Los 478
J. u. W. Grimm, Kinder- und Hausmärchen. Kleine Ausgabe. 3. Auflage. Berlin 1836.
Schätzpreis
€ 1.200
Ausrufpreis
€ 800
Zuschlag
€ 800
Los:
478
Kategorie:
Literatur des 17. bis 19. Jahrhunderts
Grimm; Brüder (Jacob und Wilhelm): Kinder und Hausmärchen. Kleine Ausgabe. Dritte Auflage. Berlin: G. Reimer 1836. 15 x 11 cm. 1 lithogr. Titel in Rot, Gold und Grün. IV, 316 SS. Mit 7 Stahlstichtafeln nach L. E. Grimm u. a., gedr. von Carl Mayer. OrPp. mit OrBuntpapierbezug.
(Einband stärker berieben und am Rücken mit Bezugsfehlstellen. Die Seiten 1/2, 5/6 und 13/14 durch faksimilierte Blätter ersetzt; die Seiten 177/178 mit hinterlegten und überklebten Randschäden, Versoseite auch mit geringem Textverlust. Die Blätter meist alters- und gebrauchsfleckig. )
Winzer S. 153, 8.5. - Seltene dritte "kleine" Ausgabe, die 3 Jahre nach der zweiten gedruckt wurde und in drei Varianten in den Verkauf kam: 1. ohne Kupfer; 2. mit 7 Kupfertafeln; 3. mit Goldschnitt und in Futteral. - "Die bisher verwendeten Kupferstich-Platten konnten für diese Neuauflage nicht wieder eingesetzt werden - sie waren verbraucht und wurden, wie von Wilhelm Grimm gefordert, durch Stahlstiche ersetzt, von denen sich beliebig viele Abzüge herstellen ließen" (Winzer S. 154). Über die Qualität der Ausführung der neuen Bilder war Wilhelm Grimm sehr unglücklich. Die bisherigen Zeichnungen seines Bruders Ludwig Emil wurden ganz neu gestochen und da es wohl keine Absprache mit dem Verleger Georg Andreas Reimer gab, empfand er die Veränderung als unzulässigen Eingriff in seine Autonomie als Herausgeber. Die Motive "Marienkind" und "Sneewittchen" erhalten in dieser Ausgabe sogar vollkommen neu gestaltete Motive; letztendlich bezeichnet Grimm sie als "gewöhnliche, theatralische, mir unangenehme Compositionen". Sprachlich wurden gegenüber der Ausgabe von 1833 nur geringe Änderungen vorgenommen: "Dezent wird an einigen Stellen das Sprachniveau gehoben" (Winzer). Aus "bringen" wurde "überliefern" aus "schmiß ein Fenster ein" wurde "schlug er das Fenster entzwei"; aus "einen guten Rath geben" wurde "einen guten Rath erteilen" usw. Daneben wurde der christliche Aspekt und die Distanz zur heidnischen Sphäre verstärkt: Aus "du lieber Gott" wurde "barmherziger Gott"; die Hexe, die "elendiglich verbrennen" musste, wurde bezeichnet als "die gottlose Hexe", und aus einem "adligen Fräulein" wurde ein schlichtes "Mädchen", vermutlich um dessen Unschuld und Reinheit hervorzuheben. In dem Märchen "Vom klugen Schneiderlein" ist 1833 der dritte Schneider noch ein einfaches, "kleines unnützes Ding, das nicht einmal sein Handwerk verstand"; in vorliegender Ausgabe wurde er umgetauft in "ein kleiner unnützer Springinsfeld", eine Anspielung auf den "seltzamen Springinsfeld", einer Randfigur im Simplicissimus. Ein entscheidender Fehler im Märchen Aschenputtel, der seit der großen Auflage von 1819 fortwährend bestand, wird in dieser Ausgabe zum ersten Mal behoben: es hieß bisher "Das Mädchen hieb die Zehe ab, zwängte den Schuh hinein", ab 1836 wurde es endlich berichtigt in "Das Mädchen hieb die Zehe ab, zwängte den Fuß hinein".
(Einband stärker berieben und am Rücken mit Bezugsfehlstellen. Die Seiten 1/2, 5/6 und 13/14 durch faksimilierte Blätter ersetzt; die Seiten 177/178 mit hinterlegten und überklebten Randschäden, Versoseite auch mit geringem Textverlust. Die Blätter meist alters- und gebrauchsfleckig. )
Winzer S. 153, 8.5. - Seltene dritte "kleine" Ausgabe, die 3 Jahre nach der zweiten gedruckt wurde und in drei Varianten in den Verkauf kam: 1. ohne Kupfer; 2. mit 7 Kupfertafeln; 3. mit Goldschnitt und in Futteral. - "Die bisher verwendeten Kupferstich-Platten konnten für diese Neuauflage nicht wieder eingesetzt werden - sie waren verbraucht und wurden, wie von Wilhelm Grimm gefordert, durch Stahlstiche ersetzt, von denen sich beliebig viele Abzüge herstellen ließen" (Winzer S. 154). Über die Qualität der Ausführung der neuen Bilder war Wilhelm Grimm sehr unglücklich. Die bisherigen Zeichnungen seines Bruders Ludwig Emil wurden ganz neu gestochen und da es wohl keine Absprache mit dem Verleger Georg Andreas Reimer gab, empfand er die Veränderung als unzulässigen Eingriff in seine Autonomie als Herausgeber. Die Motive "Marienkind" und "Sneewittchen" erhalten in dieser Ausgabe sogar vollkommen neu gestaltete Motive; letztendlich bezeichnet Grimm sie als "gewöhnliche, theatralische, mir unangenehme Compositionen". Sprachlich wurden gegenüber der Ausgabe von 1833 nur geringe Änderungen vorgenommen: "Dezent wird an einigen Stellen das Sprachniveau gehoben" (Winzer). Aus "bringen" wurde "überliefern" aus "schmiß ein Fenster ein" wurde "schlug er das Fenster entzwei"; aus "einen guten Rath geben" wurde "einen guten Rath erteilen" usw. Daneben wurde der christliche Aspekt und die Distanz zur heidnischen Sphäre verstärkt: Aus "du lieber Gott" wurde "barmherziger Gott"; die Hexe, die "elendiglich verbrennen" musste, wurde bezeichnet als "die gottlose Hexe", und aus einem "adligen Fräulein" wurde ein schlichtes "Mädchen", vermutlich um dessen Unschuld und Reinheit hervorzuheben. In dem Märchen "Vom klugen Schneiderlein" ist 1833 der dritte Schneider noch ein einfaches, "kleines unnützes Ding, das nicht einmal sein Handwerk verstand"; in vorliegender Ausgabe wurde er umgetauft in "ein kleiner unnützer Springinsfeld", eine Anspielung auf den "seltzamen Springinsfeld", einer Randfigur im Simplicissimus. Ein entscheidender Fehler im Märchen Aschenputtel, der seit der großen Auflage von 1819 fortwährend bestand, wird in dieser Ausgabe zum ersten Mal behoben: es hieß bisher "Das Mädchen hieb die Zehe ab, zwängte den Schuh hinein", ab 1836 wurde es endlich berichtigt in "Das Mädchen hieb die Zehe ab, zwängte den Fuß hinein".