Lot 547

F. Spee von Langenfeld, Trutz Nachtigal. Köln 1649.

Estimate
€ 7.500
Starting Price
€ 6.000
Lot: 547
Category: Literature from the 17th to 19th century
Spee von Langenfeld, Friedrich: Trvtz Nachtigal, Oder Geistlichs=Poetisch Lust-Vvaldlein, Deßgleichen noch nie zuvor in Teutscher sprach gesehen. Köln: Wilh. Friessem 1649. 12,7 x 7,2 cm. Mit illustr. Kupfertitel und 24 ganzseitigen Notenkupfern. 7 Bll., 341, 3 nn. SS. Pgt. In moderner Kartonbox.

(Bezug stark fleckig. Vorsatz vorne erneuert. Teils Alters- und Gebrauchsspuren, Kupfertitel restauriert mit Defekten im w. Rand. Im letzten Drittel Wurmgänge, vereinzelt mit Buchstabenverlust. Letztes Blatt mit kl. Loch mit Buchstabenverlust.)

Goed. III, 194, 1. De Backer/S. VII, 1427,5. Faber du Faur I, 975. Dünnhaupt V, 3. 1. - Erster Druck der Erstausgabe mit den Merkmalen Dünnhaupts. Erst 14 Jahre nach dem Tod des Dichters erschienen. - Das bedeutendste Liederbuch des katholischen Barock. Spee knüpft formal an die Schäferlyrik an, deren Bildsprache er christlich ausdeutet. Im Vorwort betont er, dass die hier gedruckten Lieder auch ein Beweis dafür sind, dass man in deutscher Sprache „Poetisch reden und dichten“ kann. Das Liederbuch war lange Zeit nahezu vergessen und wurde in der deutschen Romantik wiederentdeckt durch die von Clemens Brentano veranstaltete Ausgabe von 1817.
Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635) wird neben diesem geistlichen Liederbuch wegen seines Kampfes gegen die Hexenverfolgung in Erinnerung bleiben. Die im Jahr 1631 erschienene „Cautio criminalis“ ist zwar nicht das erste Werk gegen die Hexenverfolgung, doch war es das erste, das nachweislich Erfolg hatte. Außerdem liegt dem Werk das eigene Erleben des Verfassers zugrunde, der als geistlicher Begleiter viele in seinen Augen Unschuldige zum Tode führte. Im Jahr 1635 hielt sich Spee von Langenfeld in Trier auf, als eine pestartige Seuche auf die kriegerische Auseinandersetzung um die Stadt folgte. In christlicher Liebe kümmerte er sich um die Kranken und starb im Alter von nur 44 Jahren an den Folgen einer Pesterkrankung. - Das vorliegende Exemplar gelangte nach Mitteilung des Vorbesitzers aus dem Besitz der Familie Spee als Geschenk an den Kirchenhistoriker Prof. Dr. August Franzen. - Äußerst seltene Erstausgabe mit den Noten, die wohl nur einem kleinen Teil der Auflage beigegeben wurden.