Los 479

J. u. W. Grimm, Kinder- und Hausmärchen. Kleine Ausgabe. 4. Auflage. Berlin 1839.

Schätzpreis
€ 900
Ausrufpreis
€ 600
Los: 479
Kategorie: Literatur des 17. bis 19. Jahrhunderts
Grimm; Brüder (Jacob und Wilhelm): Kinder- und Hausmärchen. Kleine Ausgabe. Vierte Auflage. Berlin: G. Reimer 1839. 14 x 10,5 cm. IV, 307 SS. HLdr. mit Rs. und etwas Rv.

(Berieben und bestoßen. Rs. unleserlich abgerieben. Gelenke aufgeplatzt. Deckel l. gelockert. Fliegendes Vorsatz vorne lose. Titel mit hs. Notiz von alter Hand. Fast durchgehender Feuchtrand und etwas fleckig.)

Winzer S. 177, 10. - Die vierte Auflage der "kleinen Ausgabe" ist selten. Auch hier gab es Exemplare mit und ohne Kupfer, die sich im Preis unterschieden. Es gab einen farbigen, lithographierten Einband und einen farbig lithographierten Titel (hier nicht vorliegend). Die Auflagenhöhen der "kleinen Ausgaben" waren bescheiden, die zweite Auflage 1833 war in Höhe von 1530 Exemplaren erschienen, diese hier lag bei einer Auflagenhöhe von 2000 Exemplaren, also doppelt so viele Exemplare wie von der "Großen Ausgabe" 1837. "Die wichtigste inhaltliche Änderung in der Kleinen Ausgabe von 1839 ist Wilhelm Grimms Korrektur in einem entscheidenden Handlungsdetail: Im 'Märchen von einem der auszog, das Fürchten zu lernen' gibt es eine Szene, in der der Küster dem Märchenhelden 'einen rechten Schrecken' einjagen will, ihn nachts auf den Kirchturm schickt und ihn dort, als Gespenst verkleidet, erwartet. Dreimal fordert der Märchenheld die Gestalt auf, sich zu erkennen zu geben und wirft sie dann nach deren hartnäckigem Schweigen in Putativnotwehr die Treppe hinab. Die Frau des Küsters findet ihren Mann daraufhin - in allen Textfassungen einschließlich der "Großen Ausgabe" von 1837 - "todt auf der Erde liegen". In der "Kleinen Ausgabe" von 1839 dagegen entdeckt sie erstmals "ihren Mann, der in einer Ecke lag und jammerte, und ein Bein gebrochen hatte". So steht es danach auch in allen weiteren "Großen" und "Kleinen Ausgaben". Vermutlich ändert Wilhelm Grimm das Schicksal des Küsters, weil ein Totschlag den Märchenhelden weniger unschuldig gezeigt hätte und ohnehin in diesem Märchen genug Gewalt im Spiel ist" (Winzer).