Lot 427
F. Callenbach, Sammelband mit 8 Schriften. (Nürnberg ca. 1714-16).
Estimate
€ 200
Starting Price
€ 140
Lot:
427
Category:
Literature from the 17th to 19th century
Artist:
Franz Callenbach
Callenbach, Franz: Sammelband mit 8 Schriften. (Nürnberg: Lochner 1714-16). 16,4 x 10 cm. Pgt. mit Rt.
(Einband berieben, fleckig und gedunkelt. Innen unterschiedlich stark gebräunt, teils altersfleckig und mit wenigen kleinen Papierläsuren. Einige Blatt schwach wasserrandig. Vor- und Nachsatz mit zahlr. hs. Notizen. Das fünfte Werk mit 2 beschädigten Blättern.)
1) Wurmland, Nach Lands-Art, Regiment, Religion, Sitten und Lebenswandel. Gleichsam auf einer Schaubühn vorgestellet. „Bey Vermelio Wurmsaam. Im Gast-Haus zum Regenwurm. Im Jahr, da es Wurmstichig war“ (= Nürnberg: Lochner 1714). 144 SS. - VD18 90833368.
2) Eclipses politico-morales. Sicht- und unsichtbare sittliche Staats-Finsternussen. „Gedruckt in Umbria. Im Jahr, da es finster war“ (= Nürnberg: Lochner ca. 1716). Mit Titelholzschnitt (Sonne und Mond). 84 SS. - VD18 10473815.
3) Quasi sive mundus-quasificatus: Das ist: Die quasificirte Welt, Sub Polis, Nisi & Quasi. „Gedruckt in der Quasi-Welt“ (= Nürnberg: Lochner 1715). Mit Hz.-Titel- und Schlussvignette. 4 Bll., 88 SS. - Vgl. VD18 90449886.
4) Quasi vero, Der Hinckende Bott Hat sich Wohl. „Heraus gegeben aus der Quasi-Welt, Auf der Post zu Fuß“ (= Nürnberg: Lochner ca. 1716). 112 SS. - VD18 10473866.
5) Uti ante hac, Auf die alte Hack. Oder: Die von den Todten erweckte alte Welt verweist der Neuen ihren verdächtigen Lebens-Wandel. „Gedruckt in der alten Welt Sub Signo Veritatis.“ Mit Hz.-Titelvignette. 88 SS. - VD18 90448731. (Die Seiten 51 bis 54 mit halbseitigem Ausriss.)
6) Genealogia nisibitarum. Deß Uralten NISI-Stamm-Baum Geburths-Brieff. Auff- und Zunehmen vom Fall Adams und Evä, biß auf diese letztere Zeiten, unaussetzlich von Hohen und Niedern Stands-Persohnen fortgepflantztes NISI-Geschlecht. 136 SS. - Diese Variante nicht im VD18. Vgl. VD18 90781333.
7) Puer centum annorum sive heteroclitus repuerascentis mundi genius. Der vor Augen liegend-handel-und wandlenden Welt täglich anhaltendes Kinder-Spiel. „Im Jahr, da die Welt alt und Kindisch war.“ 144 SS. - VD18 10473858.
8) Almanach Welt-Sitten-Staat-Marter-Kalender; Gerichtet auf alle Schalt-Jahr. „Wird verkaufft bey dem so genannten lahmen Mann in der Gerbers-Gassen im Stockhauß“ (= Nürnberg: Lochner 1716). Mit Hz.-Schlussvignette. 187 SS. - VD18 10473874.
Callenbach „war ein scharfer Beobachter des zeitgenössischen Lebens und nahm an seinen zahlreichen Aufenthaltsorten lebhaften kritischen Anteil am weltlichen und geistlichen Treiben. Vor allem in Wetzlar bot sich dem mit gesundem Mutterwitz ausgerüsteten Mann ein überaus reicher Stoff in den kläglichen von inneren Zwistigkeiten zerrissenen Wetzlarer Anfängen des Reichskammergerichts, in denen sich die wurmstichigen Zustände des Reiches und des deutschen Volkskörpers spiegelten. Hier entwickelte er sich zum Satiriker, der die deutschen Verhältnisse über den Wetzlarer Meridian hinaus scharf anvisierte und zu überdüsteren Einsichten gelangte; sie schlugen sich in seinen 8 deutschen Komödien nieder, die in Anklängen an Fischart, Moscherosch, Abraham a Santa Clara, an die jesuitische Dramatik und Lyrik mit vaterländischem Eifer die politischen und sozialen Mißstände geißeln und zur Umkehr mahnen. Die Satiren sind offenbar, trotz der häufigen Bühnenanweisungen, nur zur Lektüre, nicht zur Aufführung bestimmt gewesen: Sie bestehen aus einer losen Folge von realistischen Einzelszenen in teilweise ungefügtem Redestil ohne eine durchgehende, das dramatische Interesse verstärkende Handlung; allenfalls werden sie gelegentlich durch eine durchlaufende Person zusammengehalten (zum Beispiel die Gestalt des Hinkenden Boten). Daß in C. ursprüngliche dramatische Anlagen vorhanden waren, zeigt der Aufbau der Einzelszenen in ihrer scholastischen Dialektik. Die wiederholten Auflagen seiner Komödien beweisen, wie sehr seine patriotischen Strafreden den Beifall vieler Zeitgenossen fanden.“ (ADB III, 95 f.).
(Einband berieben, fleckig und gedunkelt. Innen unterschiedlich stark gebräunt, teils altersfleckig und mit wenigen kleinen Papierläsuren. Einige Blatt schwach wasserrandig. Vor- und Nachsatz mit zahlr. hs. Notizen. Das fünfte Werk mit 2 beschädigten Blättern.)
1) Wurmland, Nach Lands-Art, Regiment, Religion, Sitten und Lebenswandel. Gleichsam auf einer Schaubühn vorgestellet. „Bey Vermelio Wurmsaam. Im Gast-Haus zum Regenwurm. Im Jahr, da es Wurmstichig war“ (= Nürnberg: Lochner 1714). 144 SS. - VD18 90833368.
2) Eclipses politico-morales. Sicht- und unsichtbare sittliche Staats-Finsternussen. „Gedruckt in Umbria. Im Jahr, da es finster war“ (= Nürnberg: Lochner ca. 1716). Mit Titelholzschnitt (Sonne und Mond). 84 SS. - VD18 10473815.
3) Quasi sive mundus-quasificatus: Das ist: Die quasificirte Welt, Sub Polis, Nisi & Quasi. „Gedruckt in der Quasi-Welt“ (= Nürnberg: Lochner 1715). Mit Hz.-Titel- und Schlussvignette. 4 Bll., 88 SS. - Vgl. VD18 90449886.
4) Quasi vero, Der Hinckende Bott Hat sich Wohl. „Heraus gegeben aus der Quasi-Welt, Auf der Post zu Fuß“ (= Nürnberg: Lochner ca. 1716). 112 SS. - VD18 10473866.
5) Uti ante hac, Auf die alte Hack. Oder: Die von den Todten erweckte alte Welt verweist der Neuen ihren verdächtigen Lebens-Wandel. „Gedruckt in der alten Welt Sub Signo Veritatis.“ Mit Hz.-Titelvignette. 88 SS. - VD18 90448731. (Die Seiten 51 bis 54 mit halbseitigem Ausriss.)
6) Genealogia nisibitarum. Deß Uralten NISI-Stamm-Baum Geburths-Brieff. Auff- und Zunehmen vom Fall Adams und Evä, biß auf diese letztere Zeiten, unaussetzlich von Hohen und Niedern Stands-Persohnen fortgepflantztes NISI-Geschlecht. 136 SS. - Diese Variante nicht im VD18. Vgl. VD18 90781333.
7) Puer centum annorum sive heteroclitus repuerascentis mundi genius. Der vor Augen liegend-handel-und wandlenden Welt täglich anhaltendes Kinder-Spiel. „Im Jahr, da die Welt alt und Kindisch war.“ 144 SS. - VD18 10473858.
8) Almanach Welt-Sitten-Staat-Marter-Kalender; Gerichtet auf alle Schalt-Jahr. „Wird verkaufft bey dem so genannten lahmen Mann in der Gerbers-Gassen im Stockhauß“ (= Nürnberg: Lochner 1716). Mit Hz.-Schlussvignette. 187 SS. - VD18 10473874.
Callenbach „war ein scharfer Beobachter des zeitgenössischen Lebens und nahm an seinen zahlreichen Aufenthaltsorten lebhaften kritischen Anteil am weltlichen und geistlichen Treiben. Vor allem in Wetzlar bot sich dem mit gesundem Mutterwitz ausgerüsteten Mann ein überaus reicher Stoff in den kläglichen von inneren Zwistigkeiten zerrissenen Wetzlarer Anfängen des Reichskammergerichts, in denen sich die wurmstichigen Zustände des Reiches und des deutschen Volkskörpers spiegelten. Hier entwickelte er sich zum Satiriker, der die deutschen Verhältnisse über den Wetzlarer Meridian hinaus scharf anvisierte und zu überdüsteren Einsichten gelangte; sie schlugen sich in seinen 8 deutschen Komödien nieder, die in Anklängen an Fischart, Moscherosch, Abraham a Santa Clara, an die jesuitische Dramatik und Lyrik mit vaterländischem Eifer die politischen und sozialen Mißstände geißeln und zur Umkehr mahnen. Die Satiren sind offenbar, trotz der häufigen Bühnenanweisungen, nur zur Lektüre, nicht zur Aufführung bestimmt gewesen: Sie bestehen aus einer losen Folge von realistischen Einzelszenen in teilweise ungefügtem Redestil ohne eine durchgehende, das dramatische Interesse verstärkende Handlung; allenfalls werden sie gelegentlich durch eine durchlaufende Person zusammengehalten (zum Beispiel die Gestalt des Hinkenden Boten). Daß in C. ursprüngliche dramatische Anlagen vorhanden waren, zeigt der Aufbau der Einzelszenen in ihrer scholastischen Dialektik. Die wiederholten Auflagen seiner Komödien beweisen, wie sehr seine patriotischen Strafreden den Beifall vieler Zeitgenossen fanden.“ (ADB III, 95 f.).