Los 811

P. Decker, Fürstlicher Baumeister. Tl. 1 (von 2) und Anhang zu Tl. 1 in 1 Bd. Augsburg 1711-13.

Schätzpreis
€ 1.500
Ausrufpreis
€ 1.000
Los: 811
Kategorie: Buch- und Schriftwesen, Kunst und Kunstgewerbe
Künstler*in: Paul Decker
Decker, Paul: Fürstlicher Baumeister, oder: Architectura civilis, wie grosser Fürsten und Herren Palläste, mit ihren Höfen, Lust-Häusern, Gärten, Grotten, Orangerien, und anderen darzu gehörigen Gebäuden füglich anzulegen, und nach heutiger Art auszuzieren. Teil 1 (von 2) und Anhang zu Teil 1 in 1 Bd. Augsburg: Peter Detleffsen für Jeremias Wolff 1711-13. 42,8 x 57 cm. Mit gest. Front. und 100 gest. Tafeln. 5 Bll., 1 Bl. Ldr. mit goldgepr. ornamentaler Bordüre und floral-ornamentalem Mittelstück. Vorsätze aus Brokatpapier mit volutenförmigen Akanthusblättern.

(Stark berieben, bestoßen, Ecken aufgeplatzt, Gelenke eingerissen, Fehlstellen an den Kapitalen, Wurmspuren auf den Deckeln. Front., Titel, 4 Textblätter und die ersten 17 Tafeln mit größerem, aber abnehmendem Wasserfleck im Oberrand und Bundsteg; der Wasserfleck bei den ersten 5 Tafeln bis in die Platte reichend. Im unteren weißen Rand durchgehend mit schwachem Feuchtigkeitsrand. Das Front. verso mehrfach gestempelt, Titel mit dem Stempel des Maurermeisters E. L. Irmer aus Weissenfels. Titel und Textbll. jeweils an 2 bzw. 3 Stellen mit geschlossenen Wurmspuren. Die Tafeln vereinzelt etwas knapp beschnitten, an den Rändern mit kleinen Wurmspuren und mit wenigen kleinen Randeinrissen. Tafel 31 mit kleinem Loch innerhalb der Platte. Gering gebräunt, meist etwas fingerfleckig, leicht alters- und stockfleckig.)

Ornamentstichkat. Berlin 1990. - Erste Ausgabe. - Teilstück eines der schönsten deutschen Architekturwerke des Barock. Ein ebenso praktisches wie repräsentatives Musterbuch höfischer Architektur. - Paul Decker (1677–1713), Nürnberger Architekt, Zeichner und Kupferstecher, gehört zu den wichtigsten Vermittlern des französisch geprägten Hochbarock in der deutschen Architekturtheorie. Nach seiner Ausbildung bei Georg Christoph Eimmart in Nürnberg und einem Aufenthalt in Berlin, wo er im Umfeld Andreas Schlüters arbeitete, war Decker als Hof- und Baumeister in Sulzbach und Bayreuth tätig. Seine eigentliche Wirkung entfaltete er jedoch weniger durch ausgeführte Bauten – von denen kaum etwas erhalten ist – als durch seine außerordentlich einflussreichen Architekturentwürfe und Stichwerke. Der ‚Fürstliche Baumeister‘ ist Deckers Hauptwerk und zugleich eines der eindrucksvollsten deutschen Architekturvorlagewerke des frühen 18. Jahrhunderts. Der 1711 erschienene erste Teil widmet sich der Planung und repräsentativen Gestaltung einer umfassenden fürstlichen Residenz: dargestellt werden Palastanlagen mit Höfen und Innenräumen ebenso wie Lusthäuser, Gärten, Grotten, Orangerien, Brunnen und weitere Garten- und Repräsentationsbauten. Die Tafeln zeigen Grundrisse, Aufrisse, Schnitte und perspektivische Ansichten. Der Anhang von 1713 erweitert das Programm unter anderem um Triumphbögen, Ehrensäulen, Gartenanlagen und weitere fürstliche Lusthäuser. Charakteristisch ist dabei, dass Decker weniger eine nüchterne Baulehre als vielmehr ein Repertoire idealer, prachtvoller Architekturentwürfe vorlegt. Die Forschung sieht in Deckers Werk einen Wendepunkt der deutschen Architekturtheorie hin zu einer stärker künstlerisch-visionären Darstellung, seine Entwürfe hätten auf die Schlossarchitektur des 18. Jahrhunderts nachhaltig eingewirkt. - Die Kupferstiche nach Deckers Vorlagen fertigten Tobias Gabriel Beck, Georg Conrad Bodenehr, Johannes Böcklin, Johann August Corvinus, Martin Engelbrecht, Johann Jakob Kleinschmidt, Johann Ulrich Kraus, Heinrich Ionas Ostertag, Joh. Balthasar Probst, Johann Conrad Reiff, Carl Rem(b)shart, Gottfried Stein.