Los 484

R. Wagner. Eigenh. Brief mit Unterschrift an Malwida von Meysenbug. Bayreuth, 10.VII. 1878.

Schätzpreis
€ 5.000
Ausrufpreis
€ 3.200
Zuschlag
€ 3.200
Los: 484
Kategorie: Manuskripte und Autographen
WAGNER, RICHARD (1813 Leipzig - 1883 Venedig)
Komponist.

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Bayreuth, 10. Juli 1878. In blauer Tinte auf Briefpapier. 1 Blatt (3 beschriebene Seiten). 22,3 x 14,2 cm.

(Schwach gebräunt. In den Falzen eingerissen. Die unbeschriebene Rückseite mit drei kleinen Altersfleckchen.)

An seine vertraute Freundin Malwida von Meysenbug (1816-1903). Wagner schreibt auch im Namen seiner Frau Cosima: „Wir wissen - wissen - Alles und sind fest entschlossen, uns für ewig von Dir zu scheiden, wenn Du nicht bald (...) zu uns kommst! Wir finden nämlich, dass du dich zu viel mit Erlösungswerken abgiebst, bloss um Dich dadurch uns zu entziehen. Bei uns giebt es gerade genug zu erlösen: wir leben in (...) Zerwürfniss über Dich. Cosima vertheidigt Dich immer, und wird mir dadurch stets feindseliger, dass ich behaupte, Du seiest grundschlecht. Darüber giebt es dann viel Aerger: Fidi hält zu mir; auch die Mädchen schwanken glücklicher Weise schon im Glauben an Dich. Du hast also hier viel in Ordnung zu bringen, sobald du nur die französische Nation sich selbst überlassen wolltest. (...) Mitte August aber kommt der Besuch Liszt’s. Wenn Du also glücklich bis dahin trödelst (altkeltisches Wort!) so könnte es sein, dass Du es wenigstens nicht so nobel bei uns hättest, als Du es deinen guten Werken nach verlangen darfst. Also - packe bald ein! Grüsse Pontpomeranoy, - welches uns allerdings auch sehr am Herzen liegt - (des bitte ich zu vermelden! - obwohl die 10 Jahre noch nicht um sind, um welche ich meine Anerkennung in Paris unvorsichtiger Weise verspätet habe!) - Und kurz u. gut: Komme bald, und bleibe womöglich immer!“

Persönlicher und charakteristischer Brief Richard Wagners, der sowohl seinen Humor als auch seine Neigung zu dramatischer Zuspitzung zeigt. - Malwida von Meysenbug war eine wichtige Figur des geistigen und künstlerischen Lebens im 19. Jahrhundert, bekannt für ihre Verbindungen zu Persönlichkeiten wie Friedrich Nietzsche, Romain Rolland und den Wagners. Der Brief ist typisch für Wagners oft launisch-ironische und zugleich emotional aufgeladene Korrespondenz. Auf der ersten Seite des Briefes finden sich neben der Anrede lediglich drei abrupt abgebrochene, dramatische Zeilen („Wir wissen – wissen – Alles und sind fest entschlossen, uns für ewig von Dir zu scheiden, wenn“). Die auf diese Weise erzeugte Spannung wird auf der folgenden Seite durch den Wunsch nach einem Wiedersehen aufgelöst und erweist sich damit als raffiniertes stilistisches Mittel. Wagner schreibt darüber hinaus nicht nur in seinem eigenen Namen, sondern auch in Cosimas, was die enge, aber auch konfliktreiche Beziehung innerhalb des Bayreuther Kreises widerspiegelt. Besonders bemerkenswert sind die intimen Einblicke in das Familienleben der Wagners, Wagners sarkastisch-ironische Ausdrucksweise, der Hinweis auf den bevorstehenden Besuch von Franz Liszt und auf von Meysenbugs Bemühungen um die französische Nation, womit vermutlich die schriftstellerische Arbeit der Autorin der ‚Mémoires d’une idéaliste‘ gemeint ist.