Lot 153

Initiale „E“ aus einem Dominikanerpsalter auf Pergament (Ausschnitt). (Würzburg) ca. 1225.

Estimate
€ 20.000
Starting Price
€ 15.000
Lot: 153
Category: Manuscripts and autographs
Initiale „E“ aus einem Dominikanerpsalter auf Pergament (Ausschnitt). (Würzburg), ca. 1225. 97 x 92 mm. Auf Passepartout montiert.

(Knickspur am unteren linken Goldpass. Zwei feine Bereibungen am oberen Buchstabenkörper. Minimale Altersspuren.)

Große Initiale „E“ aus einem illuminierten Psalter auf Pergament, ca. 1225. Buchstabenkörper in Blau mit jeweils einer aus der oberen und unteren Rundung entspringenden, röhrenartigen Volute und weißem Filigran. Die Zwischenräume mit ineinander und um den Buchstabenkörper verschlungenen Ranken in Grün und Rot. Der Buchstabe auf einem vielpassigen Goldgrund über (oxidiertem) Silberfeld mit floralen Randverzierungen in Grün, Blau und Rot sitzend. Die Goldpässe nach außen hin in Rot und Blau oder Grün umrandet. Die Initiale kennzeichnet den Beginn von Psalm 80, worauf die vertikal angeordneten, in Weiß auf den drei rechten Goldpässen eingemalten Buchstaben („x ul ta te“) hindeuten („Exultate deo adiutori nostro, iubilate deo Jacob“).

Die Handschrift, aus der dieser Ausschnitt stammt, ist wahrscheinlich in Würzburg entstanden. Die Initiale hält dem Vergleich mit anderen Buchmalereien stand, die mit Sicherheit den Werkstätten dieser Stadt zugeschrieben werden. Als Beispiel sei der Öttingen-Wallerstein-Psalter (ehemals Ludwig VIII.2, heute Ludwig MS VIII.2 im J. Paul Getty Museum) angeführt, der auf den Zeitraum zwischen 1240 und 1250 datiert wird. Aufgrund des nach verschiedenen Formularen kompilierten Kalenders und der Litanei verortet man seinen Ursprung in der Diözese Würzburg. Der Initialschmuck des Psalters folgt demselben Muster wie die vorliegende Initiale. Auch in Miniaturen, wie etwa der Wurzel Jesse, wird ein ähnlich kompliziertes Muster von ineinander verschlungenen Stämmen und Ranken als dekoratives Motiv verwendet. Höchstwahrscheinlich aus derselben Werkstatt stammt eine vierbändige, für den Dominikanerkonvent in Würzburg geschaffene Bibel (M.b.th.f.m.q/I-IV, Universitätsbibliothek Würzburg), die auf das Jahr 1246 datiert ist und im ersten Band eine Inschrift enthält, die besagt, dass Konrad, Abt von St. Burkard, die Bibel den Würzburger Predigerbrüdern geschenkt hat. Eine große Miniatur stellt die Schenkung des Abtes Konrad an den heiligen Dominikus dar, der als Personifikation des Klosters fungiert. Die Miniatur ist mit dem Namen Hainricus pictor signiert, jedoch waren an der Gestaltung der Bibel mehrere Miniatoren beteiligt. Eine exakte Zuordnung des vorliegenden Ausschnitts zu einem Skriptorium fällt daher nicht leicht, zudem auch der Münchener Psalter Clm. 3900 bezeugt, dass in Würzburg um die Mitte des 13. Jahrhunderts zwei vergleichbare, im Detail jedoch verschiedene Schemata der Psalterillustration bekannt waren. Vorliegende Initiale ist allerdings ein hervorragendes Beispiel für das verschlungene Rankwerk, welches für die Dominkanerbibel so charakteristisch ist. Eine Entstehung in Würzburg und die Verwendung in einem Dominikanerpsalter ist daher vorstellbar.