Inhalt Katalog 157

Das Angebot der Auktion 157 umfasst knapp 500 Positionen mit Büchern, Graphik, Autographen und Handschriften.

Am Anfang steht das wohl schönste Werk mit griechischen Ansichten aus dem 19. Jahrhundert. Otto Magnus Frhr. von Stackelberg hat von 1810 bis 1814 Griechenland bereist, was in diesen Jahren mit großen Gefahren verbunden war, da das Land von den Türken besetzt war. Am Ende seiner Reise geriet er noch in Gefangenschaft von Piraten und musste gegen ein hohes Lösegeld von seinen Freunden frei gekauft werden. Sein Werk La Grèce. Vues pittoresques et topographiques mit insgesamt 126 lithographierten Abbildungen seiner Zeichnungen erschien in Lieferungen von 1829 bis 1834. Komplette Exemplare sind von größter Seltenheit. Das letzte vollständige Exemplar wurde nach unserer Kenntnis 2003 in London verkauft (Schätzpreis € 20.000).

Die ptolemäische Weltkarte Ptolemaisch General Tafel begreiffend die halbe Kugel der Welt (€1200), ein kolorierter Holzschnitt aus Sebastian Münsters Cosmographey, bildet den Auftakt der Graphik. Im Anschluss folgt eine Sammlung von 12 Schlachtenplänen des Siebenjährigen Krieges (€ 3000). Einige der in Bleistift und Tuschfeder ausgeführten sowie teils aquarellierten Pläne, unter anderem von Kolin, Groß-Jägersdorf, Hochkirch und Züllichau, zeigen umfangreiche Legenden zu den einzelnen Lagern bzw. Kriegsparteien.

Aus Johann Elert Bodes kartographischem Hauptwerk Uranographia sive astrorum descriptio viginti tabulis aeneis incisa kommt eine Sammlung von 15 kolorierten und teils vergoldeten Sternenkarten zum Aufruf (€ 3000). Die Karten, die zu den "besten Sternkarten, welche man hatte [zählten]" (ADB III, S. 1-2), zeigen sowohl die althergebrachten Sternbilder als auch neuzeitliche technische Apparaturen.

In seiner prachtvollen Himmelskarteder südlichen Hemisphäre Coeli Stellati Christiani Hæmisphærium Posterius (€ 2000), aus Harmonia Macrocosmica, 1660-61 bei Janssonius erschienen, berief sich Andreas Cellarius auf die christianisierten Sternbilder von Julius Schiller, welche dieser 1627 in seinem Atlas Coelum Stellatum Christianum veröffentlichte. Von Cellarius können drei weitere, reich kolorierte Himmelskarten angeboten werden, dabei Scenographia Systematis Copernicani, die Darstellung des heliozentrischen Planetensystems nach Nikolaus Kopernikus, Planisphaerium Braheum (…) ein Modell des Universums nach Tycho Brahe mit der Erde im Zentrum sowie Planisphærium Ptolemaicum (…), das Geozentrische Weltbild nach Claudius Ptolemäus mit der Erde im Mittelpunkt (von € 800 bis € 1200).

In der Abteilung Naturwissenschaft ist ein besonderes Exemplar von R. P. Lessons Histoire naturelle des oiseaux-mouches (1829-30) enthalten. Das in der Auktion angebotene Exemplar enthält die Kupfertafeln mit den Abbildungen der Vögel in Schwarz/Weiß und in Farbendruck mit Handkolorit. Das jetzt insgesamt 172 Tafeln enthaltende Werk ist in drei Bänden aufwendig von einem Pariser Starbuchbinder gebunden (€ 2000).

Insgesamt können in der Auktion drei Werke von Athanasius Kircher ausgerufen werden. Dieser jesuitische Universalgelehrte hat ins seiner Ars magna sciendi (1669) versucht, ein Universalgesetz für sämtliche Wissenschaftszweige zu finden (€ 2000). In seiner Phonurgia nova (1673) handelt er von der Akustik (€ 3000,-) und im dritten angebotenen Werk beschreibt er technische Geräte und Fundstücke in seinem Museum (€ 2000). Die Werke Kirchers zeichnen sich dadurch aus, dass sie reich mit Kupferstichen illustriert wurden.

Ein Sammelband mit 17 Drucken, die um 1600 erschienen sind, enthält die Geschichte des ‚Ewigen Juden‘: "Wunderbarlicher Bericht von einem Juden auß Jerusalem bürtig, und Ahasverus genennet, welcher fürgiebt alß sey er bey der Creutzigung Christ gewesen und bißher von Gott beym Leben erhalten worden" (1602).  Andere Drucke des Bandes sind nur in Varianten oder wenigen Exemplaren nachweisbar (€ 9000).

Die niederländische Ausgabe von J. J. Scheuchzers Kupferbibel oder Physica sacra enthält knapp 760 Kupfertafen und ist einheitlich in 8 Lederbänden gebunden (€ 8000).

Im Angebot alter Drucke des 15. und 16. Jahrhunderts sind einige seltene Werke aus Kölner Offizinen enthalten. Hervorzuheben ist das erste in Köln erschienene Rechenbuch. Das Werk von Johannes Huswirt wurde 1504 von Heinrich Quentell gedruckt. Es handelt sich hierbei um eine Mischung aus einem Rechenbuch und einer Einführung in das Rechnen für Studierende (€ 8000). Von Johannes Lichtenberger erschien ebenfalls in Köln im Jahr 1526 eine Prognosticatio.  Die Weissagungen Lichtenbergers waren zu ihrer Zeit sehr berühmt und beliebt, was die reiche Verbreitung in Handschriften und Drucken mit Übersetzungen in verschiedene Sprachen beweist. Das jetzt angebotene Exemplar ist mit 45 Holzschnitten ausgestattet (€ 1800). Ein anders beliebtes Werk der Zeit ist die Kosmographie des Sebastian Münster. Über 100 Jahre lang erschien dieses historisch-geographische Werk in reich illustrierten Ausgaben. Münster verarbeitete in seiner Kosmographie das Wissen seiner Zeit in Text und Bild. Angeboten wird eine französischsprachige Ausgabe aus dem Jahr 1568, die sämtliche Karten und Ansichten enthält (€ 9000).

Unter den Handschriften kann der dritte Band des bayerischen Stammbuchs von W. Hundt zu Lautterbach angeboten werden. Von dem genannten Werk sind nur die ersten beiden Bände gedruckt erschienen; der dritte Band ist nur in Handschriften überliefert. Unser Exemplar enthält neben dem Text etwa 750 Wappen in Federzeichnung und Aquarell (€ 1800). In der Autographenabteilung werden Schriftstücke von Charles Darwin, J. W. v. Goethe, W. C. Röntgen u.a. angeboten. Besonderes Interesse dürfte ein Konvolut von Schriftstücken aus der Hand und dem Umkreis des einflussreichen Musikers und Musikpädagogen Carl Friedrich Zelter erwecken, darunter auch ein eigenhändiges Musikmanuskript (€ 5000].

 

Von Albrecht Dürer kommen gleich 17 Blatt Kupferstiche und Holzschnitte sowie eine Eisenradierung zum Aufruf. Einen Höhepunkt bilden fünf Holzschnitte aus der lateinischen Textausgabe der Apokalypse, darunter das wohl bekannteste Blatt aus Dürers Zyklus Die apokalyptischen Reiter (€ 20.000), darüberhinaus Der Engelkampf (€10.000), Michaels Kampf mit dem Drachen (€10.000), Johannes erblickt die sieben Leuchter (€3000) und Johannes vor Gottvater und den Ältesten (€3000), alle in hervorragender Erhaltung und in ausgezeichneten Drucken.

Für Dürers Kupferstich Christus in der Vorhölle von 1512 werden € 2500 erwartet; die zwei Jahre später gestochene Maria mit dem Kind an der Mauer ist mit € 3000 taxiert. Die Eisenradierung Die Kanone (€ 2000)ist Dürers letzte und größte Radierung, welche das Motiv der Landschaft aufgreift.

Einen weiteren Höhepunkt der alten Graphik stellen 9 Radierungen von Rembrandt dar, darunter ein exzellenter, prachtvoller Frühdruck der Auferweckung des Lazarus, kleine Platte (€ 6000). Ferner suchen Der verlorene Sohn (€ 6000) von 1636 und Faust (Ein Wissenschaftler in seinem Studierzimmer), um 1652 radiert, in einem exzellenten Abdruck des sechsten Zustandes (€ 4000), einen Käufer.

Von Jan Lievens kann die seltene Radierung Die streitenden Kartenspieler und der Tod in sehr gutem Druck angeboten werden (€ 2400). Auch G. D. Tiepolos Die Heilige Familie kommt an einer Schafherde vorbei, eineRadierung aus der Folge Fuga in Egitto (Flucht nach Ägypten) liegt in schönem, kontrastreichem Abdruck vor (€ 2500).

Von Giovanni Battista Piranesi kommen zwei Radierungen aus Carceri d'invenzione in prachtvollen, frühen ersten Druckzuständen vor den Bearbeitungen zum Aufruf: Blatt X, die Weite Galerie mit Rundbögen und einer Gruppe Gefangener auf einer Plattform und Blatt XIII, Die Quelle (jeweils € 3000).

Einen abschließenden Höhepunkt bildet der Krönungszug von Carl Strathmann (€9000). Um 1902 hat Strathmann drei Blatt in Aquarell und Gouache mit Tuschfeder und Goldhöhung ausgeführt. Das in der Sechsten Ausstellung der Berliner Secession 1902-03 in Berlin gezeigte Werk wurde von Lovis Corinth aufgrund seiner Bildwirkung gelobt: „Durch seine schöne grosse Farbenwirkung in die Ferne erregt diese Bild Strathmanns zuerst die Aufmerksamkeit des Beschauers. Dann aber wandelt sich diese Aufmerksamkeit in bewunderndes Erstaunen, wenn in der Nähe betrachtet die reizvolle Ornamentik auf Rüstungen und Gewändern, die fleissige Durchführung der Blumen und Gräser zu Geltung kommt." (Lovis Corinth. Legenden aus dem Künstlerleben, S. 255 - 263 Carl Strathmann. Berlin, Paul Cassirer, 1909/1918).

 
Duerer 93 s
Albrecht Dürer
Die apokalyptischen Reiter. 1498

Holzschnitt aus: Die Apokalypse. Latein. Textausgabe 1511.