Lot 438
Pseudo-Methodius, Revelationes divinae. Basel 1498. - Vorgebunden: J. Clichtoveus, De doctrina moriendi. Paris 1520.
Estimate
€ 18.000
Starting Price
€ 12.000
Lot:
438
Category:
Old prints up to 1600
Artist:
Pseudo-Methodius
Pseudo-Methodius: Revelationes divinae (De revelatione facta ab angelo beato methodio in carcere dete[n]to). Bearbeitet und korrigiert von Wolfgang Aytinger und Sebastian Brant. Basel: Michael Furter, 5. Januar 1498. 18,6 x 14 cm. Mit Titelholzschnitt und 60 (t. wdh.) Textholzschnitten. 68 nn. Bll. (Lagen a-g⁸, h-i⁶). Pgt. mit blindgepr. Deckelfilete.
(Deckel verzogen. Titel mit beschnittener hs. Notiz von alter Hand im Oberrand. 6 Blatt mit Anstreichungen und Marginalien in dunkler Tinte. Stellenweise am Außenrand etwas knapp beschnitten. Die Bll. c¹ bis c⁵ am Oberrand wasserfleckig und etwas braunfleckig. Die Bll. d¹-d⁶ am Unterrand und im Bundsteg, die Bll. e¹-e⁴ ganzs. braunfleckig. Blatt e⁵ mit kleinem Einriss im Unterrand. Die Bll. g³ bis i⁶ im Bundsteg und am Oberrand feucht- bzw. braunfleckig. Bll. h⁶ bis i⁶ mit Wurmloch im Bundsteg. Blatt i⁴ verso mit schlichter handgemalter Initiale „N“ in brauner Feder.)
BM STC, German books, S. 620. BSB-Ink M-352. Goff M 524. GW M23059. Hain 11121. Hieronymus 64. Muther 489. Van der Haegen, Furter, 40. Weisbach, Basler Buchillustration, S. 49 u. Abb. 20. - Erste illustrierte Ausgabe. Eine nicht illustrierte Ausgabe mit dem Kommentar des Augsburger Geistlichen Aytinger wohl 1496 in Augsburg erschienen. - Die Revelationes sind Prophezeiungen, die Bischof Methodios von Olympos der Überlieferung nach während seiner Gefangenschaft von einem Engel empfangen haben soll. In diesen Offenbarungen wird die Weltgeschichte in knapper Form dargestellt und in vier aufeinanderfolgende Weltreiche gegliedert. Das letzte dieser vier Reiche wird als das römisch-christliche verstanden, das sich nach schweren Auseinandersetzungen schließlich gegen die Ismaeliten und den Antichristen durchsetzt. Diese Gegner werden in den Prophezeiungen symbolisch mit den Arabern, Tartaren und später den Türken in Verbindung gebracht. Hugh William Davies vermutet in den Revelationes eine Schöpfung Aytingers: „Saint Methodius, surnamed Patarensis or Eubulius, bishop of Olympus, was martyred in the year 312. The above book of Prophecies, which is attributed to him, was translated (...) by an Augsburg monk, Wolfgang Aitinger. It is more probable that the work originated with the latter and that it was written with the idea of exciting the animosity of the Christians against the Turks“ (zitiert nach: Fairfax-Murray 289, der sich auf die Ausgabe von 1504 bezieht). Die bei dem bekannten Basler Drucker Furter erschienene Ausgabe, die wohl hohe Verbreitung erfahren und durch die Illustrationen auch Analphabeten in der Sache zugänglich gemacht werden sollte, erscheint somit als Zeugnis für die Instrumentalisierung religiöser Visionen bzw. hagiographischer Schriften im frühen Druckzeitalter, um anti-islamische, eschatologische und realpolitische Vorstellungen zu transportieren. Anhand der Verbindung von christlicher Prophetie, heilsgeschichtlichem Denken und Zeitgeschehen sollten eine kollektive Identität und Deutungsmuster etabliert werden, um den Hegemonialanspruch der Christenheit zu untermauern. - „Die Holzschnitte zeigen, mit gewissem Naturalismus, Einflüsse Albrecht Dürers (Landschaften, Bäume, Innenräume: Krankenzimmer nach Ritter vom Turn und Narrenschiff, besonders auch Adam und Eva), [sie] können teilweise vom Meister des Haintz Narr stammen“ (Hieronymus). - Unkoloriertes und nicht rubriziertes Exemplar. - Die Blätter a², a⁴, a⁷ und h⁴ mit Blinddruck bzw. Stützsatz im weißen Unterrand, womit beim Abdrucken das Abkippen des Tiegels verhindert wurde.
Vorgebunden:
Clichtoveus, Judocus: De doctrina moriendi opusculum necessaria ad mortem foeliciter oppetendam preparamenta declarans: & quo modo in eius agone varijs antiqui hostis insultibus sit resistendum, edocens. Paris: Simon Colines 1520. Mit großem Titelholzschnitt (am Schluss wiederholt) und 23 Initialen in Schrotschnitt. 86 num., 2 nn. Bll.
(Titel gebräunt und wasserfleckig. Der Titelholzschnitt verso in Tinte nachgezeichnet. Mit gelöschtem Besitzvermerk „Joannis ter Woert“ auf dem Titel. Die Bll. a⁵-a⁸, e⁶-e⁸, f³, g⁵-g⁷ und k⁶ mit größerem Braunfleck im Unterrand. Die Lagen a und b im Bundsteg wasserfleckig; Bundsteg durchgehend schwach, ab Lage k bis zum Schluss etwas stärker und auch am Unterrand wasserfleckig. Das letzte Blatt wasserrandig, mit kleinem Loch und Braunfleck am Plattenrand des Holzschnitts, verso mit zweizeiliger hs. Notiz in schwarzer Tinte unter dem Text und weiteren kl. Notizen im Oberrand. 7 Bll. mit Marginalien.)
Adams C 2182. Renouard, Colines 4. - Erste Ausgabe. - Über die Kunst des Sterbens, die notwendigen Vorbereitungen, um dem Tod glücklich entgegenzutreten und die Abwehr der Angriffe des Teufels im Todeskampf. - Der flämische Theologe Josse von Clichtove (Judocus Clichtovius; 1472/73-1543) war der erste unter den Pariser Theologen, der mit mehreren Schriften gegen das Luthertum auftrat. - Das Vorwort enthält interessante Informationen über die Familie der Grafen von Henneberg (Gallinarus mons): Johann von Henneberg war über seine Urgroßmutter, die Tochter des Herzogs von Kleve, mit Ludwig XII. verwandt und stammte über seine Mutter von den Kurfürsten von Brandenburg und den Kurfürsten von Sachsen ab. - Der Titelholzschnitt zeigt einen Schädel mit Knochen im Mund über einem geöffneten Sarkophag, umgeben von Gebeinen und Werkzeugen des Totengräbers.
(Deckel verzogen. Titel mit beschnittener hs. Notiz von alter Hand im Oberrand. 6 Blatt mit Anstreichungen und Marginalien in dunkler Tinte. Stellenweise am Außenrand etwas knapp beschnitten. Die Bll. c¹ bis c⁵ am Oberrand wasserfleckig und etwas braunfleckig. Die Bll. d¹-d⁶ am Unterrand und im Bundsteg, die Bll. e¹-e⁴ ganzs. braunfleckig. Blatt e⁵ mit kleinem Einriss im Unterrand. Die Bll. g³ bis i⁶ im Bundsteg und am Oberrand feucht- bzw. braunfleckig. Bll. h⁶ bis i⁶ mit Wurmloch im Bundsteg. Blatt i⁴ verso mit schlichter handgemalter Initiale „N“ in brauner Feder.)
BM STC, German books, S. 620. BSB-Ink M-352. Goff M 524. GW M23059. Hain 11121. Hieronymus 64. Muther 489. Van der Haegen, Furter, 40. Weisbach, Basler Buchillustration, S. 49 u. Abb. 20. - Erste illustrierte Ausgabe. Eine nicht illustrierte Ausgabe mit dem Kommentar des Augsburger Geistlichen Aytinger wohl 1496 in Augsburg erschienen. - Die Revelationes sind Prophezeiungen, die Bischof Methodios von Olympos der Überlieferung nach während seiner Gefangenschaft von einem Engel empfangen haben soll. In diesen Offenbarungen wird die Weltgeschichte in knapper Form dargestellt und in vier aufeinanderfolgende Weltreiche gegliedert. Das letzte dieser vier Reiche wird als das römisch-christliche verstanden, das sich nach schweren Auseinandersetzungen schließlich gegen die Ismaeliten und den Antichristen durchsetzt. Diese Gegner werden in den Prophezeiungen symbolisch mit den Arabern, Tartaren und später den Türken in Verbindung gebracht. Hugh William Davies vermutet in den Revelationes eine Schöpfung Aytingers: „Saint Methodius, surnamed Patarensis or Eubulius, bishop of Olympus, was martyred in the year 312. The above book of Prophecies, which is attributed to him, was translated (...) by an Augsburg monk, Wolfgang Aitinger. It is more probable that the work originated with the latter and that it was written with the idea of exciting the animosity of the Christians against the Turks“ (zitiert nach: Fairfax-Murray 289, der sich auf die Ausgabe von 1504 bezieht). Die bei dem bekannten Basler Drucker Furter erschienene Ausgabe, die wohl hohe Verbreitung erfahren und durch die Illustrationen auch Analphabeten in der Sache zugänglich gemacht werden sollte, erscheint somit als Zeugnis für die Instrumentalisierung religiöser Visionen bzw. hagiographischer Schriften im frühen Druckzeitalter, um anti-islamische, eschatologische und realpolitische Vorstellungen zu transportieren. Anhand der Verbindung von christlicher Prophetie, heilsgeschichtlichem Denken und Zeitgeschehen sollten eine kollektive Identität und Deutungsmuster etabliert werden, um den Hegemonialanspruch der Christenheit zu untermauern. - „Die Holzschnitte zeigen, mit gewissem Naturalismus, Einflüsse Albrecht Dürers (Landschaften, Bäume, Innenräume: Krankenzimmer nach Ritter vom Turn und Narrenschiff, besonders auch Adam und Eva), [sie] können teilweise vom Meister des Haintz Narr stammen“ (Hieronymus). - Unkoloriertes und nicht rubriziertes Exemplar. - Die Blätter a², a⁴, a⁷ und h⁴ mit Blinddruck bzw. Stützsatz im weißen Unterrand, womit beim Abdrucken das Abkippen des Tiegels verhindert wurde.
Vorgebunden:
Clichtoveus, Judocus: De doctrina moriendi opusculum necessaria ad mortem foeliciter oppetendam preparamenta declarans: & quo modo in eius agone varijs antiqui hostis insultibus sit resistendum, edocens. Paris: Simon Colines 1520. Mit großem Titelholzschnitt (am Schluss wiederholt) und 23 Initialen in Schrotschnitt. 86 num., 2 nn. Bll.
(Titel gebräunt und wasserfleckig. Der Titelholzschnitt verso in Tinte nachgezeichnet. Mit gelöschtem Besitzvermerk „Joannis ter Woert“ auf dem Titel. Die Bll. a⁵-a⁸, e⁶-e⁸, f³, g⁵-g⁷ und k⁶ mit größerem Braunfleck im Unterrand. Die Lagen a und b im Bundsteg wasserfleckig; Bundsteg durchgehend schwach, ab Lage k bis zum Schluss etwas stärker und auch am Unterrand wasserfleckig. Das letzte Blatt wasserrandig, mit kleinem Loch und Braunfleck am Plattenrand des Holzschnitts, verso mit zweizeiliger hs. Notiz in schwarzer Tinte unter dem Text und weiteren kl. Notizen im Oberrand. 7 Bll. mit Marginalien.)
Adams C 2182. Renouard, Colines 4. - Erste Ausgabe. - Über die Kunst des Sterbens, die notwendigen Vorbereitungen, um dem Tod glücklich entgegenzutreten und die Abwehr der Angriffe des Teufels im Todeskampf. - Der flämische Theologe Josse von Clichtove (Judocus Clichtovius; 1472/73-1543) war der erste unter den Pariser Theologen, der mit mehreren Schriften gegen das Luthertum auftrat. - Das Vorwort enthält interessante Informationen über die Familie der Grafen von Henneberg (Gallinarus mons): Johann von Henneberg war über seine Urgroßmutter, die Tochter des Herzogs von Kleve, mit Ludwig XII. verwandt und stammte über seine Mutter von den Kurfürsten von Brandenburg und den Kurfürsten von Sachsen ab. - Der Titelholzschnitt zeigt einen Schädel mit Knochen im Mund über einem geöffneten Sarkophag, umgeben von Gebeinen und Werkzeugen des Totengräbers.