphiken. Das Album ist damit nicht nur als Sammlung von Autographen und Originalarbeiten von Interesse, sondern als seltenes Zeugnis der engen Verflechtung von bildender Kunst, Literatur, Musik und gesellschaftlichem Leben im Berlin der Kaiserzeit und der Weimarer Republik.
Besondere Bedeutung kommt den wiederholten Anreden an eine „Frau Kika“ zu. Ihre Identität ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht zweifelsfrei geklärt. Aufschlussreich ist der undatierte Eintrag des Komponisten Siegfried Ochs, der „seiner lieben Kika“ als persönliches „Geheimnis“ das Hauptthema seiner damals noch unkomponierten Sinfonie „Nebbich“ anvertraute und sich als „alter Erzieher“ der Adressatin bezeichnet. Auch Lovis Corinth widmete seinen am 20. November 1922 in Berlin entstandenen Eintrag ausdrücklich „Frau Kika“, ebenso wie Theodor Heuss eine der im Album enthaltenen Arbeiten. Für die Provenienz ergeben sich darüber hinaus mehrere Hinweise auf das Umfeld von Ferdinand Mainzer (1871–1943). Auf der Rückseite einer im Album enthaltenen Postkarte mit einem Aquarell von Wolf Röhricht befindet sich die Adresse „Frau Dr. Mainzer“ (Winterfeldtstr. 5-6, Berlin). Als Adressatin kommt Gertrud Mainzer, geb. Sabersky, die Ehefrau Ferdinand Mainzers, in Betracht. Eine eindeutige Identifizierung ist anhand dieses Indizes allein jedoch nicht möglich. Interessant ist ferner der auf dem Gegenblatt einer von Theodor Heuss stammenden Kohlezeichnung befindliche handschriftliche Vermerk „aus Ferdinand Mainzers Heimat“. Heuss stand mit Ferdinand Mainzer in persönlicher Verbindung; zugleich war Mainzer stark in das Berliner Kultur- und Geistesleben eingebunden. Auch Gertrud Mainzer stand als Schülerin Walter Leistikows in unmittelbarer Beziehung zur Berliner Kunstszene; Lovis Corinth porträtierte sowohl sie als auch Ferdinand Mainzer. Zusammengenommen ergeben diese Hinweise eine plausible Provenienzspur in das Umfeld der Familie Mainzer, ohne dass sich daraus derzeit eine sichere Identifizierung der im Album mehrfach genannten „Frau Kika“ mit Gertrud Mainzer ableiten ließe. Die Erwägung einer Provenienz aus dem Umfeld der Familie Mainzer erscheint zwar legitim, sollte gegenwärtig jedoch ausdrücklich als begründete, aber nicht abschließend gesicherte Hypothese verstanden werden.
In seiner Gesamtheit ist das Album als eigenständiges kulturhistorisches Dokument eines Berliner Netzwerks zu verstehen. Seine Bedeutung liegt dabei nicht allein in der prominenten Reihe der Beiträger, sondern in der unmittelbaren Sichtbarkeit persönlicher Beziehungen. Das Album bewahrt damit einen ungewöhnlich authentischen Einblick in die gesellschaftlichen Strukturen der Berliner Moderne und lässt zugleich die Kontinuität persönlicher und kultureller Verbindungen über die Zäsuren von Kaiserreich, Erstem Weltkrieg und Weimarer Republik hinweg erkennen.
Enthaltene Beiträge in der Reihenfolge des Albums:
1) George Masson. Aquarell und Bleistift. 1892. Monogrammiert.
2) Wolf Röhricht. Aquarell, Tusche und Bleistift. Signiert.
3) Rudolf Hellwag. Aquarell und Bleistift. Signiert.
4) George Masson. Aquarell und Bleistift. 1926. Signiert.
5) Theodor Heuss. Aquarell und Bleistift. 1907. Monogrammiert. Lose beiliegend.
6) Wolf Röhricht. Aquarell, Tusche und Bleistift (Ponte delle Tette, Venedig). Monogrammiert. Auf einer an Frau Dr. Mainzer adressierten Postkarte vom 29. Mai 1920 mit Grüßen Röhrichts aus Venedig.
7) Nicht identifizierter Eintrag vom 23. Mai 1928.
8) Julie Wolfthorn. Holzschnitt. Signiert. Mit Widmung an „Frau Kika“.
9) Siegfried Ochs. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift und dem Hauptthema seiner noch unkomponierten Sinfonie ‚Nebbich‘. Seiner „lieben Kika als Geheimnis mitgeteilt von ihrem alten Erzieher“. Undatiert.
10) Lovis Corinth. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift. Berlin, 20. November 1922. - Zitiert aus Goethes Faust „Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben“. „Frau Kika“ gewidmet.
11) Edvard Frank. Tuschzeichnung. 1928. Signiert.
12) Iso Elinson. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift. 16. November 1921. Auf demselben Blatt zwei weitere Einträge, einer davon „Frau Mainzer“ gewidmet.
13) Hermann Stockmann. Tusche, laviert. Signiert.
14) Theodor Heuss. „Flut kommt“. Aquarell und Bleistift. 25. August 1911. Monogrammiert.
15) Alice Perry Grew. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift. 14. August 1911. - Zitat aus Shakespears Sonett 97.
16) Kurt Harald Isenstein. Kreidezeichnung. Mai 1931. Signiert.
17) Nicht identifizierter Eintrag in englischer Sprache („Chilton“?). 27. Februar 1913.
18) Theodor Heuss. Kohlezeichnung. Monogrammiert. Auf dem Gegenblatt mit dem Hinweis „aus Ferdinand Mainzers Heimat“. „Frau Kika“ gewidmet, auf Februar 1928 datiert und signiert.
19) (Hermann oder Emil Stumpp). „Lauffen am Neckar“. Bleistiftzeichnung. Signiert. Montiert. Auf der Rückseite eines an Hermann Stumpp adressierten Briefumschlags.
20) „Das Urwaldtier“. Zeichnung und Aquarell. Lose beiliegend.
21) Max Halbe. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift. Berlin, 1. Juni 1930. - „Wer den Weg zur Kunst beschreiten will, muß das auf eigene Rechnung und Gefahr tun und darf sich von niemand raten lassen, weder dafür noch dagegen. Nur sich selbst ist er verantwortlich; nur dem Daimon in der eigenen Brust hat er zu folgen“.
22) Therese Benjamin, eine Freundin der Mutter des/der Albumbesitzers/-in. Gedicht mit eigenhändiger Unterschrift. 14. März 1931.
23) Nicht identifiziertes Aquarell mit Tusche (Akropolis). Lose beiliegend.
24) Elisabeth Müller. Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift. Sommer 1912.
25) Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp. Eigenhändige Unterschriften unter einem nicht identifizierten Eintrag. Berlin, 5. Dezember 1935.
26) Kurt Harald Isenstein. „Zum Jahreswechsel“. Radierung. Signiert.
27) Nicht identifiziertes Aquarell und Bleistift auf Postkarte. Rückseitig signiert („Sterns“?).