Lot 154
Decretum Gratiani. - Einzelblatt aus einer Pergamenthandschrift. Südfrankreich, ca. 1300-1310.
Estimate
€ 7.500
Starting Price
€ 5.000
Lot:
154
Category:
Manuscripts and autographs
Decretum Gratiani. - Einzelblatt aus einer Pergamenthandschrift. Südfrankreich, ca. 1300-1310. Mit äußerst ungewöhnlichem figürl. Randschmuck. 32,5 x 23,5 cm.
Schriftspiegel: 25 x 15 cm. 50 Zeilen. Zweispaltiger Text. Geschrieben in Littera bononiensis in brauner Tinte, Textauszeichnungen in Rot. Recto mit zwei zweizeiligen Initialen in Hellrot auf blauem Grund mit dezentem weißen Binnendekor und vier Federschmuckinitialen in Rot oder Blau mit Filigranausläufern- und füllungen in der jeweiligen Gegenfarbe. Blattüberschrift („XXXV“; Causa XXXV des Decretum Gratiani) und Lombarden ähnlich. In der freien Kolumne zwischen dem Text eine in feiner Tinte gezeichnete, den Körper bis auf das mit einer Kapuze bedeckte Haupt entblößte Männerfigur, stehend auf einem stilisierten Akanthusblatt in Rot und Blau.
(Unter Passepartout am oberen Blattrand an vier Stellen fachmännisch montiert. Alte Montagespuren am unteren Blattrand verso. Pergament minimal gewellt.)
Die auf diesem Blatt zu findende figürliche Darstellung in einem Text zum kanonischen Recht könnte zumindest als ungewöhnlich, grotesk oder anstößig bezeichnet werden. Vor dem 15. Jahrhundert gab es nur wenige Belege für Nacktheit in der Kunst. Die sinnliche Schönheit der klassischen Aktdarstellung wurde im Mittelalter als Teil der heidnischen Vergangenheit betrachtet und wegen der ihr innewohnenden erotischen Verlockung gemieden. So wurde etwa erst um 1425/30 mit der sich heute im Museo Nazionale della Scultura in Bargello befindenden Bronzestatue Davids von Donatello die erste freistehende Aktstatue seit der Antike im Florenz der Renaissance aufgestellt. Was die charakteristischen Merkmale des Blattes anbelangt, so wurde es mit hoher Wahrscheinlichkeit in Bologneser Manier geschrieben und ausgestattet. Der Federschmuck folgt dem typischen engeren Palmetten-Filigran der feineren französischen akademischen Handschriften. In südfranzösischen Handschriften ist auch die Gestaltung der Initialen mit Bologneser Blattwerk typisch. Als Beispiel seien etwa Ms McClean 136 und Ms 262, Fitzwilliam Museum, Cambridge angeführt. Eine weitere Besonderheit des Blattes taucht recto und verso jeweils in der unteren rechten Ecke unter dem Text auf: In einer winzigen Kursive wurde in einer blasseren Tinte als der Haupttext „cor.“ geschrieben. Darüber hinaus recto zwei und verso acht Marginalien von derselben Hand.
Schriftspiegel: 25 x 15 cm. 50 Zeilen. Zweispaltiger Text. Geschrieben in Littera bononiensis in brauner Tinte, Textauszeichnungen in Rot. Recto mit zwei zweizeiligen Initialen in Hellrot auf blauem Grund mit dezentem weißen Binnendekor und vier Federschmuckinitialen in Rot oder Blau mit Filigranausläufern- und füllungen in der jeweiligen Gegenfarbe. Blattüberschrift („XXXV“; Causa XXXV des Decretum Gratiani) und Lombarden ähnlich. In der freien Kolumne zwischen dem Text eine in feiner Tinte gezeichnete, den Körper bis auf das mit einer Kapuze bedeckte Haupt entblößte Männerfigur, stehend auf einem stilisierten Akanthusblatt in Rot und Blau.
(Unter Passepartout am oberen Blattrand an vier Stellen fachmännisch montiert. Alte Montagespuren am unteren Blattrand verso. Pergament minimal gewellt.)
Die auf diesem Blatt zu findende figürliche Darstellung in einem Text zum kanonischen Recht könnte zumindest als ungewöhnlich, grotesk oder anstößig bezeichnet werden. Vor dem 15. Jahrhundert gab es nur wenige Belege für Nacktheit in der Kunst. Die sinnliche Schönheit der klassischen Aktdarstellung wurde im Mittelalter als Teil der heidnischen Vergangenheit betrachtet und wegen der ihr innewohnenden erotischen Verlockung gemieden. So wurde etwa erst um 1425/30 mit der sich heute im Museo Nazionale della Scultura in Bargello befindenden Bronzestatue Davids von Donatello die erste freistehende Aktstatue seit der Antike im Florenz der Renaissance aufgestellt. Was die charakteristischen Merkmale des Blattes anbelangt, so wurde es mit hoher Wahrscheinlichkeit in Bologneser Manier geschrieben und ausgestattet. Der Federschmuck folgt dem typischen engeren Palmetten-Filigran der feineren französischen akademischen Handschriften. In südfranzösischen Handschriften ist auch die Gestaltung der Initialen mit Bologneser Blattwerk typisch. Als Beispiel seien etwa Ms McClean 136 und Ms 262, Fitzwilliam Museum, Cambridge angeführt. Eine weitere Besonderheit des Blattes taucht recto und verso jeweils in der unteren rechten Ecke unter dem Text auf: In einer winzigen Kursive wurde in einer blasseren Tinte als der Haupttext „cor.“ geschrieben. Darüber hinaus recto zwei und verso acht Marginalien von derselben Hand.