Lot 331

M. J. C. Kaukol: Christlicher Seelen-Schatz außerlesener Gebetter. Bonn 1729. - Roter Samteinband mit gestickter Goldbordüre. - Exlibris Clemens August. - 1. Druckzustand.

Estimate
€ 500
Starting Price
€ 0
Lot: 331
Category: Bibliothek Werner Floss
Christlicher Seelen-Schatz außerlesener Gebetter. 20 x 13 cm. Vollständig in Kupfer gestochen. 128 Bll.: 1 Bl. Wappen Clemens August, 1 Bl. Imprimatur, 2 Bll. Widmung an Clemens August, 1 Bl. Haupttitel; 11 Bll. Morgens Gebett, 22 Bll. Gebett zu der H. Mesß, 6 Bll. Gebett vor der Beicht, 4 Bll., Gebett nach der Beic Roter Samteinband, die Deckel und der Rücken eingefasst von einer Borte aus Goldstickerei, Innendeckel bezogen mit Goldbrokatpapier, im vorderen Innendeckel eingeklebt das Exlibris des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August, gest. von B. H. de B

((Nur vereinzelt schwache Alters- oder Gebrauchsspuren).)

(Kaukol, Maria Joseph Clemens): Christlicher Seelen-Schatz außerlesener Gebetter. (Bonn 1729). 20 x 13 cm. Vollständig in Kupfer gestochen. 128 Bll.: 1 Bl. Wappen Clemens August, 1 Bl. Imprimatur, 2 Bll. Widmung an Clemens August, 1 Bl. Haupttitel; 11 Bll. Morgens Gebett, 22 Bll. Gebett zu der H. Mesß, 6 Bll. Gebett vor der Beicht, 4 Bll. Gebett nach der Beicht, 8 Bll. Vor der H. Communion, 10 Bll. Nach der heiligen Communion, 18 Bll. Tag-Zeiten von der unbefleckten Empfängnuß Mariae, 36 Bll. Gebett in verschiedenen Zufällen und sonsten täglich zu sprechen, 8 Bll. Abends Gebett. 9 illustr. Zwischentitel, zahlreiche Kopf- und Schlussvignetten sowie ornamentierte oder illustrierte Initialen. Das Büttenpapier mit querlaufenden Stegen.
Roter Samteinband, die Deckel und der Rücken eingefasst von einer Borte aus Goldstickerei, Innendeckel bezogen mit Goldbrokatpapier, im vorderen Innendeckel eingeklebt das Exlibris des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August, gest. von B. H. de Brockes 1760; gepunzter Goldschnitt. In braunem Kalbslederschuber mit Filetenvergoldung. - Einband mit Schuber in moderner Klappkassette (H. D. Jung, Köln) mit rotem verg. Lederbezug und Futter aus rotem Seidenmoiré.

(Nur vereinzelt schwache Alters- oder Gebrauchsspuren).

Lanckoronska/Oehler I, 79 f. u. Abb. 76. Merlo 479. Faber du Faur 1854. - Aus der Bibliothek von Clemens August, dem der Autor das Kupferstichwerk gewidmet hatte. M. J. C. Kaukol war Hofkammerrat und Kabinettssekretär des Kurfürsten, zugleich ein ausgezeichneter Kalligraph und erfahren im Kupferstich.
Das Exemplar liegt im äußerst seltenen 1. Druckzustand vor. Diesen erkennt man an einigen Varianten gegenüber dem Großteil der vorhandenen Exemplare. Am deutlichsten werden die verschiedenen Druckzustände an vier Vignetten: Die Kopfvignette zum Morgengebet ist im späteren Zustand überarbeitet, indem z.B. das hier glatte Meer deutliche Wellen zeigt; wie in vielen Vignetten ist der Kontrast später deutlicher herausgearbeitet und die Lichter sind verstärkt. Die illustrierte Initiale O mit Darstellung der Vertreibung aus dem Paradies (Wan der Priester die Mesß anfanget) ist später völlig neu gestaltet. Hier ist die Vertreibungsszene im Innern des Buchstabenkörpers nur klein und schwach zu erkennen, wohingegen sie im zweiten Druckzustand in anderer Form deutlich in den Vordergrund tritt; auch die Landschaftsumgebung ist eine andere. Die illustrierte Initiale S zur Prim der Tagzeiten zeigt korrespondierend zum Lobgesang ein schönes Haus. Dessen Sockel und die Giebelfassade sind später detailreicher gestaltet und die Schatten aufgehellt. Die Kopfvignette zum Abendgebet ist im späteren Zustand vollkommen neu gestochen: besonders der Himmel ist stark verändert, indem die sich hier um den Mond auftürmenden Wolken später wie vom Sturmwind nach rechts treibend dargestellt werden.
Eine der illustrierten Initialen zeigt eine reale Ansicht der Residenz von Kurfürst Clemens August. Auf dem Initialbild des Gebetes Für den Frieden ist das Residenzschloss Augustusburg in Brühl dargestellt. Mit dem Bau war 1725 begonnen worden; hier ist noch der alte Westturm zu sehen. Auf demselben Bild sieht man links davor den im Juli 1729 begonnenen Rohbau des Jagdschlosses Falkenlust. Links vom Schloss erkennt man Kirche und Kloster der Franziskaner und am linken Bildrand das 1730 abgebrochene kurfürstliche Sommerhaus im Park.
Eines der schönsten kalligraphischen Werke des 18. Jahrhunderts, von erlesener Provenienz und im seltenen ersten Druckzustand.