Lot 155
Herabkunft des Heiligen Geistes. - Historisierte Initiale „S“ aus einem Chorbuch (Ausschnitt). Italien, Nicolo di Giacomo da Bologna, zweite Hälfte des 14. Jh.
Estimate
€ 7.000
Starting Price
€ 2.700
Lot:
155
Category:
Manuscripts and autographs
Herabkunft des Heiligen Geistes. - Historisierte Initiale „S“ aus einem Chorbuch (Ausschnitt). Italien, Niccolò da Bologna, zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts. 47 x 47 mm. Pergament. Auf Unterlagepergament und Passepartout montiert.
(Goldgrund und -höhung mit kleinen Bereibungen.)
Buchstabenkörper in Rot und Grün mit weißem Filigran auf Goldgrund. Im Zentrum die Darstellung der Herabkunft des Heiligen Geistes anhand vierer Figuren, von denen drei gen Himmel blicken, an dem feurige Zungen in Orange einen starken Kontrast zum blauen Hintergrund bilden. Unter den zentralen Figuren befindet sich auch die Jungfrau Maria. Obwohl ihre Anwesenheit in der Apostelgeschichte nicht erwähnt wird, steht sie hier als symbolische Verkörperung der Kirche. In der Szene sind neben der Jungfrau nur drei Apostel zu sehen, die anderen werden durch die goldgehöhten Heiligenscheine im Vordergrund verdeckt. Die Gesichter sind in feinen dunkelbraunen Linien gemalt, in hellroten und grauen Tönen modelliert und mit weißen Hervorhebungen versehen. Ihr Ausdruck verrät, dass sie sich der Gegenwart des Heiligen Geistes in Ehrfurcht bewusst sind. - Die Darstellung stammt wahrscheinlich von Niccolò da Bologna (Niccolò di Giacomo di Nascimbene; ca. 1325-1403), in dessen bedeutender Werkstatt Texte für die Universität von Bologna, Chorbücher und liturgische Texte, Bücher für die private Andacht sowie Manuskripte mit weltlicher Dichtung und Statuten illuminiert wurden. Sein Werk zeichnet sich durch die ausdrucksstarken, gedrungenen Figuren sowie die erzählenden, dicht gedrängten Szenen aus. Die Gesichter zeigen eine große Individualität und Emotionalität, die den Einfluss Giottos in Norditalien erahnen lassen. Die männlichen Gesichter sind meist groß, mit einem strengen Ausdruck und offenen Mündern, deren Winkel nach unten gezogen sind. Im Gegensatz dazu sind die weiblichen Gesichter in der Regel runder, heller und feiner gemalt. In seinem Frühwerk kontrastieren leuchtend farbige Kleidungsstücke mit weichen Hauttönen. Eine Vielfalt an Posen, einfallsreiche Details und dynamische Linien unterstützen die Brillanz seiner Illuminationen. Nach ca. 1380 ändert sich seine Farbpalette zu einer düstereren Stimmung. Die Figuren werden statischer, die Farben sind weniger lebhaft gewählt. Der Stilwandel gegenüber seinen eigenen früheren Werken und denen seiner Nachfolger, wie dem Meister und Illustrator Andrea, mit denen er zusammenarbeitete, wird immer deutlicher. - Die Bologneser Schule der Miniaturmalerei war ein Schmelztiegel ikonographischer Stilrichtungen. Von byzantinischem Einfluss waren Farbe und Komposition, die auf eine allgemeine norditalienische Tendenz nach der Rückeroberung Konstantinopels im Jahr 1261 zurückgingen. Ein französisch-gotisches Element, das sich im emotionalen Ausdruck der Figuren und ihrer Posen zeigt, gründete im regen Buchhandel und dem damit verbundenen Kulturaustausch zwischen der Universität von Bologna und Nordeuropa. Die Vorherrschaft der Laienminiaturen in der Bologneser Kunst des Trecento, die auf das Mäzenatentum der Laienkorporationen zurückzuführen ist, führte zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit für realistische Darstellungen und Details des täglichen Lebens, die in anderen italienischen Zentren der Zeit nicht zu finden war.
(Goldgrund und -höhung mit kleinen Bereibungen.)
Buchstabenkörper in Rot und Grün mit weißem Filigran auf Goldgrund. Im Zentrum die Darstellung der Herabkunft des Heiligen Geistes anhand vierer Figuren, von denen drei gen Himmel blicken, an dem feurige Zungen in Orange einen starken Kontrast zum blauen Hintergrund bilden. Unter den zentralen Figuren befindet sich auch die Jungfrau Maria. Obwohl ihre Anwesenheit in der Apostelgeschichte nicht erwähnt wird, steht sie hier als symbolische Verkörperung der Kirche. In der Szene sind neben der Jungfrau nur drei Apostel zu sehen, die anderen werden durch die goldgehöhten Heiligenscheine im Vordergrund verdeckt. Die Gesichter sind in feinen dunkelbraunen Linien gemalt, in hellroten und grauen Tönen modelliert und mit weißen Hervorhebungen versehen. Ihr Ausdruck verrät, dass sie sich der Gegenwart des Heiligen Geistes in Ehrfurcht bewusst sind. - Die Darstellung stammt wahrscheinlich von Niccolò da Bologna (Niccolò di Giacomo di Nascimbene; ca. 1325-1403), in dessen bedeutender Werkstatt Texte für die Universität von Bologna, Chorbücher und liturgische Texte, Bücher für die private Andacht sowie Manuskripte mit weltlicher Dichtung und Statuten illuminiert wurden. Sein Werk zeichnet sich durch die ausdrucksstarken, gedrungenen Figuren sowie die erzählenden, dicht gedrängten Szenen aus. Die Gesichter zeigen eine große Individualität und Emotionalität, die den Einfluss Giottos in Norditalien erahnen lassen. Die männlichen Gesichter sind meist groß, mit einem strengen Ausdruck und offenen Mündern, deren Winkel nach unten gezogen sind. Im Gegensatz dazu sind die weiblichen Gesichter in der Regel runder, heller und feiner gemalt. In seinem Frühwerk kontrastieren leuchtend farbige Kleidungsstücke mit weichen Hauttönen. Eine Vielfalt an Posen, einfallsreiche Details und dynamische Linien unterstützen die Brillanz seiner Illuminationen. Nach ca. 1380 ändert sich seine Farbpalette zu einer düstereren Stimmung. Die Figuren werden statischer, die Farben sind weniger lebhaft gewählt. Der Stilwandel gegenüber seinen eigenen früheren Werken und denen seiner Nachfolger, wie dem Meister und Illustrator Andrea, mit denen er zusammenarbeitete, wird immer deutlicher. - Die Bologneser Schule der Miniaturmalerei war ein Schmelztiegel ikonographischer Stilrichtungen. Von byzantinischem Einfluss waren Farbe und Komposition, die auf eine allgemeine norditalienische Tendenz nach der Rückeroberung Konstantinopels im Jahr 1261 zurückgingen. Ein französisch-gotisches Element, das sich im emotionalen Ausdruck der Figuren und ihrer Posen zeigt, gründete im regen Buchhandel und dem damit verbundenen Kulturaustausch zwischen der Universität von Bologna und Nordeuropa. Die Vorherrschaft der Laienminiaturen in der Bologneser Kunst des Trecento, die auf das Mäzenatentum der Laienkorporationen zurückzuführen ist, führte zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit für realistische Darstellungen und Details des täglichen Lebens, die in anderen italienischen Zentren der Zeit nicht zu finden war.