Lot 956

H. Vogeler. E. Brief m. U. Worpswede, Barkenhoff, 18.XI.1905.

Estimate
€ 300
Starting Price
€ 200
Hammer Price
€ 200
Lot: 956
Category: Manuscripts and autographs
VOGELER, HEINRICH (1872 Bremen – 1942 Kolchos Budjonny bei Kornejewka, Kasachische SSR)
Maler und Graphiker

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Worpswede, Barkenhoff, 18. November 1905. 1 Doppelblatt (2 beschriebene Seiten). 22 x 14,3 cm. Liniertes Briefpapier mit Briefkopfsignet des Barkenhoffs.

(Leicht gebräunt und mit winzigem Stockfleck im Unterrand. 2 kleine Einrisse unter der Unterschrift.)

An Heinrich Wiegand (1855–1909), Generaldirektor des Norddeutschen Lloyd. Vogeler ersucht Wiegand um persönliche Begegnung und künstlerische Betätigung im Dienst der großen Reederei: „Schon vor langer Zeit hegte ich den Wunsch, Ihnen nähertreten zu dürfen; doch ohne auf eine tatsächliche Leistung gestützt zu sein wollte ich nicht gern Ihre kostbare Zeit in Anspruch nehmen. Leider habe ich nicht den Vorzug Sie persönlich zu kennen; doch habe ich durch Ihre Beteiligung an allen grossen Kunstfragen unserer gemeinsamen Vaterstadt Ihr sachgemässes Urteil hochschätzen gelernt. Ihr Urteil über meine Güldenkammerausstattung im Rathause würde mir sehr interessant sein; zumal mein grösster Wunsch immer sein wird, meine künstlerische Kraft in den Dienst der grossen Schiffahrtsgesellschaft stellen zu dürfen, der Sie vorstehen. Nirgends könnte ich mir in jetziger Zeit für einen Künstler eine wichtigere Aufgabe denken als die Mitarbeit an dem Schaffen eines praktischen dabei schlichten und schönen Schiffstyles mit edlem Baumaterial. Am Dienstag, den 21. November wird meine Güldenkammer fertig sein; am Mittwoch d. 22. bin ich auf der Durchreise nach Leipzig in Bremen und würde Ihnen gern zur Verfügung stehen falls ich Ihnen meine Arbeit zeigen darf.“ - Bemerkenswert ist Vogelers programmatische Formulierung vom praktischen, dabei schlichten und schönen Schiffstil mit edlem Baumaterial, worin sich sein Verständnis von angewandter Kunst als Verbindung von Funktionalität und ästhetischer Erhebung artikuliert - ein Gedanke, der im Kontext des aufstrebenden deutschen Schiffbaus und der Repräsentationskultur großer Reedereien große Aktualität besaß.