Lot 483
A. Schweitzer. Eigenh. Brief m. U. Lambaréné, 16.V.1953.
Estimate
€ 500
Starting Price
€ 360
Lot:
483
Category:
Manuscripts and autographs
SCHWEITZER, ALBERT (1875 Kaysersberg - 1965 Lambaréné)
Arzt und Philosoph.
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift auf der Rückseite eines Schreibens von Mathilde Kottmann. Lambaréné, 16. Mai 1953. 1 Blatt. 27 x 21 cm. Mit Registraturstempel der Alliierten Zensurstelle und Briefumschlag.
(Im unteren Falz eingerissen. Recto mit kleinem Wachsfleck. Blattecken etwas knickspurig.)
An den Wiener Buchhändler und Verleger Walter Krieg. - Auf der Vorderseite ein ebenfalls an Krieg gerichtetes Schreiben von Mathilde Kottmann (1897-1974), Hebamme und Assistentin von Albert Schweitzer. Kottmann entschuldigt sich, dass Schweitzer, „sehr überlastet und an seinen müden Augen leidend“, nicht selbst so schreiben könne, wie er es gerne getan hätte, und bedankt sich für die Übersendung von Büchern nach Lambaréné im heutigen Gabun, wo Schweitzer gemeinsam mit seiner Frau Helene 1913 ein Spital gegründet hatte. Auf der Rückseite das Dankschreiben Schweitzers: „Sie sind schuld, dass ich manchmal meine Arbeit vernachlässige, um, wie ein Gymnasiast, im Geheimen der Lektüre zu fröhnen. Auch komme ich manchmal Ihretwegen noch später zu Bett, als sonst. Aber ich habe solche Freude an den Büchern!“
Schweitzer erwähnt die von Krieg übersandte Shakespeare-Übersetzung und eine Biographie Adalbert Stifters: „Die Shakespeare-Übersetzung ist grossartig. Die grosse Natürlichkeit und Lebendigkeit seiner Sprache kommt zur vollen Geltung. An der Stifter-Biographie bin ich zur Zeit. Dieser Mann ist uns in vielem fremd, einer anderen Welt als der unsrigen angehörend. Ich lerne ihn jetzt aber besser kennen. Sie haben den Mut, solche Taten als Verleger in der heutigen Zeit zu wagen, und ich danke Ihnen, dass ich die Bücher von Ihnen erhielt. Was haben Sie für Kosten an mich gewandt! Hoffentlich sehen wir uns einmal in Ruhe. Ach, damals in Frankfurt, befand ich mich in einer furchtbaren Müdigkeitskrise...“
Warmherzige, persönliche Danksagung an den Wiener Verleger Walter Krieg, welche die geistigen Verbindungen zwischen Lambaréné und Europa veranschaulicht, die für Schweitzer zeitlebens von existentieller Bedeutung blieben. Zugleich wird die große Wertschätzung deutlich, die er den Bemühungen des unabhängigen Verlegers entgegenbrachte.
Arzt und Philosoph.
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift auf der Rückseite eines Schreibens von Mathilde Kottmann. Lambaréné, 16. Mai 1953. 1 Blatt. 27 x 21 cm. Mit Registraturstempel der Alliierten Zensurstelle und Briefumschlag.
(Im unteren Falz eingerissen. Recto mit kleinem Wachsfleck. Blattecken etwas knickspurig.)
An den Wiener Buchhändler und Verleger Walter Krieg. - Auf der Vorderseite ein ebenfalls an Krieg gerichtetes Schreiben von Mathilde Kottmann (1897-1974), Hebamme und Assistentin von Albert Schweitzer. Kottmann entschuldigt sich, dass Schweitzer, „sehr überlastet und an seinen müden Augen leidend“, nicht selbst so schreiben könne, wie er es gerne getan hätte, und bedankt sich für die Übersendung von Büchern nach Lambaréné im heutigen Gabun, wo Schweitzer gemeinsam mit seiner Frau Helene 1913 ein Spital gegründet hatte. Auf der Rückseite das Dankschreiben Schweitzers: „Sie sind schuld, dass ich manchmal meine Arbeit vernachlässige, um, wie ein Gymnasiast, im Geheimen der Lektüre zu fröhnen. Auch komme ich manchmal Ihretwegen noch später zu Bett, als sonst. Aber ich habe solche Freude an den Büchern!“
Schweitzer erwähnt die von Krieg übersandte Shakespeare-Übersetzung und eine Biographie Adalbert Stifters: „Die Shakespeare-Übersetzung ist grossartig. Die grosse Natürlichkeit und Lebendigkeit seiner Sprache kommt zur vollen Geltung. An der Stifter-Biographie bin ich zur Zeit. Dieser Mann ist uns in vielem fremd, einer anderen Welt als der unsrigen angehörend. Ich lerne ihn jetzt aber besser kennen. Sie haben den Mut, solche Taten als Verleger in der heutigen Zeit zu wagen, und ich danke Ihnen, dass ich die Bücher von Ihnen erhielt. Was haben Sie für Kosten an mich gewandt! Hoffentlich sehen wir uns einmal in Ruhe. Ach, damals in Frankfurt, befand ich mich in einer furchtbaren Müdigkeitskrise...“
Warmherzige, persönliche Danksagung an den Wiener Verleger Walter Krieg, welche die geistigen Verbindungen zwischen Lambaréné und Europa veranschaulicht, die für Schweitzer zeitlebens von existentieller Bedeutung blieben. Zugleich wird die große Wertschätzung deutlich, die er den Bemühungen des unabhängigen Verlegers entgegenbrachte.