Lot 167

Rambold XIII. v. Collalto. Eigenh. Brief mit U. Wien, 10.VII.1624.

Estimate
€ 400
Starting Price
€ 300
Lot: 167
Category: Manuscripts and autographs
COLLALTO, RAMBOLD XIII. VON (1575 Mantua - 1630 Chur)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift („Rambold Cont. d. Collalto“). Wien, 10. Juli 1624. 1 Blatt. 29,2 x 19,7 cm.

(Minimale einseitige Randläsuren. Kleine Papierverklebung in der unteren linken Ecke recto.)

In italienischer Sprache. Eine Anhörung des Grafen von Ossona und den Gesundheitszustand des Prinzen betreffend. Rambold (auch: Reimboldt) erwähnt die zwischen Frankreich und England geschlossene Ehe („che Francese habbia concluso matrimonio con Inghilterra“) und gibt damit einem der kriegstreibenden Faktoren in der Frühen Neuzeit Ausdruck. Dynastische Instabilitäten an der monarchisch-dynastischen Spitze stellten ein zentrales Risiko unvollkommener bzw. sich entwickelnder Staatlichkeit dar und trugen zur Bellizität eines ganzen Zeitalters bei. Rambold meint vermutlich die 1625 geschlossene Ehe zwischen Karl I. von England (1600-1649) und Henriette Marie de Bourbon (1609-1669), mit der Karls Vater, König James IV., eine Allianz mit Frankreich und damit ein antihabsburgisches Bündnis anstrebte.

Graf Rambold XIII. von Collalto stammte aus einem österreichischen Hochadelsgeschlecht lombardischer Herkunft. Der Name ‚Collalto‘ geht auf die gleichnamige Ortschaft in der heutigen Provinz Treviso zurück. Rambold war der Sohn des venezianischen Generallisimus Anton IV., trat, aus Venedig verbannt, in kaiserliche Dienste und wurde 1620 von Ferdinand II. nach Ungarn abgeordnet, wo er gegen Gabriel Bethlen (Bethlen Gábor) kämpfte. Rambold wurde Gesandter in Rom und Madrid, zog unter Tilly 1623 an Rhein und Main und übernahm 1624 als Präsident den Vorsitz über den Hofkriegsrat in Wien. Zum kaiserlichen Prinzipalkommissar und Generalissimus ernannt, befehligte er im mantuanischen Erbfolgekrieg gegen Karl von Nevers.