Lot 222

J. v. Tilly. Eigenh. Brief mit U. Altenbrandenburg, 4.IV.1630.

Estimate
€ 2.000
Starting Price
€ 1.500
Hammer Price
€ 1.500
Lot: 222
Category: Manuscripts and autographs
TILLY, JOHANN T'SERCLAES VON (1559 Schloss Tilly, Brabant - 1632 Ingolstadt)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift („Johann Graev Von Tilly“). Altenbrandenburg, 4. April 1630. 1 Blatt. Mit Siegelrest. 34,3 x 26,7 cm.

(Kleine Läsuren am Ober- und Unterrand. Wasserfleck am Oberrand ohne Textberührung. Mehrere Textstellen leicht berieben. Gering gebräunt.)

An einen Fürsten: „[...] Auß Euer Fürstl. gnaden insgesampt ahn mich abermaln abgelassenen Schreiben vernehmme ich inhaltts waß denselben über das Holkhische Regiment des Obristen Corpes halber für Zuemuethung beschicht, Nuhn will ich nicht unterlassen bey jeziger angestellter Zusammenkunft herrn Administratorn von Metternich und auch He. Graff Wolffen von Manßfeldt hierüber zuvernehmmen, auß waß Ursachen sothane Zuemuethung beschee, Unterdienstlich pittend Euer fürstlche Gnaden geruhe sich biß dahin zu gedulden [...]“.

Johann T’Serclaes von Tilly war ein prominenter Feldherr im Dreißigjährigen Krieg, der als Oberbefehlshaber der Katholischen Liga entscheidende Siege errang. Geboren in der Grafschaft Brabant, diente Tilly in den Spanischen Niederlanden und in der kaiserlichen Armee, bevor er zum obersten Heerführer der Liga aufstieg. Er führte die katholischen Truppen in bedeutenden Schlachten wie der Schlacht am Weißen Berg (1620), die den Kaiserlichen einen entscheidenden Sieg über die protestantischen böhmischen Stände einbrachte, sowie in der Schlacht bei Lutter (1626) gegen König Christian IV. von Dänemark. Tillys Name ist auch mit der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 verbunden. Das als „Magdeburger Hochzeit“ bekannte Massaker gehörte zu den brutalsten während des Dreißigjährigen Krieges und entfesselte eine ungeahnte Gewalteskalation. Im Vorfeld dieses Ereignisses ist das hier angebotene Schreiben Tillys entstanden, der die erfolglos gebliebene Belagerung Magdeburgs durch Wallenstein Ende des Jahres 1630 wieder aufnahm.