Los 122

W. Bölsche. E. Brief m. U.; Oberschreiberhau, 1.4.1939. - Brief an einen Freund.

Schätzpreis
€ 300
Ausrufpreis
€ 200
Los: 122
Kategorie:
E. Brief m. U. 29,6 x 20,9 cm. 4 Seiten.

Bölsche, Wilhelm (1861 Köln - 1939 Schreiberhau)

E. Brief m. U. Oberschreiberhau, 1. April 1939. 4 Seiten. 29,6 x 20,9 cm.

Bekenntnishafter und inhaltsreicher Freundschaftsbrief des Schriftstellers Wilhelm Bölsche wenige Monate vor seinem Tod. Bölsche arbeitete zum Zeitpunkt des Verfassens des Briefes an seinen Memoiren, die er „in gleichmäßige kleine Wurstzipfelchen aufgelöst“ hatte, von denen er „jeden gut gelaunten Vormittag eines auf den Tisch der Götter“ legte. Bölsche erkundigt sich beim Adressaten über die politische Lage in Spanien: „Wird Franko, nachdem er zweifellos ein großer Militär war, nun auch im Frieden mit den Gefilden Don Quixotes fertig werden, Windmühlen zu wirklichen Riesen und Hammelherden zu Kulturmenschen zu machen wissen? Ich habe mich stets nur mit den parnassischen Apollo-Schmetterlingen beschäftigt, die um den Eskorial schweben, wo nach Schiller die ‚Ruhe ist‘, nach der wir Weltkinder doch nicht immer Verlangen tragen.“ Gegen Ende des Briefes finden sich zwei Bemerkungen zu Bölsches aktuellen Literaturinteressen. Bölsche habe wieder angefangen, Schiller zu lesen, allerdings „ohne den verfluchten Schauspielerjargon, der ihn unserm Volk verdorben hat“. Dem Freund wird nahegelegt, nochmals Hans Christian Andersens Schneekönigin zu lesen, „um sich wieder zu vergewissern, was Poesie ist“.