Los 444

J. Trithemius, Cathalogus illustrium viro(rum) Germania(m) suis ingenijs et lucubrationibus omnifariam exornantium. Mainz, nach 14.VIII.1495.

Schätzpreis
€ 12.000
Ausrufpreis
€ 8.000
Los: 444
Kategorie: Alte Drucke bis 1600
Künstler*in: Johannes Trithemius
Trithemius, Johannes: Cathalogus illustrium viro(rum) Germania(m) suis ingenijs et lucubrationibus omnifariam exornantium. (Mainz: Peter von Friedberg, nach dem 14. August 1495, jedoch nicht nach 1497). 19,5 x 14,2 cm. 6 Bll., 75 (recte 76) röm. num. Bll., 6 Bll. Lagen: ★⁶, A-M⁶, N⁴,O⁶. Einspaltiger Druck zu 36 Zeilen. Gotische Typen. Alternierend in Rot und Blau eingemalte Initialen. Titel in Rot gedruckt. Mod. Pgt. mit Rt.

(Deckel verzogen. Titel mit Eintragung der Jahreszahl 1495 in blauer Tinte von jüngerer Hand, fleckig und stark wurmstichig. Das letzte Blatt des Index mit hinterlegtem Einriss im oberen Außenrand. Der Index mit einigen Anstreichungen und Marginalien in Bleistift, die Bll. A³ und O⁴ mit Marginalien von alter Hand in schwarzer Tinte. Durchgehend wurmstichig, teils mit Buchstabenverlust. Gering gebräunt, alters- und gebrauchsfleckig. Stellenweise im Oberrand minimal feuchtfleckig. Vorderer Spiegel mit Stempel der Bibliothek des Franziskanerklosters in Mönchengladbach. Auf dem fliegenden Nachsatzpapier ein unkenntlicher Besitzvermerk mit der Jahreszahl 1932.)

GW M47516. BSB-Ink T-443. Goff T-433. Hain 15615. Polain 3807. - Erste Ausgabe des bedeutendsten Schriftstellerverzeichnisses des Humanismus, das seinem Verfasser, dem Sponheimer Abt Johannes Trithemius (1462-1516), den Titel des ‚Vaters der Bibliographie‘ einbrachte. - Mit Beigaben von Jakob Wimpfeling, Matthäus Herben und Rutgerus Sicamber.

Während der Arbeit an seinem Schriftstellerverzeichnis des Benediktinerordens und angeregt durch Anstöße aus dem Umfeld – insbesondere durch den Speyerer Domprediger Jakob Wimpfeling (1450-1528) – weitete Trithemius sein Projekt zu einem allgemeinen Schriftstellerkatalog aus. Die dem Werk zugrunde liegende Handschrift ist in zwei Fassungen überliefert: das sogenannte Sponheimer Exemplar wird heute in der Murhardschen Bibliothek in Kassel, das mit Nachträgen versehene, jedoch nur unvollständig erhaltene Handexemplar in der Universitätsbibliothek Würzburg aufbewahrt. Dem Katalog vorangestellt ist ein 303 Namen umfassender Autorenindex, anschließend beginnen die Einträge mit Schriftstellern der karolingischen Renaissance wie Einhard, Hrabanus Maurus, Walahfrid Strabo und - erstaunlicherweise - Karl dem Großen. Obwohl das Werk primär männliche Autoren berücksichtigt, finden Hrotsvit von Gandersheim, Elisabeth von Schönau und Hildegard von Bingen Erwähnung. Trithemius integriert zudem Persönlichkeiten seines Umfelds – etwa Cusanus, Agricola, Wimpfeling – sowie sich selbst. Außerdem sind zahlreiche prominente Zeitgenossen wie Hartmann Schedel oder Regiomontanus in das Verzeichnis aufgenommen. Die Einträge selbst sind als biographische Skizzen gestaltet, in denen die Trithemius bekannten Schriften ohne Angabe vollständiger Titel oder Incipits vermerkt sind. Der Druck erfolgte wohl im Sommer 1495 durch Peter Friedberg in Mainz; Trithemius bewarb das Werk bereits im April 1495 in einem Brief an den Humanisten Conrad Celtis. In Verbindung mit dem gleichzeitig entstandenen ‚Liber de scriptoribus ecclesiasticis‘ wird der Catalogus illustrium virorum Germaniae als eine der frühesten gedruckten deutschen Literaturgeschichten angesehen. Konrad Gesners ‚Bibliotheca universalis‘ (1545-55) diente das Werk als Vorbild, er übernahm, obwohl ihm eine breitere Quellenbasis in Form von Bibliothekskatalogen, Schriftstellerverzeichnissen oder Buchhandelsanzeigen zur Verfügung stand, die typographische Gestaltung, die biographischen Notizen und sogar ganze Textabschnitte. Nicht zu unterschätzen bleibt das Verdienst des Trithemius, in Vergessenheit geratene Schriften überliefert zu haben. Ein Beispiel ist der erste namentlich bekannte althochdeutsche Dichter Otfrid von Weißenburg, dessen Schriften hier erstmals in gedruckter Form erwähnt und folgendermaßen kommentiert werden: „Mirabile tamen est et lectione dignum quicquid vir iste composuit“ (Bewundernswert aber ist und des Lesens würdig, was auch immer dieser Mann verfasst hat).
Vier Jahre vor Veröffentlichung des vorliegenden Werkes erschien von Trithemius "Liber de Scriptoribus ecclesiaticis". Hier erfasste er 982 Autoren mit deren Werken. Mit dieser biographischen und bibliographisch-systematischen Darstellung erwarb er sich den Titel 'Vater der Bibliographie', da dies in heutigem Sinne die erste moderne systematische Bibliographie ist und damit ganz am Anfang der Verzeichnung von Büchern steht. Dieses Werk und das hier angebotene spiegeln seine große Leidenschaft für Bücher und deren systematische Verzeichnung.