Los 148

M. Gusinde, Die Feuerland-Indianer. 5 Bde. (von 6; ohne die Tafelmappe zu Bd. 3.2). Mödling 1931–74.

Schätzpreis
€ 1.200
Ausrufpreis
€ 800
Zuschlag
€ 800
Los: 148
Kategorie: Geographie und Ansichtenwerke
Künstler*in: Martin Gusinde
Gusinde, Martin: Die Feuerland-Indianer. Ergebnisse meiner vier Forschungsreisen in den Jahren 1918 bis 1924, unternommen im Auftrage des Ministerio de Instruccion Publica de Chile. 4 Textbde. und 1 (von 2) Tafelmappe. Mödling: Verlag der internationalen Zeitschrift „Anthropos“ und St. Gabriel 1931-74. 28,2 x 19,8 cm. Mit 10 Karten (davon 2 doppelt und 2 dreifach vorhanden), 1 mont. OrFotografie, 3 (von 6) farb. Tafeln, 22 Tiefdrucktafeln und zahlr. Abb. im Text. Die Tafelmappe mit 51 röm. num. Lichtdrucktafeln. Grünes OrLn. mit goldgepr. Deckelvign. sowie gold- und schwarzgepr. Deckel- und Rückentitel. 3 Bde. mit OrSchutzumschlag, 2 Bde. in Pp.-Schuber.

(Umschläge teils staub- und minimal stockfleckig. Deckel teils etwas angestaubt oder staubfleckig. Innen minimale bis geringe Alters- und Gebrauchsspuren. Ohne den Tafelband zu Bd. 3/II. Es fehlen drei Farbtafeln in Bd. 2.)

Anthropos-Bibliothek, Expeditions-Serie, Bd. I und II (die Folgebände ohne diesen Reihentitel). - Monumentaldarstellung der indigenen Gesellschaften des Feuerland-Archipels. - Enthält: Bd. I: Die Selk’nan. Vom Leben und Denken eines Jägervolkes auf der grossen Feuerlandinsel. Mit Tafelmappe. Bd. II: Die Yamana. Vom Leben und Denken der Wassernomaden am Kap Hoorn. Bd. III/1: Die Halakwulup. Vom Leben und Denken der Wassernomaden in West-Patagonien. Bd. III/2: Anthropologie der Feuerland-Indianer. Unter Mitarbeit von Victor Lebzelter und mit Beiträgen von Stanislaw Klimek, R. Routil, K. Saller. - Bestand der separat beiliegenden Faltkarten: Tabula geographica regni Chile (2x vorhanden); Die Heimat der Sek’nam (2x vorhanden); Magallanesgebiet und Feuerland (3x vorhanden); Geographische Verbreitung der Feuerland- Indianer (3x vorhanden). - Der Tafelband zu Bd. 1 mit tatsächlich 51 statt 50 Tafeln, wie auf dem Titel angegeben.

Der deutsche Ethnologe, Theologe und Missionar Martin Gusinde (1886–1969) zählt zu den prägenden Figuren der frühen Feldforschung. Der aus Schlesien stammende Ordenspriester der Steyler Missionare lehrte später als Professor an der Catholic University of America in Washington, D. C. Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine mehrjährigen Forschungsreisen nach Südamerika, bei denen er unter oft extremen Bedingungen lebte und arbeitete. So verbrachte er längere Zeit bei den Araukanern (Mapuche) in Chile und Patagonien sowie bei den indigenen Gruppen Feuerlands, darunter die Selk’nam, Yamana und Kawésqar. Anders als viele Forscher seiner Zeit begnügte sich Gusinde nicht mit kurzen Besuchen, sondern nahm aktiv am Alltag der Gemeinschaften teil, lernte ihre Sprachen und wurde - eine außergewöhnliche Ehre für einen Europäer - sogar in geheime Initiationsrituale aufgenommen. Zu den kurioseren Episoden seiner Expeditionen gehört, dass er sich während seiner Aufenthalte wiederholt den traditionellen Körperbemalungen unterzog und an rituellen Zeremonien teilnahm, was damals unter Wissenschaftlern als höchst ungewöhnlich galt. Seine fotografischen Aufnahmen, die Menschen in zeremonieller Bemalung und Maskierung zeigen, gehören heute zu den wichtigsten visuellen Dokumenten dieser Kulturen. Zudem entkam er auf Feuerland mehrfach nur knapp lebensgefährlichen Situationen, etwa heftigen Stürmen und Versorgungskrisen in der unwirtlichen Landschaft. Neben Südamerika bereiste Gusinde auch Zentralafrika, wo er verschiedene Pygmäen-Gruppen untersuchte. Seine Arbeiten gelten bis heute als bedeutende ethnographische Zeugnisse, nicht zuletzt, weil einige der von ihm beschriebenen Kulturen kurz darauf durch Kolonisierung und Krankheiten drastisch verändert oder nahezu ausgelöscht wurden.