Lot 96
Rheinische Republik. - 17 Blatt Druckschriften separatistischer Organe aus dem Jahr 1923 (u. a. „Die Rhein-Wacht“, „Kolonie Rheinland“, „Der Separatisten-Spiegel“). - Dazu: 1 zeitgenössisches (undatiertes) Einzelblatt mit Karikatur.
Estimate
€ 800
Starting Price
€ 550
Lot:
96
Category:
History, cultural history and miscellaneous
Rheinische Republik. - 17 Blatt verschiedender Druck- bzw. Flugschriften separatistischer Organe aus dem Jahr 1923. - Dazu: 1 zeitgenössisches (undatiertes) Einzelblatt mit politischer Karikatur.
1) „Nachrichtenblatt. Französischer Pressedienst, Coblenz. Herausgegeben zur rein sachlichen Berichtung französischer Falsch- und Hetzmeldungen über das besetzte Gebiet.“ 7 Bll. (2 Doppelblätter, 1 separates Doppelblatt und 1 Einzelblatt); vierspaltiger Druck. Jahrgänge und Nummern nicht eindeutig zu identifizieren, vermutl. 1x erster Jahrgang und 1x zweiter Jahrgang. Datierung anhand der Artikel auf den Zeitraum von Mai bis Juni 1923. 47,8 x 31,5 cm. - Als einziger mit Namen genannter Autor tritt ein „A. Rosmer“ in Erscheinung. Das erste Blatt des vermutl. ersten Jahrgangs mit dem programmatischen Artikel „An die rheinische Bevölkerung“: „Wir wollen helfen, das Unrecht wieder gutzumachen, das seit 4 1/2 Jahren von geistig gestörten Franzosen an dem Rheinland und seiner Bevölkerung begangen wird; wir wollen tätig mitarbeiten an der raschen Befreiung der Rheinlande von unseren Landsleuten, deren Ansprüche auf dieses Land, deren Hetz- und Lügenmeldungen über das besetzte Gebiet und Deutschland eine ständige Bedrohung des Friedens Europas darstellen.“ - Auswahl weiterer Artikel: „Poincaré - la Guerre“; „Frankreichs Politik an der Ruhr. Lloyd George als Kritiker“; „Von den rheinischen Separatisten. Briefe, die uns erreichten“; „Schlacht- und Arbeitsplan der R. R. V. P.“; „Deutsche Eisenbahner und französische Regie“; „Die Verseuchung der Pfalz durch die Besetzung“; „Europa am Abgrund. Nitti über das Schicksal des deutschen Volkes“; „Französische Sozialisten und der Ruhrkrieg“; „Frankreichs Rheinpolitik im Spiegel der französischen Presse“; „Der Sicherheitsschwindel“; „Die Hüter der Menschlichkeit“; „Die Vernichtung der rheinischen Wälder“. Insgesamt über 50 gedruckte Beiträge. - Gebräunt und mit einigen kleinen Randeinrissen.
2) „Kolonie Rheinland. Nachrichtenblatt zur wahrheitsgetreuen Berichterstattung über den Fortgang der Kolonisierung und Afrikanisierung der besetzten Rheinlande und Nassaus. Herausgegeben von Abd el Zwirner (früher Jacques Schneider) in Rheingrafenstein. Druck und Verlag der Liga zur Einführung afrikanischer Zustände am Rhein, Sitz Bingen (spr.: Bängschang).“ 1 Doppelblatt (4 Seiten); vierspaltiger Druck. Vermutl. Juni 1923. 45 x 30,6 cm. - Mit dem auf der Titelseite doppelt abgedruckten Hinweis „Bitte weitergeben!“. - Nummer 2. Mit einem Aufklärungsbeitrag des Herausgebers auf der Titelseite: „Ich erkläre hiermit öffentlich und feierlich, daß alle bisherigen Behauptungen grobe Lügen sind, die das Ausbleiben der Zeitung zu begründen versucht haben.“ - Artikelauswahl: „Was bezweckt Frankreich mit der Afrikanisierung der Rheinlande?“; „Die niederschmetternde Tragödie am Rhein“; „Prostitution im Dienste der französischen Kultur“; „Der Ruhreinbruch seit Jahren vorbereitet. Ein neues Dokument für die französische Schwindelpolitik“. - Gebräunt. Titelseite mit kleinem Einriss im Falz.
3) „Der Separatisten-Spiegel. Rheinische ‚Staats‘-Zeitung. Amtliches Organ der Vereinigten Verbände zur Loslösung der Rheinlande von Preußen und Deutschland. Erscheinungsort: Cologne. Druck und Verlag der Domatriede G. m. b. H. Herausgeber Franz Trier sämtlich in Cologne.“ 1 Doppelblatt (4 Seiten); vierspaltiger Druck. Vermutl. August 1923. 47,8 x 31,9 cm. - In der Titelzeile das Motto der Publikation „Alles für, mit und durch Frankreich! Vive la France! Es lebe das französische Rheinland!“ sowie der Hinweis „Erscheint nach Bedarf und wird kostenlos vom französischen u. franko-rhenanischen Propaganda-Dienst in Coblenz bzw. Düsseldorf-Bonn verbreitet.“ - Enthält 22 Artikel. Auf Seite 2 die dick umrahmte Aufforderung: „Jeder Empfänger dieser Zeitung im besetzten Gebiet sorge dafür, daß sie an einen Freund im unbesetzten Deutschland gelangt. Wir Rheinländer tragen für die Freiheit ganz Deutschlands die schweren Lasten und Leiden dieser Tage. Unsere Brüder und Schwestern im unbesetzten Deutschland müssen wissen, wie wir ungebeugt im Kampfe stehen und mit welcher grenzenlosen Verachtung wir das von Frankreich gekaufte und bezahlte Geschmeiß der Verräter behandeln.“ - Gebräunt und mit wenigen Feuchtflecken.
4) „Die Rhein-Wacht. Nachrichtenblatt. Herausgegeben zur rein sachlichen Berichterstattung über das besetzte Rheinland und Nassau. Verantwortlicher Schriftleiter: Joseph Sturm.“ 4 Blatt (8 Seiten); vierspaltiger Druck. Vermutl. Juli/August 1923. 48 x 32 cm. - Ausgewählte Artikel: „Fahrt nicht mit den Franzosenzügen!“; „Trierer Panoptikum“; „Poincarés Geständnis“; „Der 63. Deutsche Katholikentag unterdrückt!“; „Bausteine für Deutschlands Freiheit“. Daneben drei kämperische „Französische Flugblätter“ abgedruckt. - Gebräunt. Titelseite mit Einriss im mittleren Falz. Blasser Farbfleck am rechten Außenrand. Letzte Seite im Falz eingerissen.
5) 2 nicht zuzuordnende Einzelblätter (jeweils 48 x 31,8 cm). Das erste mit 7 Artikeln, darunter „Deutschlands Friedensangebot. 30 Milliarden - Gegenseitige Sicherheiten - Unabhängige Schiedsgerichte“; „Der Wille der Rheinländer. Geschlossener Widerstand gegen alle Loslösungsbestrebungen“. - Gebräunt. Fehlstelle an der oberen linken Ecke. Randläsuren. - Das zweite Blatt mit der Überschrift „Das Ausland gegen Frankreich“ und u. a. mit Beiträgen über Poincaré, „Vom japanischen Buschido“ und über die schwedische Kritik am französischen „Rheinterror“. Auf der Rückseite eine Illustration zu „Deutschlands Leistungen und Opfer“. - Gebräunt. - Datierung anhand der Artikel: Mai und August 1923.
6) 1 Einzelblatt „Die deutsche Republik / 11. August“. 23 x 25,9 cm. Abbildung in 2 Segmenten mit einer politischen Karikatur auf die deutsche Republik „wie sie ist“ und „wie sie sein sollte“. - Im Oberrand mit ca. 3 cm langem Einriss. Gebräunt und gering altersfleckig.
Zeitdokumente des Krisenjahres 1923, in dem separatistische Bewegungen im Rheinland die noch junge Demokratie der Weimarer Republik auf eine ernste Probe stellten. Am 26. Oktober 1923 bestätigte Paul Tirard, der französische Hochkommissar und Präsident der Rheinlandkommission, die Herrschaft der Separatisten, nachdem in den Tagen und Wochen zuvor einige rheinische Stadt- und Gemeindeverwaltungen von Anhängern verschiedener separatistischer Bewegungen und teilweise mit militärischer Hilfe der Besatzungstruppen gestürzt worden waren. Die sogenannte Rheinische Republik bestand nur wenige Wochen, wurde schließlich von den alliierten Besatzungstruppen zerschlagen und der Regierung der Weimarer Republik unterstellt, deren passive Politik während der Besetzung des Ruhrgebiets der Hauptkritikpunkt der Separatisten gewesen war. Die von den separatistischen Organen veröffentlichten Flugschriften stellen einen Spiegel der konkurrierenden Vorstellungen von der politischen Gestaltung Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg, dessen Friedenswerk die Handlungsmöglichkeiten der Weimarer Republik in solchen brisanten Situationen stark einschränkte, dar.
1) „Nachrichtenblatt. Französischer Pressedienst, Coblenz. Herausgegeben zur rein sachlichen Berichtung französischer Falsch- und Hetzmeldungen über das besetzte Gebiet.“ 7 Bll. (2 Doppelblätter, 1 separates Doppelblatt und 1 Einzelblatt); vierspaltiger Druck. Jahrgänge und Nummern nicht eindeutig zu identifizieren, vermutl. 1x erster Jahrgang und 1x zweiter Jahrgang. Datierung anhand der Artikel auf den Zeitraum von Mai bis Juni 1923. 47,8 x 31,5 cm. - Als einziger mit Namen genannter Autor tritt ein „A. Rosmer“ in Erscheinung. Das erste Blatt des vermutl. ersten Jahrgangs mit dem programmatischen Artikel „An die rheinische Bevölkerung“: „Wir wollen helfen, das Unrecht wieder gutzumachen, das seit 4 1/2 Jahren von geistig gestörten Franzosen an dem Rheinland und seiner Bevölkerung begangen wird; wir wollen tätig mitarbeiten an der raschen Befreiung der Rheinlande von unseren Landsleuten, deren Ansprüche auf dieses Land, deren Hetz- und Lügenmeldungen über das besetzte Gebiet und Deutschland eine ständige Bedrohung des Friedens Europas darstellen.“ - Auswahl weiterer Artikel: „Poincaré - la Guerre“; „Frankreichs Politik an der Ruhr. Lloyd George als Kritiker“; „Von den rheinischen Separatisten. Briefe, die uns erreichten“; „Schlacht- und Arbeitsplan der R. R. V. P.“; „Deutsche Eisenbahner und französische Regie“; „Die Verseuchung der Pfalz durch die Besetzung“; „Europa am Abgrund. Nitti über das Schicksal des deutschen Volkes“; „Französische Sozialisten und der Ruhrkrieg“; „Frankreichs Rheinpolitik im Spiegel der französischen Presse“; „Der Sicherheitsschwindel“; „Die Hüter der Menschlichkeit“; „Die Vernichtung der rheinischen Wälder“. Insgesamt über 50 gedruckte Beiträge. - Gebräunt und mit einigen kleinen Randeinrissen.
2) „Kolonie Rheinland. Nachrichtenblatt zur wahrheitsgetreuen Berichterstattung über den Fortgang der Kolonisierung und Afrikanisierung der besetzten Rheinlande und Nassaus. Herausgegeben von Abd el Zwirner (früher Jacques Schneider) in Rheingrafenstein. Druck und Verlag der Liga zur Einführung afrikanischer Zustände am Rhein, Sitz Bingen (spr.: Bängschang).“ 1 Doppelblatt (4 Seiten); vierspaltiger Druck. Vermutl. Juni 1923. 45 x 30,6 cm. - Mit dem auf der Titelseite doppelt abgedruckten Hinweis „Bitte weitergeben!“. - Nummer 2. Mit einem Aufklärungsbeitrag des Herausgebers auf der Titelseite: „Ich erkläre hiermit öffentlich und feierlich, daß alle bisherigen Behauptungen grobe Lügen sind, die das Ausbleiben der Zeitung zu begründen versucht haben.“ - Artikelauswahl: „Was bezweckt Frankreich mit der Afrikanisierung der Rheinlande?“; „Die niederschmetternde Tragödie am Rhein“; „Prostitution im Dienste der französischen Kultur“; „Der Ruhreinbruch seit Jahren vorbereitet. Ein neues Dokument für die französische Schwindelpolitik“. - Gebräunt. Titelseite mit kleinem Einriss im Falz.
3) „Der Separatisten-Spiegel. Rheinische ‚Staats‘-Zeitung. Amtliches Organ der Vereinigten Verbände zur Loslösung der Rheinlande von Preußen und Deutschland. Erscheinungsort: Cologne. Druck und Verlag der Domatriede G. m. b. H. Herausgeber Franz Trier sämtlich in Cologne.“ 1 Doppelblatt (4 Seiten); vierspaltiger Druck. Vermutl. August 1923. 47,8 x 31,9 cm. - In der Titelzeile das Motto der Publikation „Alles für, mit und durch Frankreich! Vive la France! Es lebe das französische Rheinland!“ sowie der Hinweis „Erscheint nach Bedarf und wird kostenlos vom französischen u. franko-rhenanischen Propaganda-Dienst in Coblenz bzw. Düsseldorf-Bonn verbreitet.“ - Enthält 22 Artikel. Auf Seite 2 die dick umrahmte Aufforderung: „Jeder Empfänger dieser Zeitung im besetzten Gebiet sorge dafür, daß sie an einen Freund im unbesetzten Deutschland gelangt. Wir Rheinländer tragen für die Freiheit ganz Deutschlands die schweren Lasten und Leiden dieser Tage. Unsere Brüder und Schwestern im unbesetzten Deutschland müssen wissen, wie wir ungebeugt im Kampfe stehen und mit welcher grenzenlosen Verachtung wir das von Frankreich gekaufte und bezahlte Geschmeiß der Verräter behandeln.“ - Gebräunt und mit wenigen Feuchtflecken.
4) „Die Rhein-Wacht. Nachrichtenblatt. Herausgegeben zur rein sachlichen Berichterstattung über das besetzte Rheinland und Nassau. Verantwortlicher Schriftleiter: Joseph Sturm.“ 4 Blatt (8 Seiten); vierspaltiger Druck. Vermutl. Juli/August 1923. 48 x 32 cm. - Ausgewählte Artikel: „Fahrt nicht mit den Franzosenzügen!“; „Trierer Panoptikum“; „Poincarés Geständnis“; „Der 63. Deutsche Katholikentag unterdrückt!“; „Bausteine für Deutschlands Freiheit“. Daneben drei kämperische „Französische Flugblätter“ abgedruckt. - Gebräunt. Titelseite mit Einriss im mittleren Falz. Blasser Farbfleck am rechten Außenrand. Letzte Seite im Falz eingerissen.
5) 2 nicht zuzuordnende Einzelblätter (jeweils 48 x 31,8 cm). Das erste mit 7 Artikeln, darunter „Deutschlands Friedensangebot. 30 Milliarden - Gegenseitige Sicherheiten - Unabhängige Schiedsgerichte“; „Der Wille der Rheinländer. Geschlossener Widerstand gegen alle Loslösungsbestrebungen“. - Gebräunt. Fehlstelle an der oberen linken Ecke. Randläsuren. - Das zweite Blatt mit der Überschrift „Das Ausland gegen Frankreich“ und u. a. mit Beiträgen über Poincaré, „Vom japanischen Buschido“ und über die schwedische Kritik am französischen „Rheinterror“. Auf der Rückseite eine Illustration zu „Deutschlands Leistungen und Opfer“. - Gebräunt. - Datierung anhand der Artikel: Mai und August 1923.
6) 1 Einzelblatt „Die deutsche Republik / 11. August“. 23 x 25,9 cm. Abbildung in 2 Segmenten mit einer politischen Karikatur auf die deutsche Republik „wie sie ist“ und „wie sie sein sollte“. - Im Oberrand mit ca. 3 cm langem Einriss. Gebräunt und gering altersfleckig.
Zeitdokumente des Krisenjahres 1923, in dem separatistische Bewegungen im Rheinland die noch junge Demokratie der Weimarer Republik auf eine ernste Probe stellten. Am 26. Oktober 1923 bestätigte Paul Tirard, der französische Hochkommissar und Präsident der Rheinlandkommission, die Herrschaft der Separatisten, nachdem in den Tagen und Wochen zuvor einige rheinische Stadt- und Gemeindeverwaltungen von Anhängern verschiedener separatistischer Bewegungen und teilweise mit militärischer Hilfe der Besatzungstruppen gestürzt worden waren. Die sogenannte Rheinische Republik bestand nur wenige Wochen, wurde schließlich von den alliierten Besatzungstruppen zerschlagen und der Regierung der Weimarer Republik unterstellt, deren passive Politik während der Besetzung des Ruhrgebiets der Hauptkritikpunkt der Separatisten gewesen war. Die von den separatistischen Organen veröffentlichten Flugschriften stellen einen Spiegel der konkurrierenden Vorstellungen von der politischen Gestaltung Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg, dessen Friedenswerk die Handlungsmöglichkeiten der Weimarer Republik in solchen brisanten Situationen stark einschränkte, dar.