Lot 422
J. Macpherson, Ossians und Sineds Lieder. 6 Bde. Wien 1791-92.
Estimate
€ 300
Starting Price
€ 200
Lot:
422
Category:
Literature from the 17th to 19th century
Ossians und Sineds Lieder. 6 Bde. 24,8 x 18,5 cm. Ldr. mit reicher Rv. und je 2 Rs.
((Etwas berieben und bestoßen. Vereinzelt l. finger- bzw. staubfleckig.))
Ossian (d. i. James Macpherson): Ossians und Sineds Lieder. (v. Michael Denis). 6 Bde. Wien: Ignaz Alberti 1791-92. 24,8 x 18,5 cm. Ldr. mit reicher Rv. und je 2 Rs.
(Etwas berieben und bestoßen. Vereinzelt l. finger- bzw. staubfleckig.)
Goed. IV/1, 195, 32. Graesse V, 60. - Vgl. Rümann 832 (1784). - Zweite Ausgabe der Ossian-Übersetzungen des auch unter dem Pseudonym „Sined der Barde“ bekannten österreichischen Jesuitenpaters Michael Denis (1729-1800). - 1760 veröffentlichte der schottische Schriftsteller James Macpherson (1736-1796) die „Fragments of ancient poetry“, eine Übertragung der Gesänge des gälischen Helden und Barden Ossian, Sohn des Fingal, aus dem Keltischen bzw. Altirischen ins moderne Englisch. Macpherson behauptete, die Gesänge des Ossian aus alten Manuskripten des dritten Jahrhunderts n. Chr. abgeschrieben und der Welt einen sensationellen Fund vorgelegt zu haben. Der ungeheure Erfolg des Ossian schien Macpherson Recht zu geben: Bis 1800 erschienen 4 vollständige und 40 Teilübersetzungen. Bürger, Herder, Jacobi, Stolberg, Diderot und viele andere waren vom „Homer des Nordens“ hingerissen. Selbst Goethe ließ den jungen Werther aus Macphersons Ossian zitieren und Lotte in der düsteren Erhabenheit sturmumtobter Felslandschaft schwelgen. Die Faszination nahm auch keinen Abbruch als Samuel Johnson, der bedeutendste englische Kritiker des 18. Jahrhunderts, öffentlich Zweifel an der Echtheit des Textes äußerte, die Macpherson nie zu entkräften vermochte. Stattdessen erschienen wie aus dem Nichts die Fingal-Dichtung im Jahre 1762, ein Jahr später das epische Gedicht „Temora“ und 1765 schließlich „The Works of Ossian“. Obwohl nie ein Manuskript vorgelegt, keine Inschrift in der angeblichen Originalsprache gefunden, keine belastbaren Beweise für die Echtheit des Ossian erbracht werden konnten, hielt Macpherson an seiner Version fest. Als die Kritik lauter und die Authentizität des Werkes zu einem Politikum wurde, soll er sogar eigenhändig Fälschungen der geforderten Manuskripte angefertigt haben. Heute gilt Macphersons Ossian als die größte Fälschung der Literaturgeschichte. Nachdem seine Dichtung zu Lebzeiten bewundert und als neuentdeckter Mythos gefeiert wurde, wird sie heute als Märchen eines erfolglosen schottischen Autors abgetan. Trotzdem ist die Genialität seiner Fälschung festzuhalten, schließlich gab Macpherson einer Epoche das, wonach sie sich sehnte: den Kontrast zur Gegenwart, eine quasi-romantische Sehnsucht nach Natur, Empfindsamkeit, Einfachheit, Würde und Pathos. - Breitrandiges Exemplar.
((Etwas berieben und bestoßen. Vereinzelt l. finger- bzw. staubfleckig.))
Ossian (d. i. James Macpherson): Ossians und Sineds Lieder. (v. Michael Denis). 6 Bde. Wien: Ignaz Alberti 1791-92. 24,8 x 18,5 cm. Ldr. mit reicher Rv. und je 2 Rs.
(Etwas berieben und bestoßen. Vereinzelt l. finger- bzw. staubfleckig.)
Goed. IV/1, 195, 32. Graesse V, 60. - Vgl. Rümann 832 (1784). - Zweite Ausgabe der Ossian-Übersetzungen des auch unter dem Pseudonym „Sined der Barde“ bekannten österreichischen Jesuitenpaters Michael Denis (1729-1800). - 1760 veröffentlichte der schottische Schriftsteller James Macpherson (1736-1796) die „Fragments of ancient poetry“, eine Übertragung der Gesänge des gälischen Helden und Barden Ossian, Sohn des Fingal, aus dem Keltischen bzw. Altirischen ins moderne Englisch. Macpherson behauptete, die Gesänge des Ossian aus alten Manuskripten des dritten Jahrhunderts n. Chr. abgeschrieben und der Welt einen sensationellen Fund vorgelegt zu haben. Der ungeheure Erfolg des Ossian schien Macpherson Recht zu geben: Bis 1800 erschienen 4 vollständige und 40 Teilübersetzungen. Bürger, Herder, Jacobi, Stolberg, Diderot und viele andere waren vom „Homer des Nordens“ hingerissen. Selbst Goethe ließ den jungen Werther aus Macphersons Ossian zitieren und Lotte in der düsteren Erhabenheit sturmumtobter Felslandschaft schwelgen. Die Faszination nahm auch keinen Abbruch als Samuel Johnson, der bedeutendste englische Kritiker des 18. Jahrhunderts, öffentlich Zweifel an der Echtheit des Textes äußerte, die Macpherson nie zu entkräften vermochte. Stattdessen erschienen wie aus dem Nichts die Fingal-Dichtung im Jahre 1762, ein Jahr später das epische Gedicht „Temora“ und 1765 schließlich „The Works of Ossian“. Obwohl nie ein Manuskript vorgelegt, keine Inschrift in der angeblichen Originalsprache gefunden, keine belastbaren Beweise für die Echtheit des Ossian erbracht werden konnten, hielt Macpherson an seiner Version fest. Als die Kritik lauter und die Authentizität des Werkes zu einem Politikum wurde, soll er sogar eigenhändig Fälschungen der geforderten Manuskripte angefertigt haben. Heute gilt Macphersons Ossian als die größte Fälschung der Literaturgeschichte. Nachdem seine Dichtung zu Lebzeiten bewundert und als neuentdeckter Mythos gefeiert wurde, wird sie heute als Märchen eines erfolglosen schottischen Autors abgetan. Trotzdem ist die Genialität seiner Fälschung festzuhalten, schließlich gab Macpherson einer Epoche das, wonach sie sich sehnte: den Kontrast zur Gegenwart, eine quasi-romantische Sehnsucht nach Natur, Empfindsamkeit, Einfachheit, Würde und Pathos. - Breitrandiges Exemplar.