Los 1932

Chargesheimer, Köln 5 Uhr 30. Köln 1970.

Schätzpreis
€ 600
Ausrufpreis
€ 400
Zuschlag
€ 420
Los: 1932
Kategorie: Ill. Bücher, Mappenwerke, Kunstliteratur nach 1945
CHARGESHEIMER (KARL HEINZ HARGESHEIMER)
Köln 5 Uhr 30. Köln: DuMont Schauberg 1970. 38 x 28 cm. Mit 64 ganzs. Abbildungen nach Fotografien von Chargesheimer auf 64 Seiten. OrBroschur im OrSchuber.

(Schuber etwas berieben, fleckig und mit kleinen Einrissen an den Innenkanten. Die Broschur am Rücken leicht gebräunt und mit einigen Stockfleckchen. Ecken und Kanten berieben, Vorderseite mit hs. Vermerk des ursprünglichen Verlagspreises in Bleistift. Innen leichte Alters- und Gebrauchsspuren.)

Heidtmann 17836. Schäfke/Heuberger, S. 32-34. (abgebildet auf S. 30 f.). - Zur Fotomesse „photokina“ im Oktober 1970 erschienene Abrechnung des Fotografen mit den Planern der Stadt Köln und zugleich der letzte Bildband Chargesheimers. Dieses „Werk will direkt und ohne Rücksicht seine Absicht demonstrieren. Ein ungestümes, bildgewaltiges Signal für eine Stadt, die man so noch nie gesehen hatte. Diese Stadt wird hier als graues komplexes Konglomerat von Strukturen und Linien, von Blockaden und Leerflächen vorgeführt. Der direkte und unbezähmte Blick, die grafische Überbetonung der Straßenmarkierungen und Platzaufteilungen waren ein Affront. Die Konturen, die Formationen, die Auflösung der Realität, die Menschenleere, die Lichtlosigkeit, alles demonstrierte eine nüchterne und drastische Sicht auf Köln, eine eigenwillige und rücksichtslose Position - wirklich kein hochglänzender Werbeprospekt und keine Touristenbroschüre“ (Wolfgang Vollmer, in: Schäfke/Heuberger). Diese Art der künstlerisch-kritischen Auseinandersetzung mit der Stadt machte ‚Köln 5 Uhr 30‘ zu einem Buch, das die Kölner nicht wollten, das den Stolz der Einheimischen auf die Aufbauleistungen nach dem Zweiten Weltkrieg negierte, den in seinen Ausprägungen wie in vielen Städten Westdeutschlands als hässlich, widersprüchlich und ungastlich empfundenen Baueifer, die Unterwerfung unter das Diktat der Auto-Mobilität anprangerte und noch im Erscheinungsjahr in Kölner Buchhandlungen und Antiquariaten für ein Zehntel des Verlagspreises verramscht wurde. Chargesheimers selbtbewusste, subjektive und individuelle Porträtierung des inhumanen Wesens der Stadt im Jahr 1970 lässt das Buch jedoch vielmehr als Künstlerbuch denn als Köln-Buch erscheinen. Heute ist sein radikaler Ausdruck der Enttäuschung „ein gesuchtes, kaum zu bezahlendes Objekt der Begierde auf dem Buchmarkt, eine Inkunabel der deutschen Fotogeschichte“ (Vollmer). - Die letzten drei Abbildungen zeigen die Umbauung des Kölner Domes - jenen Ort, an dem die Stadt Köln ihrem zwar unbequemen, aber international renommierten Sohn auf Initiative der Chargesheimer-Gesellschaft einen schmalen Streifen zwischen Hauptbahnhof und Domplatte widmete und der - wie Chargesheimer es in ‚Köln 5 Uhr 30‘ vorhergesehen hat und wie es auf viele der abgebildeten Orte zutrifft - seinen inhumanen Charakter bis heute behalten hat.