Lot 923

C. Spangenberg, Wider die böse Sieben. Eisleben 1562. - Angebunden: H. Rauscher, Hundert außerwelte ... papistische Lügen. Regensburg 1562.

Estimate
€ 1.000
Starting Price
€ 650
Hammer Price
€ 650
Lot: 923
Category: Old prints up to 1600
Artist: Cyriacus Spangenberg
Spangenberg, Cyriacus: Wider die böse Sieben, ins Teufels Karnöffelspiel. Eisleben: Urban Gaubisch 1562. 19,1 x 14,4 cm. Mit großem Titelholzschnitt. Titel in Rotdruck. 296 nn. Bll. Schweinsleder auf 3 Bünden über Holzdeckeln mit 2 Schließenresten und hs. Rs. Reiche Deckelblindprägung mit Einzel- und Rollenstempeln (Fleur-de-lis, Sonne und figürliche Szenen) in mehreren Bordüren.

(Schließen verloren. Berieben, bestoßen, Ecken aufgeplatzt, wurmstichig und fleckig. Buchschnitt mit hs. Titel in Tinte. Bindung gelockert. Ohne fliegende Vor- und Nachsatzpapiere. Vorsatz mit hs. Notizen des 19. und einem Besitzvermerk des 17. Jh. Titel aus der oberen Bindung gelöst, fleckig, mit zahlr. hs. Eintragungen im Oberrand, verso mit zwei überklebten Stempeln, Randeinrissen und einem größeren, bis ins Bild reichenden Einriss am Außenrand. Weitere Bll. mit dem Stempel der ungarischen Megyei Könyvtár Békéscsaba, der sich auf der Rückseite des Titels des angebundenen Werkes identifizieren lässt und dort die hs. Signatur „RK 70“ trägt. Die erste Lage aus der oberen Bindung gelöst und insgesamt gelockert. Bis Lage Y stärker wasserrandig, ab Lage Ff im Unterrand feuchtfleckig. Mit wenigen Anstreichungen in brauner Tinte. Das letzte Blatt mit Blattweiserrückständen. Gebräunt.)

Goed. II, 480, 6, 1. Graesse VI, 458. Knaake III, 985. Kuczynski 2521. VD16 S 7727. - Eine von zwei Varianten der ersten Ausgabe. - Das Karnöffelspiel zählte im 15. und 16. Jahrhundert zu den beliebten Kartenspielen und erhielt seinen Namen von der Hauptkarte, die nahezu alle anderen Karten mit Ausnahme der „bösen Sieben“ übertrumpfte. Die im Karnöffelspiel als „böse Sieben“ bezeichnete Karte steht hier sinnbildlich für Papst Pius IV., den Dominikaner Limpricius, Friedrich Staphylus, St. Agricola, Kardinal Contarini, den Kölner Buchdrucker und Verleger Jaspar von Gennep sowie Stanislaus Hosius. Der Titelholzschnitt mit einer Visualisierung der bösen Sieben: In der Mitte thront der krallenfüßige Papst Pius IV., flankiert von Hosius und Contarenus. Im Vordergrund erscheinen Staphylus, vom Teufel gepackt, Agricola, dem die Ratio die Hand auf die Schulter legt, Gennep, der im Narrenkostüm einreitet sowie weitere Figuren.

Angebunden:
Rauscher, Hieronymus: Hundert außerwelte, grosse, unverschempte, feiste, wolgemeste, erstunckene, Papistische Lügen Welche aller Narren Lugend, Als des Eulenspiegels, Marcolphi, des Pfaffen vom Kalenbergs, Fortunati, Rollwagens, (et)c. weit ubertreffen, damit die Papisten die furnemsten Artrickel ihrer Lehre verteidigen, die armen Christen aber verblenden, und in abgrund der Hellen verfüren, Aus iren eigen Scribenten zusamen gezogen, und besondere Erinnerung zu jedlicher gestellet. Regensburg: Heinrich Geißler 1562. 80 nn. Bll. (Lagen: a-c⁴, A-L⁴, M³, N-R⁴). - VD16 R 398. - Einer von mehreren Drucken desselben Jahres (vgl. VD16 R 397 und R 399). - Hieronymus Rauscher, den Goedeke (II, 485) als Vorläufer Johann Fischarts einordnet, wirkte als Hofprediger in Neuburg an der Donau. In der vorliegenden Sammlung von hundert katholischen Legenden und Wundergeschichten übt er in groben, scharfzüngigen Randglossen eine polemische Kritik am Wunder- und Aberglauben innerhalb der katholischen Kirche. (Titel verso und Blatt c² gestempelt. Blatt C⁴ mit hs. Besitzvermerk, datiert 1672. Die ersten 6 Lagen unten aus der Bindung gelöst. Mit wenigen Marginalien in schwarzer und brauner Tinte. Die Bll. F¹⁺² an das Ende der Lage verheftet. Blatt G⁴ mit Oberrandausriss und Verlust des Kolumnentitels. Die Bll. Q²⁺³ aus der Bindung gelöst. Lage R fast vollständig aus der Bindung gelöst, mit Substanzverlust im Unterrand und wasserfleckig; Blatt R⁴ am Unterrand beschnitten. Nachsatz mit verwischter Bleistiftzeichnung.)