Inhalt Katalog 148

Der Katalog 148 enthält in 771 Nummern Bücher, Autographen und Manuskripte vom 15. Jahrhundert bis zum Jahr 1945 sowie alte Druckgraphik.

Die Versteigerung wird eröffnet mit Büchern zum Thema Reiseliteratur, Ansichtenwerke und Atlanten. Darunter findet man z.B. die bekannten Merian-Topographien von Schwaben und Franken (2 in 1 Bd., Taxe € 5000,-), Mähren und Schlesien (€ 2500,-) oder Niederlande und Westfalen (2 in 1 Bd., € 4000,-), daneben Olfert Dappers reich illustrierte landeskundliche Beschreibung der ägäischen Inseln «Naukeurige Beschryving der Eilanden …» (€ 2400,-), die erste Ausgabe des Geschichts- und Ansichtenwerks «Commentariorum rerum Germanicarum» von Petrus Bertius, Amsterdam 1616 (€ 2100,-) oder Leonhard Eulers «Atlas geographicus», Berlin 1753 (€ 2100,-).

Die Abteilung ‚Städte- und Landschaftsansichten, Landkarten‘ bietet gleich zu Anfang eine Reihe von zwischen 1689 und 1739 gezeichneten Manuskriptkarten aus dem Habsburgerreich. Daraus besonders erwähnt seien «Statt und Schloß Sigeth», eine bisher unbekannte Karte des bedeutenden Militärkartographen Leandro Anguissola von der näheren Umgebung der südungarischen Stadt Szigetvár aus dem Jahr 1689. Auf ihr ist der genaue Ort der Grabstätte des türkischen Sultans Süleyman des Prächtigen eingezeichnet, der im Jahr 1566 während der Belagerung und Schlacht um die Festung Szigetvár starb. Süleyman wurde an einem Ort bestattet, der später in Vergessenheit geriet und erst im Jahr 2015 nach aufwendiger Feldforschung ausgegraben werden konnte. Eine bekannte, fast gleichartige Karte Anguissolas von Szigetvár, die sich im Wiener Kriegsarchiv befindet, zeigt im Gegensatz zu unserer Karte das Grab Süleymans nicht, wodurch der vorliegenden eine besondere Bedeutung zukommt (€ 45.000,-). Eine weitere Manuskriptkarte stammt von Luigi Ferdinando Marsigli und Johann Christoph Müller; sie markiert den nach dem Friedensvertrag von Karlowitz 1699 festgelegten Grenzverlauf und die noch 1703 zu vervollständigende Grenzfestlegung zwischen dem Habsburgischen und dem Osmanischen Reich (€ 40.000,-). Von einem weiteren bekannten Kartographen, nämlich  den für die Kartographie Ungarns bahnbrechenden Sámuel Mikoviny, stammt eine besonders dekorative Gebietskarte in Feder und Aquarell des ungarischen Komitats Somogy aus dem Jahr 1726, angefertigt für den Grafen Raimund von Harrach  (€ 35.000,-).

Die Altmeistergraphik kann mit einem 32 Holzschnitte umfassenden Teil aus dem Triumphzug Kaiser Maximilians I. aufwarten. Die Folge enthält Abdrucke aus dem Jahr 1796 von den Originalstöcken von Altdorfer, Beck, Burgkmair, Schäufelein und Springinklee (€ 5000,-). Die «Schlacht der Geldsäcke und Schatztruhen» ist eine groteske Allegorie von Pieter Breughel d. Ä. im Kupferstich von Pieter van der Heyden (€ 2400,-). Von den zahlreich vorhandenen Radierungen Rembrandts sind z.B. «Der Goldschmied» (€ 3600,-), «Der Engel verlässt die Familie des Tobias» (€ 2700,-) oder die «Kreuzabnahme bei Fackelschein» (€ 3000,-) zu nennen. Zwei Aquarelle von Thomas Rowlandson aus den Jahren 1803 und 1823 sind mit € 3000,- und 2000,- taxiert. Von Henri de Toulouse-Lautrec liegt u.a. eine Entwurfsskizze zur Zeitschrift «La Vache enragée» vor (€ 3000,-).

Sämtliche Kupfertafeln zur Enzyklopädie von Diderot und d’Alembert, dem Hauptwerk der Aufklärung, bietet die 1762 bis 1777 erschienene zwölfbändige «Recueil de planches» (€ 8000,-). Einer der Höhepunkte der naturwissenschaftlichen Werke ist das seltene Hauptwerk des Nürnberger Kupferstechers Georg Wolfgang Knorr «Regnum florae» (1750-72), dem hier 298 (v. 300) kolorierten Kupfern umfassenden Tafelteil zum «Thesaurus rei herbariae hortensisque universalis», in dem er die ästhetisch ansprechendsten Darstellungen der beliebtesten Garten- und Feldblumen zu vereinen suchte (€ 30.000,-). Benjamin Maunds «The Botanic Garden» wird als komplette Reihe mit den Ergänzungsbänden in 14 Bänden angeboten (€ 4500,-). Das «Florilegium renovatum et auctum» des Joh. Theodor de Bry liegt in der Ausgabe von 1641 vor (€ 5000,-). In 90 (89 kolor.) Kupfertafeln veröffentlichte der Forschungsreisende Maximilian Prinz zu Wied-Neuwied 1822-31 mit den «Abbildungen zur Naturgeschichte Brasiliens» die bildlichen Darstellungen der Fauna Brasiliens zu seinen wissenschaftlichen Resultaten. Die seltene wohlerhaltene  Ausgabe ist mit € 10.000,- geschätzt.

Die Kölnische Chronik, im Jahr 1499 bei Johann Koelhoff dem Jüngeren gedruckt, gehört als volkssprachliches und reich bebildertes Buch zu den herausragenden Kölner Drucken der Inkunabelzeit. Ein koloriertes komplettes Exemplar dieses Werkes wird mit einem Schätzpreis von € 15.000,- angeboten. Ein weiterer bemerkenswerte Band aus den Alten Drucken ist das reich illustrierte «Thierbuch» (Zürich 1563) von Conrad Gesner, das hier mit seinem «Vogelbuch» (1557) und «Fischbuch» (1563) in einem Band vereint vorliegt (€ 9000,-). Ein schönes Exemplar der «Statuta ordinis Cartusiensis» des Guigo de Castro, gedruckt in Basel 1510, ist mit € 4500,- taxiert. Eine große Anzahl von Karten, Ansichten und Plänen enthält Sebastian Münsters Kosmographie, hier in einer deutschen Ausgabe von 1598 (€ 6000,-).

Zwei bemerkenswerte Manuskripte sind eine theologische Sammelhandschrift in mittelniederländischer Sprache, vermutlich entstanden in einem niederrheinischen Frauenkonvent gegen Ende des 15. Jahrhunderts (€ 5000,-) und ein mit den Jahren 1597-1600 datiertes Album mit meist französischen Chansons, Epigrammen und geistlichen Liedern in der Art eines Album amicorum, möglicherweise geschrieben von und für Gerardus ab Imstenraedt. Für einen seltenen eigenhändigen dreiseitigen Brief von Giacomo Casanova, den dieser 1791 in Schloss Dux in italienischer Sprache an den Grafen Collalto verfasste, werden € 9000,- erwartet. Aus einem höchst interessanten wissenschaftlichen Briefwechsel stammt eine Sammlung von 16 Briefen (3 eigenhändig) von Charles Darwin aus den Jahren 1862 bis 1879 an den deutschen Botaniker Friedrich Hildebrand (€ 30.000,-).

Als Hommage an den Ort der Auktion sei abschließend noch der sehr seltene Tafelband von Sulpiz Boisserée «Ansichten, Risse und einzelne Teile des Doms von Köln» erwähnt. In schlechter, aber durchaus reparabler Erhaltung ist das großformatige Werk mit € 5000,- geschätzt.

 
Anguissola
Szigetvár/Ungarn. - Statt und Schloß Sigeth/ samt der gantze Situation und bloquada ...
Manuskriptkarte von Leandro Anguissola, 1689.

Feder und Aquarell auf Bütten.