Lot 803
Französische Koranübersetzung. - L’Alcoran de Mahomet. Translate da’rabe [!sic] en françois. Paris 1651.
Estimate
€ 200
Starting Price
€ 140
Lot:
803
Category:
History, cultural history and miscellaneous
Artist:
André Du (Übers.) Ryer
Ryer, André Du (Übers.): L’Alcoran de Mahomet. Translate da’rabe [!sic] en françois. Paris: Antoine de Sommaville 1651. 13 x 7,5 cm. 6 Bll., 700 SS., 4 Bll. Ldr. auf 3 Bünden.
(Berieben, bestoßen, Rücken mit Wurmspuren und Bezugsfehlstellen. Buchblock verzogen und über die Deckel hinaustretend. Blattränder abgegriffen. Titel mit 2 hs. Besitzvermerken in schwarzer Tinte. Blatt a⁶ angerändert. Zu Beginn stark, danach durchgehend schwach wasserfleckig. Gebräunt und altersfleckig. Die letzten 5 Bll. in der Bindung gelockert. Das vorletzte Blatt mit hs. Besitzvermerk.)
Vgl. Brunet III, 1309 (Ausgabe 1649). Graesse IV, 43 f. (Ausgabe 1647). - Früher Neudruck der ersten Koranübersetzung in eine moderne westliche Volkssprache durch André Du Ryer (ca. 1580-1660), einem sprachbegabten Mitglied des niederen französischen Provinzadels, der als Dolmetscher in Konstantinopel arbeitete. Vor dem Hintergrund enger politischer Beziehungen zwischen Frankreich und dem Osmanischen Reich bestand ein großer Bedarf an mehrsprachigen Vermittlern. Im Unterschied zu früheren Übertragungen ins Lateinische oder Griechische übersetzte Du Ryer den Koran direkt aus dem Arabischen und stützte sich auf arabische Kommentare. Damit leistete er Grundlagenarbeit und bemühte sich um ein kulturell informiertes Verständnis des Textes. Ergänzend gab er seinen Lesern Einblicke in religiöse Praktiken des Islams und betonte Gemeinsamkeiten mit dem Christentum, etwa die Anerkennung Jesu als Propheten. Seine Darstellung war weitgehend frei von polemischen Angriffen und bot einen vergleichsweise sachlichen Zugang zum Islam. Die Veröffentlichung war jedoch umstritten. Im Frankreich des 17. Jahrhunderts unterlagen Bücher der königlichen Zensur, besonders religiöse Werke. Obwohl der einflussreiche Geistliche Vincent von Paul und der kirchliche Beirat die Publikation ablehnten, wurde sie dennoch genehmigt - ein bemerkenswerter Schritt angesichts der sonst strengen Kontrolle. Du Ryers Übersetzung erwies sich als außerordentlich erfolgreich, wurde mehrfach neu aufgelegt und rasch in mehrere europäische Sprachen übertragen.
(Berieben, bestoßen, Rücken mit Wurmspuren und Bezugsfehlstellen. Buchblock verzogen und über die Deckel hinaustretend. Blattränder abgegriffen. Titel mit 2 hs. Besitzvermerken in schwarzer Tinte. Blatt a⁶ angerändert. Zu Beginn stark, danach durchgehend schwach wasserfleckig. Gebräunt und altersfleckig. Die letzten 5 Bll. in der Bindung gelockert. Das vorletzte Blatt mit hs. Besitzvermerk.)
Vgl. Brunet III, 1309 (Ausgabe 1649). Graesse IV, 43 f. (Ausgabe 1647). - Früher Neudruck der ersten Koranübersetzung in eine moderne westliche Volkssprache durch André Du Ryer (ca. 1580-1660), einem sprachbegabten Mitglied des niederen französischen Provinzadels, der als Dolmetscher in Konstantinopel arbeitete. Vor dem Hintergrund enger politischer Beziehungen zwischen Frankreich und dem Osmanischen Reich bestand ein großer Bedarf an mehrsprachigen Vermittlern. Im Unterschied zu früheren Übertragungen ins Lateinische oder Griechische übersetzte Du Ryer den Koran direkt aus dem Arabischen und stützte sich auf arabische Kommentare. Damit leistete er Grundlagenarbeit und bemühte sich um ein kulturell informiertes Verständnis des Textes. Ergänzend gab er seinen Lesern Einblicke in religiöse Praktiken des Islams und betonte Gemeinsamkeiten mit dem Christentum, etwa die Anerkennung Jesu als Propheten. Seine Darstellung war weitgehend frei von polemischen Angriffen und bot einen vergleichsweise sachlichen Zugang zum Islam. Die Veröffentlichung war jedoch umstritten. Im Frankreich des 17. Jahrhunderts unterlagen Bücher der königlichen Zensur, besonders religiöse Werke. Obwohl der einflussreiche Geistliche Vincent von Paul und der kirchliche Beirat die Publikation ablehnten, wurde sie dennoch genehmigt - ein bemerkenswerter Schritt angesichts der sonst strengen Kontrolle. Du Ryers Übersetzung erwies sich als außerordentlich erfolgreich, wurde mehrfach neu aufgelegt und rasch in mehrere europäische Sprachen übertragen.