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H. Guarinoni, Die Grewel der Verwüstung menschlichen Geschlechts. Ingolstadt 1610.
Los 180
Kategorie Geschichte, Kulturgeschichte, Varia
Autor Guarinoni, Hippolyt
Guarinoni, Hippoliytus: Die Grewel der Verwüstung Menschlichen Geschlechts. In sieben unterschiedliche Bücher und unmeidenliche Haupstucken, sampt einem lustigen Vortrab, abgetheilt. Ingolstadt: A. Angermayr 1610. 31 x 20 cm. Mit Titel in Rot und Schwarz mit Hz.-Vignette, sowie ganzseit. Porträtkupfer von Raphael Sadeler nach Hieronymus von Kessel. 36 Bll., 1330 SS., 1 Bl. Restauriertes blindgepr. Schweinsldr. mit Messingschließen.

(Leichte Bereibungen. Vorsätze erneuert, Titelblatt und erstes Bl. "Dedicatio" gestempelt. Zu Beginn etwas, ab der Mitte des Buchblocks mit durchgehend größerem Feuchtigkeitsrand; vereinzelt wurmstichig, S. 367 mit repariertem Blatteinriss).

Goedeke II, 585, 21, 1. Hayn/Got. II, 697. Graesse III, 168. - Einziger Druck. - Der Tiroler Stadtarzt aus Hall Guarinoni (1571-1654) wirkte durch seine Veröffentlichungen als Aufklärer gegen Aberglauben und Quacksalberei und vor allem als Vorkämpfer für Volksgesundheit. Mit vorliegendem, sehr umfangreichen Werk, veröffentlichte er ein "sehr merkwürdiges und culturgeschichtlich wichtiges Werk, eine Encyclopädie der Diätetik, Hygiene und Makrobiotik, mit vielen (z. Th. derben) Reimen. Handelt u. a. von: Gebrauch der Bäder; Sauff- und Zechgelage; Grewel der Männer gegen ihre Eheweiber ... von der Natur und Eigenschafft menschlichen Samens; von Reinigkeit und Keuschheit; vom Grewel der ehelichen Geylheit; Yppigkeit, Hurerey und venerische Unmässigkeit; in welchem Alter man das Heyrathen unnd Kinderzeugen solte zu Ruhe lassen; vom Grewel dess steten und jmmerwehrenden ehelichen Beyschlaffs, unnd unehrbarn nackenden ligens; vom Tantzen ettc." (Hayn/Got.). - "Es ist eine Arbeit mit vorwiegend populär-medicinischer Tendenz, etwa so wie sie, nur in geistreicherer Weise und in kleinerer Gestalt, zwei Jahrhunderte später der Arzt Hufeland in seiner Makrobiotik der Lesewelt geschenkt hat ... dabei ist er jedoch auf seinen Zunftgenossen Paracelsus, der zum Theil dieselben Mittel anempfahl, sehr übel zu sprechen und nennt ihn (S. 114) wegwerfend 'den abenthewrischen Paracelsus mit seinen Scarteken' " (ADB X, 83 ff.). - Die Titelvignette zeigt ein siebenköpfiges Monster, das Badenden an einem Waschzuber in die Köpfe beisst. - Stempel "Histor. Seminar Univ. Innsbruck".
Schätzpreis € 450