Lot 467

Picasso-Ausstellung, München 1955. - Korrespondenz zwischen dem Galeristen Ernst Beyeler und Peter A. Ade, Direktor des Münchener Hauses der Kunst, betr. die Leihgabe von Picasso-Arbeiten. 1955-56. 12 maschinengeschriebene Briefe mit eigenh. Unterschriften und 2 Ausleihscheine.

Estimate
€ 1.200
Starting Price
€ 800
Hammer Price
€ 800
Lot: 467
Category: Manuscripts and autographs
BEYELER, ERNST (1921 Basel - 2010 Riehen)
Galerist, Kunstsammler und Museumsgründer.

Korrespondenz zwischen dem Schweizer Galeristen Ernst Beyeler und dem Direktor des Hauses der Kunst in München, Peter A. Ade, anlässlich der ersten großen Picasso-Ausstellung in München 1955.

1) Beyeler, Ernst. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. Basel, 29. Juli 1955. 1 Blatt. Auf Briefpapier der Galerie Beyeler mit Wasserzeichen „Strathmore Bond“. 28 x 19,5 cm. Mit Eingangsstempel des Hauses der Kunst, München, vom 1. August 1955. - Beyelers initiales Anschreiben mit dem Angebot, „ein sehr wichtiges, spätes Bild“ für die geplante Picasso-Ausstellung zu entleihen. Es handelt sich um die Arbeit ‚Le Zouave (le fumeur)‘ von 1953, „signée en haut, à gauche, et au verso“. Das Bild werde momentan in einer anderen Ausstellung gezeigt, darum konnte Beyeler „dem Wunsch von Herrn Dr. Haftmann, das Bild in die Dokumenta-Ausstellung nach Kassel zu leihen, nicht entsprechen (...) Herr Kahnweiler wird sicher auch damit einverstanden sein.“ (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken Oberrand.)

2) Ade, Peter A. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. München, 2. August 1955. 1 Blatt. Dünnpapier. 29,5 x 21 cm. - An Ernst Beyeler. - Ade bedankt sich für das Angebot Beyelers, fragt, ob dieser bereit wäre, „dieses Bild auch für die Ausstellungen in Köln und Hamburg, die im Anschluß an München stattfinden, zur Verfügung zu stellen“, und versichert Beyeler der Übernahme sämtlicher Kosten für Transport und Versicherung. (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken Oberrand.)

3) Handschin, (Felix). Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. Basel, 10. August 1955. 1 Blatt. Auf Briefpapier der Galerie Beyeler. 28 x 19,5 cm. Mit Eingangsstempel des Hauses der Kunst, München, vom 11. August 1955. - An Peter A. Ade. - Handschin schreibt in Vertretung Beyelers, „der zur Zeit in den Ferien ist“ und gibt Ade die prinzipielle Zusage für die Ausstellung der Picasso-Arbeit in Köln und Hamburg unter dem Vorbehalt, „dass bei Verkauf des Bildes in unserer jetzigen Ausstellung die Zusage des neuen Besitzers einzuholen wäre, die an für sich unbestimmt ist“. Handschin stellt zudem die Übersendung von Clichés des Werkes in Aussicht. (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspur am linken Oberrand. Die obere Linke Blattecke etwas knickspurig. Minimal gebräunt. Mit hs. Korrekturen und Ergänzungen. Der Name des Verfassers von anderer Hand in Versalien unter die Signatur gesetzt.)

4) Beyeler, Ernst. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. Basel, 7. September 1955. 1 Blatt. Auf Briefpapier der Galerie Beyeler. 28 x 19,5 cm. Mit Eingangsstempel des Hauses der Kunst, München, vom 9. September 1955. - An Peter A. Ade. - Beyeler bietet nach einem Besuch Ades in Basel auch das Werk „Dora Maar“ für die Ausstellung an, schränkt aber seine vorher durch Handschin kommunizierte Zusage für die weiteren Ausstellungen in Deutschland ein, „da es ja möglich ist, dass ich dafür vorher einen Käufer habe, der sich anders entschliesst“. Beyeler schließt mit einem weiteren Leihangebot: „Im übrigen könnte ich Ihnen auch das Stilleben Crâne de mouton (Nr, 36 meines Kataloges) zur Verfügung stellen, welches sicher ein besonders attraktives Bild für eine Ausstellung wäre.“ (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken Oberrand. Im Textspiegel leicht fleckig. Obere linke Blattecke etwas knickspurig. Mit hs. Vermerk in Bleistift unter der Signatur. Minimal gebräunt.)

5) Ade, Peter A. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. München, 12. September 1955. 1 Blatt. Dünnpapier. 29,5 x 20,9 cm. - An Ernst Beyeler. - Ade bedankt sich für Beyelers Vorschlag, weitere Arbeiten von Picasso auszuleihen und bittet um Übersendung von Abzügen der Werke sowie um Unterzeichnung des Ausleihscheines. (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken Oberrand. Minimal knickspurig.)

6) Ade, Peter A. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. München, 23. September 1955. 1 Blatt. Dünnpapier. 29,5 x 21 cm. - An Ernst Beyeler. - Ade bittet erneut um Übersendung der Fotos der Werke ‚Dora Maar‘ und ‚Crâne de mouton‘ und die ausgefüllten Ausleihscheine, „da sich der Katalog bereits in Druck befindet“. (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken Oberrand. Im Bereich der Lochung mit kleiner Papierläsur.)

7) Beyeler, Ernst. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. Basel, 26. September 1955. 1 Blatt (beidseitig beschrieben). Auf Briefpapier der Galerie Beyeler. Mit Eingangsstempel des Hauses der Kunst, München, vom 27. September 1955. 28 x 19,5 cm. - Beyeler bietet zusätzlich das Bild ‚Tête d’une femme‘ (Öl auf Leinwand, 1952) für die Münchener Ausstellung an, dessen Wert er auf „DM. 17'000“ taxiert. Ebenfalls werde er die Tuschfederzeichnung ‚La fête‘ mitsenden. (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken Oberrand. Mit hs. Korrekturen. Minimal gebräunt.)

8) Ade, Peter A. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. München, 24. Oktober 1955. 1 Blatt. Dünnpapier. 29,6 x 21 cm. - An Ernst Beyeler. - Empfangsbestätigung für fünf Arbeiten von Picasso. (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken Oberrand. Am rechten Oberrand der Vermerk „No 75“ in rotem Buntstift.)

9) Ade, Peter A. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. München, 28. Oktober 1955. 1 Blatt. Dünnpapier. 29,6 x 21 cm. - An Ernst Beyeler. - Ade teilt Beyeler mit, dass vier seiner Ausleihen ohne vorherige Einholung von dessen Zustimmung ausgerahmt und mit Schutzrahmen versehen wurden, „um eine größere Einheitlichkeit in der Hängung zu erzielen“. Ade versichert Beyeler, die Entrahmung sei von Fachleuten durchgeführt worden und die Bilder würden vor der Rückgabe in den ursprünglichen Zustand versetzt. (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken Oberrand. Mit hs. Vermerk in Bleistift am rechten Oberrand.)

10) Beyeler, Ernst. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. Basel, 5. November 1955. 1 Blatt. Auf Briefpapier der Galerie Beyeler. Mit Eingangsstempel des Hauses der Kunst, München, vom 7. November 1955. 27,9 x 19,5 cm. - An Peter A. Ade. - Beyeler gibt seine nachträgliche Zustimmung zur Umrahmung seiner Leihgaben und macht Ade auf Bernard Buffet aufmerksam, dessen Ausstellung er zu besuchen empfiehlt: „Da in Deutschland noch keine Ausstellung von diesem wahrscheinlich besten, jungen, gegenständlichen Maler von Frankreich stattgefunden hat, und ich für die Schweiz und Deutschland die Vertretung habe, möchte ich Ihnen, falls Sie sich interessieren, empfehlen und vorschlagen, nächstes Jahr eine grosse Bernard Buffet-Ausstellung vorzusehen“. (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken Oberrand. Linke Blattecke etwas knickspurig. Minimal gebräunt. Mit hs. Korrekturen und gelöschtem Vermerk von der Hand des Verfassers.)

11) Ade, Peter A. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. München, 22. November 1955. 1 Blatt. Dünnpapier. 29,6 x 20,9 cm. - An Ernst Beyeler. - Ade bedankt sich für Beyelers erteilte Zustimmung und bittet um Übersendung des Austellungskataloges von Bernard Buffet. (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken Oberrand.)

12) Ade, Peter A. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift. München, 3. Januar 1956. 1 Blatt. Dünnpapier. 29,7 x 21 cm. - An Ernst Beyeler. - Anschreiben zur Rücksendung der leihweise überlassenen Fotos der Picasso-Arbeiten. (Am linken Rand gelocht. Heftklammer- und Rostspuren am linken Oberrand. Minimal gebräunt.)

13) Beyeler, Ernst. Ausleihschein des Münchener Hauses der Kunst mit eigenhändiger Unterschrift und Galeriestempel. Basel, 24. September 1955. 29,7 x 21,1 cm. - Per Schreibmaschine ausgefüllter Vordruck in deutscher und französischer Sprache. Dokumentiert die Arbeit ‚Crâne de mouton‘ als Leihgabe Beyelers zu einem Versicherungswert in Höhe von 34000 DM. (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken Oberrand. Zweifach gefalzt; im vertikalen Falz mit minimalem Einriss. Gering gebräunt. Unterrand etwas abgegriffen.)

14) Beyeler, Ernst. Ausleihschein des Münchener Hauses der Kunst mit eigenhändiger Unterschrift. (Basel), 26. September 1955. 29,7 x 21,1 cm. - Von Schreibmaschine ausgefüllter Vordruck in deutscher und französischer Sprache. Dokumentiert die Arbeit ‚Tête d’une femme‘ als Leihgabe Beyelers zu einem Versicherungswert in Höhe von 17000 DM. (Am linken Rand gelocht. Heftklammerspuren am linken und rechten Oberrand. Zweifach gefalzt; in den Falzen minimal eingerissen. Gering gebräunt.)


Die Korrespondenz zwischen dem Basler Galeristen Ernst Beyeler und dem Direktor des Hauses der Kunst in München gibt einen aufschlussreichen Einblick in die organisatorischen und kunstpolitischen Hintergründe der ersten großen Picasso-Ausstellung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. In den Briefen spiegelt sich nicht nur die praktische Seite des Ausstellungsbetriebs (Leihzusagen, Versicherungswerte, Transport- und Rahmenfragen), sondern auch die Dynamik zwischen privaten Sammlern, Galeristen und Institutionen. Beyeler zeigt sich als umsichtiger, aber geschäftstüchtiger Partner, der einerseits bereit ist, hochkarätige Werke für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen, andererseits stets die Möglichkeit eines Verkaufs im Blick behält und die Verbindlichkeit seiner Zusagen entsprechend einschränkt. Ade hingegen bemüht sich, mit diplomatischem Ton die Leihgaben zu sichern und den organisatorischen Ablauf – vom Katalogdruck bis zur Rahmung – abzusichern. Die Korrespondenz dokumentiert zudem den hohen Stellenwert, den Picasso bereits Mitte der 1950er-Jahre im westdeutschen Ausstellungsgeschehen einnahm. Bemerkenswert ist auch, dass Beyeler im Zuge der Zusammenarbeit die Gelegenheit nutzt, Ade auf den damals noch jungen Bernard Buffet aufmerksam zu machen – ein Hinweis auf die Doppelrolle des Galeristen als Vermittler zwischen Kunstmarkt und Museumswesen. Insgesamt verdeutlichen die Dokumente, wie eng persönliche Netzwerke, diplomatisches Feingefühl und geschäftliche Interessen miteinander verflochten waren und wie auf diesem Wege eine Ausstellung zustande kam, die für die deutsche Nachkriegskunstszene von großer Bedeutung sein sollte.