Los 28

A. Ortelius, Theatrum orbis terrarum. Nürnberg 1572. (Unvollständig).

Schätzpreis
€ 20.000
Ausrufpreis
€ 15.000
Los: 28
Kategorie:
Theatrum orbis terrarum. 39,5 x 53 cm. Mit 60 (von 69) gest. kolor. Kupferkarten von A. Ortelius (davon 17 Additamentum), 5 gest. Kupferkarten von J. Janssonius (davon 1 teils kolor.), 2 gest. Kupferkarten von J. Hondius (nicht kolor.), 1 gest. Kupferkarte von J. Blaeu (teils kolor.). 64 Text Braunes Ldr. des 20. Jh.

((Ecken und Kanten berieben. Einband wasserfleckig und gedunkelt. Vorsätze erneuert. Nahezu alle Karten und Textblätter mit Unterlegungen meist im Rand, kleineren Einrissen oder Fehlstellen im Plattenrand. Durchgehend im oberen rechten Rand wasserfleckig. Einige Textblätter angefalzt oder wasserwellig. Blatt 2 des Registers mit hs. Eintragungen und Anstreichungen. Stellenweise gering wurmstichig. Insgesamt recht gebräunt, gebrauchs- und altersfleckig. Es fehlen das Titelblatt, das Porträt, die Weltkarte sowie die Karten zu Amerika, Asien, Deutschland, Holland, Russland, Palästina, Skandinavien und Bayern.))

Ortelius, Abraham / Koler, Johann (Hrsg.): Theatrum orbis terrarum. Nürnberg: J. Koler 1572. 39,5 x 53 cm. Mit 60 (von 69) gest. kolor. Kupferkarten von A. Ortelius (davon 17 Additamentum-Karten), 5 gest. mont. Kupferkarten von J. Janssonius (davon 1 teils kolor.), 2 gest. mont. Kupferkarten von J. Hondius (nicht kolor.), 1 gest. mont. Kupferkarte von J. Blaeu (teils kolor.). 64 Textblätter von J. Koler. 37 Bll. (Register u. Epistel). Braunes Ldr. des 20. Jh.

(Ecken und Kanten berieben. Einband wasserfleckig und gedunkelt. Vorsätze erneuert. Nahezu alle Karten und Textblätter mit Unterlegungen meist im Rand, kleineren Einrissen oder Fehlstellen im Plattenrand. Durchgehend im oberen und rechten Rand wasserfleckig. Einige Textblätter angefalzt oder wasserwellig. Blatt 2 des Registers mit hs. Eintragungen und Anstreichungen. Stellenweise gering wurmstichig. Insgesamt recht gebräunt, gebrauchs- und altersfleckig. Es fehlen das Titelblatt, das Porträt, die Weltkarte sowie die Karten zu Amerika, Asien, Deutschland, Holland, Russland, Palästina, Skandinavien und Bayern.)

Koeman, Ort 5, Ort 6. Zu Koler vgl. Reske 691. Vgl. ferner: Van der Krogt 31:290. Kratzsch, Konrad: Eine wiedergefundene Ortelius-Übersetzung von 1572, in: Marginalien 62 (1976), S. 43-50. Bagrow, Leo: The First German Ortelius, in: Imago Mundi II (1937/1964), S. 74. Meurer, Anm. 165. - Enthält 60 kolorierte Ortelius-Karten, darunter 17 Karten des ersten Additamentum. - Enthält zusätzlich folgende, größtenteils unkolorierte Karten: Mecklenburg (Janssonius, teils kolor.), Braunschweig (Janssonius), Hildesheim (Janssonius), Lüneburg (Janssonius), Brandenburg (Janssonius), Holstein (Hondius), Paderborn (Hondius), Trient (Blaeu, teils kolor.). Sämtliche Karten von Janssonius, Hondius und Blaeu sind jeweils auf die Rückseite eines Koler-Textblattes montiert.

Eine bisher unbekannte Variante des seltenen deutschen Koler-Atlas, von dem lediglich 5 Exemplare in Bibliotheksbesitz sowie ein Exemplar in Privat- bzw. Händlerbesitz festzustellen sind. Der Nürnberger Drucker Johann Koler (von 1563 bis 1578 dort als Drucker festzustellen) begann ab 1572 mit der Herausgabe einer eigens überarbeiteten deutschen Ausgabe des Theatrum orbis terrarum. Nach dem bahnbrechenden Erfolg der lateinischen Ortelius-Ausgabe von 1570, dem ersten modernen Atlas, beabsichtigte Koler vermutlich in zweifacher Hinsicht ein Marktinteresse zu bedienen, indem er die rückseitig auf den Ortelius-Karten befindlichen lateinischen Texte ins Deutsche übersetzte und diese Übersetzungen so einband bzw. montierte, dass der Text jeweils gegenüber der zugehörigen, nun im Querfolio-Format eingebundenen Karte lag, was die Benutzung erleichterte. Jeder dieser Koler-Atlanten basiert auf einer regulär erworbenen Ausgabe des Ortelius-Atlas, trägt einen eigenen, auf das Jahr 1572 datierten Druckvermerk und verzichtet sowohl auf das Titelblatt als auch auf das Porträt des Ortelius.
Die Exemplare der Berliner Staatsbibliothek und der Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek, denen die lateinische Ausgabe von 1570 zugrunde liegt, unterscheiden sich vor allem darin, wie die Kolerschen Textblätter integriert wurden. Die Textblätter des Berliner Exemplars wurden auf die Rückseiten der vorangehenden Karte über den Ortelius-Text geklebt, sodass der lateinische Originaltext durchschimmerte, während diejenigen der Weimarer Variante auf Extrablätter gedruckt und den Karten, die ohne rückseitigen Ortelius-Text eingebunden sind, passend beigebunden wurden. Van der Krogt führt außerdem eine weitere Variante im Besitz der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel auf, die auf der lateinischen Ortelius-Ausgabe von 1575 basieren soll und als „second edition“ des Koler-Atlas bezeichnet wird. Bei allen bekannten Exemplaren der Koler-Atlanten fand die Umgestaltung auf Basis einer lateinischen Ortelius-Ausgabe statt.
Nun tritt eine weitere Variante hinzu, bei der die deutsche Ortelius-Ausgabe von 1572/73 als Grundlage diente. Der uns vorliegende Atlas ist ebenfalls im Querfolio-Format gebunden, enthält 60 kolorierte Karten der ersten offiziellen deutschen Ortelius-Ausgabe (inkl. Additamentum) mit den deutschen Ortelius-Texten auf den Kartenrückseiten, das ins Deutsche übersetzte Register, die deutsche Epistel („Humfredi Lhuid, von Mona der Druidum Insul“) und den Druckvermerk, der Koler als Drucker ausweist. Zu den Karten der Ausgabe von 1572 sind die entsprechend nummerierten Koler-Texte auf Einzelblättern eingebunden.
Zwei Aspekte machen diese neue Variante des Koler-Atlas interessant: Zum einen sind bibliographisch nicht erfasste und bislang unbekannte deutsche Koler-Texte zu den Additamentum-Karten vorhanden, zum anderen ergab ein Abgleich mit dem Digitalisat des Exemplars der HAAB, dass einzelne Textblätter von Koler redigiert wurden und nun in zwei Varianten vorliegen. Dieser Fund ermöglicht es, die Editionsgeschichte der Koler-Atlanten näher zu spezifizieren. Koler gab nicht nur eigene Überarbeitungen der lateinischen Ortelius-Ausgaben heraus, sondern veröffentlichte auch diese deutsch-deutsche Variante mit zusätzlichen Texten für diejenigen Karten, die Ortelius 1573 als Ergänzung der deutschen Ausgabe drucken ließ.
Über die Intention Kolers können nur Mutmaßungen angestellt werden. Die Forschung geht davon aus, dass die bekannten Exemplare der Koler-Atlanten, vor allem diejenigen, die von Georg Mack meisterhaft koloriert wurden, für einen elitären Kundenkreis, namentlich die Fugger, bestimmt waren. Dass Koler sein Projekt nicht zeitnah mit dem Erscheinen der deutschen Ortelius-Ausgabe aus Kostengründen einstellte, belegt das auf der lateinischen Ortelius-Ausgabe von 1575 basierende Wolfenbütteler Exemplar. Doch warum lieferte Koler selbst zu der Ortelius-Ausgabe, die bereits deutsche Texte enthielt, eigene Textblätter? Ein Grund könnte in seiner Unzufriedenheit mit der Gestaltung der deutschen Ortelius-Texte gesehen werden, waren diese doch für einen Käuferkreis verfasst, an dessen klassischer Bildung Ortelius zweifelte und daher populärere Begleittexte auf Basis seiner eigenen, meist erfundenen Reiseerfahrungen aufsetzte. Koler übersetzte die lateinischen Texte hingegen akkurater und näher am Original, sodass der eher wissenschaftliche, auf Zitaten antiker Autoritäten beruhende Charakter der ursprünglichen Texte bewahrt blieb.