Los 730

M. S. Merian, De Europische Insecten/Surinaamsche Insecten. 2 Werke in 1 Bd. Amsterdam 1730.

Schätzpreis
€ 45.000
Ausrufpreis
€ 30.000
Los: 730
Kategorie: Naturwissenschaften, Technik und Medizin
Künstler*in: Maria Sibylla Merian
Merian, Maria Sibylla: De Europische Insecten ... In't Frans beschreeven door J. Marret ... en door een voornaam Liefhebber in 't Nederduits vertaalt. / [daran:] Over de voortteeling en wonderbaerlyke veranderingen der Surinaamsche insecten. Amsterdam: Jean Frederic Bernard 1730. 52,2 x 36,5 cm. Mit illustr. Kupfertitel von Oesterwijk nach Ottens, 1 gest. Titelvign., 1 gest. Schlussvign. und 184 gest. Abb. auf 47 Tafeln. 2 Bll., 42 Bll. / Mit 1 gest. Titelvign. und 72 Kupfertafeln. 4 Bll., 51 SS., 1 w. S. Ldr. mit Rs. und reicher Rv.

(Berieben und bestoßen; Deckel etwas feuchtrandig und mit kleineren Schabspuren. Kleines Brandlöchlein im Kupfertitel, vereinzelt l. stockfleckig oder gering gering gebräunt, einige kleinere Quetschfalten. Bindung gelockert.)

Nissen BBI 1341 u. 1342 (zählt irrig 186 Kupfer). Horn/Schenckling 14992 und 14993. Hunt 483 und 484. Pfeiffer A 9 und B 6. - (I) Die erste Folio-Ausgabe, in der niederländischen Übersetzung, erschien zeitgleich mit der französischen Ausgabe und wurde von Merians Tochter Johanna Helena posthum herausgegeben. Sie umfasst ihr Raupenbuch sowie das Neue Blumenbuch. "... The first folio edition and the first appearance of the full suite of Maria Merian's plates of the European insects, the companion and complement to her great Surinam work ... It is remarkable for its botanical as for its entomological content" (De Belder 238/II). Die Kupfer - zu viert auf 43 Bll. angeordnet und zu dritt auf 4 Bll. gedruckt - zeigen Schmetterlinge und Raupen auf ihren entsprechenden Pflanzen. Die Kupfer sind römisch nummeriert, hierbei gibt es von den Tafeln Nr. 1 und 51 je zwei unterschiedliche Darstellungen, die Kupfer mit den Nummern 170 und 172 sind in der Zählung übersprungen, sie bilden zusammen die Schlussvignette auf S. 84 (2 Blumenbouquets mit kleinen Hinweisnummern versehen, die auf den beschreibenden Text verweisen sollen). Daher die abweichende Zählung bei Nissen. / (II) Das prachtvolle Blumen- und Schmetterlingsbuch in der vierten Ausgabe (EA 1705) ist das dritte in niederländischer Sprache erschienene. Merian übertrug drei ihrer Zeichnungen selbst auf die Kupfertafeln (Nummern XI, XIV und XXXV), während die übrigen Platten von Künstlern des Verlages nach ihren Vorlagen gestochen wurden, meist von Pieter Sluyter und Joseph Mulder sowie von Daniel Stoopendael. Nissen verzeichnet als einziger auch noch ein Frontispiz. - Der Verleger Jean Frédéric Bernard (1680-1744) hatte nach dem Tode der Maria Sibylla Merian die Druckplatten erworben und diese beiden Werke zusammen als einen Band editiert. Er übernahm auch ihre dazugehörigen beschreibenden Texte.
Maria Sibylla Merian entstammte der berühmten Frankfurter Künstler-, Kupferstecher- und Verlegerfamilie Merian. Von frühester Kindheit an war Sie mit den Tätigkeiten im Hause Merian vertraut. Ihr Stiefvater, der Blumenmaler Jacob Marell erkannte ihr Talent und bildete sie aus. Ihr erstes Interesse galt den Blumen und dann entdeckte Sie Ihre Neigung zu den Insekten. Sie studierte die Natur und hielt das Gesehene im Aquarell fest. Besonders Aquarelle auf Pergament sah sie als angemessene Darstellungsform. Revolutionär in ihrem Tun waren drei Dinge. Sie malte nicht die Blumenschönheiten sondern interessierte sich für die kleinen unbeachtet gebriebenen Blümchen, die sie in kunstvollen Arrangements darstellte. Sie beobachtete Insekten, aber völlig neu für Ihre Zeit stellte Sie die Insekten mit ihren Verwandlungen dar. Hier hatten es ihr die Schmetterlinge angetan, die sie in ihren Entwicklungsstadien im Bild festhielt. Ihre für damalige Zeiten revolutionärste Tat war die Reise nach Surinam (früher Niederländisch-Guyana). Inzwischen war sie verheiratet, geschieden und hatte zwei Töchter. Eine der Töchter begleitete sie auf der gefährlichen Reise. Man kann sich heute wohl kaum vorstellen, was für ein Wagnis es war, als Frau in dieses Land zu reisen. Hier erlebte sie die unglaubliche Farbenpracht der Tropen und skizzierte und aquarellierte Blumen, Früchte und besonders Schmetterlinge. Nach zwei Jahren erkrankte M. S. Merian lebensgefährlich. Die Ernte dieser Reise ist das Werk 'Metamorphosis Insectorum Surinamensium', das ihren Ruhm begründete. Vor ihr hatte noch nie jemand das Leben der Insekten in allen Enwicklungsstufen und mit ihren Wirtspflanzen dargestellt. Diese bahnbrechende wissenschaftliche Leistung wurde im 18. Jahrhundert noch gewürdigt, unter anderem auch von J. W. v. Goethe. Im 19. Jahrhundert war sie fast nur als Malerin von Blumenaquarellen bekannt. Im 20 Jahrhundert wurden ihre bahnbrechenden Leistungen, ihr Mut und ihre wissenschaftliche Akribie wieder erkannt und sie gilt jetzt als eine der fortschrittlichsten und wichtigsten Frauen des späten 17. und 18. Jahrhunderts.