Lot 253

Lat. Stundenbuch. Paris, um 1400, und Florenz, Mitte 15. Jahrhundert. Sammelhandschrift auf Pergament.

Estimate
€ 5.000
Starting Price
€ 3.600
Lot: 253
Category:
Lateinisches Stundenbuch. Sammelhandschrift. Paris, um 1400, und Florenz, Mitte 15. Jahrhundert. Pergament. 232 Bll. Lagen teilw. mit Wortreklamanten. 104 x 74 mm. Schriftspiegel 58 x 41 bzw. 57 x 43 mm. Lateinischer Text. einspaltig zu 13 Zeilen. Textura bzw. Rotunda von mehreren Händen in dunkelbrauner Tinte, rubriziert. Italienischer Renaissanceeinband aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Dunkelbraunes Leder mir Gold- und Blindprägung.

((Einband leicht berieben und ohne die Schließe, die Pergamentvorsätze erneuert. Fol. 1 oben etwas knapp beschnitten. Durchgehend leichte Griffspuren, die ersten beiden Blätter und zum Schluss hin am Rand etwas wasserrandig. Die beiden letzten Blätter im Bund mit Wurmlöchern.))

Lateinisches Stundenbuch. Sammelhandschrift. Paris, um 1400, und Florenz, Mitte 15. Jahrhundert.
Pergament. 232 Bll. Lagen teilw. mit Wortreklamanten. 104 x 74 mm. Schriftspiegel 58 x 41 bzw. 57 x 43 mm. Lateinischer Text. einspaltig zu 13 Zeilen. Textura bzw. Rotunda von mehreren Händen in dunkelbrauner Tinte, rubriziert.
Das Kalendarium und die Offizien mit einzeiligen Initialen alternierend in Rot und Blau, mit Filigran in der Gegenfarbe, zweizeiligen Initialen in Rot oder Blau mit Fleuronnéebesatz in Blau bzw. Violett, 14 drei- bis vierzeiligen Initialen in Gold auf rotem u. blauem, weiß ornamentiertem Grund, teils mit kleinen Rankenausläufern, 3 Zierseiten mit vierzeiligen Initialen in Mauve oder Blau auf Goldgrund mit Füllung aus farbigen Dornblattranken, davon ausgehend die Kolumne begleitende Goldstäbe, die in Dornblattranken enden. Zu Beginn des Marienoffiziums eine Miniatur in Deckfarben und Gold, quadratisch eingefasst von einem Goldrahmen, darunter vier Textzeilen mit einer blauen, weiß ornamentierten Initiale mit Füllung aus Dornblattranken, davon ausgehend seitlich und unten den Bild- und Textspiegel umgebende Leisten in Gold und Blau mit Verzweigungen aus Ranken, die in goldenen, blauen und roten Dornblätten enden.
Zu Beginn zwei Blätter von anderer Hand mit Gebetstexten und einer siebenzeiligen ocker- und mauvefarbenen Initiale auf poliertem Goldgrund, mit blauer Füllung mit feinem weißen Rankenornament und Besatz aus blau-rotem Akanthus, der außen die Kolumne begleitet und aus dem Fadenranken mit Goldpollen und farbigen Blüten entsprießen. Eine Zierseite mit einer achtzeiligen Miniatur im Text trägt im Innensteg eine blau-goldene Leiste, die am oberen Blattrand in blau-rotem und grün-rotem Akanthus mit Besatz aus Goldpollen, farbigen Blättern und Früchten ausläuft und am unteren Rand in einer Quaste endet. Es folgt ein Text mit vier kleinen Evangelistensymbolen in Deckfarben auf poliertem Goldgrund und einzeiligen Initialen auf Goldgrund. Daneben zahlreichen rote und blaue Initialen mit Fleuronnée in den Gegenfarben.
Italienischer Renaissanceeinband aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Dunkelbraunes Leder mi Gold- und Blindprägung; Gepunzter Goldschnitt. In moderner Leinen-Klappkassette.

Inhalt: 1v-2v Gebete (von Hand eines vermutlich florentinischen Schreibers, mit großer Eingangsinitiale).
[Handwechsel, französ. Schreiber:] 3r-14v Kalender, sporadisch besetzt. 15r-77v Marienoffizium (mit Miniatur Verkündigung). 78 leer. 79r-119 v Kreuzoffizium (ohne das erste Blatt mit Miniatur). 120r-127v Kleines Kreuzoffizium. 128r-147v Bußpsalmen und Litanei. 148r-183r Totenoffizium. 183v-184v Gebete.
[Handwechsel florentinischer Schreiber:] 185r-185v Gebet an den Hl. Sebastian (mit halbspaltiger Miniatur Marter des Hl. Sebastian u. Randbordüre). 186r-192r Evangelienlesungen (mit 4 kl. Miniaturen Evangelistensymbole). 192v-202r Orationes ('Adoro te domino Jesu Christe in cruce scendentem', S. Bernhard, Nikolaus, Antonius, Offizium S. Katharina u.a.). 203 leer (mit Notizen in Humanistenschrift des 16. Jhs.). 204r-205v Te Deum. 206r-209v Marienmesse. 210r-232v Symbolum Athanasianum, Oratio corporis Christi, Fronleichnamssequenz 'Lauda Sion Salvatorem', Symbolum Nicenum, 'Te Dei matrem laudamus', Benedictio mense.

Das interessante Stundenbuch wurde für einen Vorbesitzer in Italien wohl in der ersten Hällfte des 16. Jahrhunderts aus zwei Handschriften zusammengefügt. Eingeleitet wird der Band von Gebeten, die sich nach der Eingangsinitiale möglicherweise nach Florenz um die Mitte des 15. Jahrhunderts lokalisieren und datieren lassen. Es folgt der Hauptteil mit Kalender und den Offizien, die wohl eine Arbeit aus einer Pariser Werkstatt um 1400 darstellen und eine Verkündigungs-Miniatur von höchster Qualität enthalten. Der abschließende Teil mit Gebeten gehört wieder zur Handschrift, aus der die einleitenden Gebete stammen. Darin muss die sehr feine Miniatur mit der Darstellung der Marter des Hl. Sebastian hervorgehoben werden.
Notizen auf der ersten leeren Seite und auf einem weiteren Blatt stammen möglicherweise vom ersten Vorbesitzer, der seinen Namen am unteren Rand von Fol. 1v eingetragen hat ("Pietro Pannocetia"[?]).

(Einband leicht berieben, Schließe verloren, die Pergamentvorsätze erneuert. Fol. 1 oben etwas knapp beschnitten. Durchgehend leichte Griffspuren, die ersten beiden Blätter und zum Schluss hin am Rand etwas wasserrandig. Die beiden letzten Blätter im Bund mit Wurmlöchern.)